Leben mit der Flüchtlingsunterkunft

Von blu.news,org

RegionalRhein-RuhrTitel— 09 April 2015

Dortmund: Im Stadtteil Hacheney wird seit vier Jahren eine Flüchtlings-Erstaufnahmestelle mitten in einem Wohnviertel betrieben. Für die Anwohner bedeutet das Beschimpfungen durch Asylsuchende, sexuelle Belästigungen, Flüchtlinge, die Blase und Darm in den Vorgärten der Anwohner entleeren sowie ständige Polizeieinsätze. Mit unideologischem Engagement erkämpfte eine Bürgerinitiative, dass die Stadt die Belastungen der Anwohner ernst nimmt.

Eingangsbereich der Flüchtlings-Erstaufnahmestelle in Dortmund-Hacheney (Bild: blu-news.org)

Eingangsbereich der Flüchtlings-Erstaufnahmestelle in Dortmund-Hacheney (Bild: blu-news.or

Im Düsseldorfer Osten gibt es seit Monaten Proteste, weil die Stadt Teile der Bergischen Kaserne im Stadtteil Hubbelrath zukünftig als Flüchtlings-Erstaufnahmestelle (EAE) für 600 Asylbewerber nutzen will. Die städtische Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (Grüne) zeigte sich bislang wenig verständnisvoll gegenüber den Ängsten von Anwohnern und betonte lediglich, dass Flüchtlinge keine Menschen wären, „die nicht wissen, wie sie sich zu benehmen haben”. Eine Aussage, die durch Fakten leicht zu widerlegen ist. Denn im Dortmunder Stadtteil Hacheney wird bereits seit dem 4. April 2011 eine EAE für 350 Asylbewerber betrieben. Und auch dort wurde den Menschen von der Politik anfänglich erzählt, dass diese Einrichtung für die Anwohner keine Belastung darstelle.

Aber die Realität entwickelte sich schnell anders: Nur selten befanden sich tatsächlich nur 350 Asylbewerber oder weniger in der EAE. Obwohl später durch ein Gerichtsurteil festgelegt wurde, dass diese Zahl nicht überschritten werden darf, gab es immer wieder dramatische Überbelegungen, zuletzt im Februar. Und da 27 Prozent der bundesweiten Asylbewerber in Hacheney aufgenommen und von dort weiter verteilt werden, bedeutet das für die Anwohner regen Verkehr mit Bussen und Taxen an ihren Häusern vorbei, nicht selten auch zur Nachtzeit.

„Für uns Frauen ist das nicht ganz so nett”

Dass in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft eine Flüchtlings-Erstaufnahmestelle in Betrieb genommen wird, haben die Menschen in Hacheney im Spätsommer 2010 aus der Zeitung erfahren. Sofort bildete sich eine Bürgerinitiative mit rund 60 Mitgliedern. Nachdem die EAE ihren Betrieb aufgenommen hatte, begann die Initiative damit, der Stadt aufzuzeigen, welchen Belastungen die Anwohner ausgesetzt sind. Und das sind nicht wenige: Immer wieder gibt es Randale durch betrunkene Asylbewerber, deren Alkoholkonsum „extrem” sei. Leere Flaschen werden einfach in die Gärten der Anwohner geworfen, dort entleeren einzelne Flüchtlinge auch ihre Blase und selbst ihren Darm. Anwohner müssen sich seit der Inbetriebnahme der EAE Beschimpfungen wie „Scheiß Deutsche” und „Scheiß Deutschland” anhören. Sexuelle Belästigungen der Anwohnerinnen durch männliche Asylbewerber gibt es ebenfalls immer wieder: „Für uns Frauen ist das nicht ganz so nett”, so Iris Brüggemann, die Sprecherin der Bürgerinitiative, im Gespräch mit blu-News.

Vergewaltigungen habe es zum Glück noch keine gegeben, sollte das eines Tages doch der Fall sein, „dann kann sich die Stadt Dortmund aber warm anziehen”, so Brüggemann. Aber wenn junge Frauen alleine in der Nähe der EAE unterwegs sind, werden sie schnell von jungen und männlichen Flüchtlingen umringt, die mit Rufen wie „Sexy, sexy” den Frauen „ganz nahe kommen”. Brüggemann selbst schützt sich dadurch, dass sie mit ihrem Hund unterwegs ist und immer die Schiedsrichter-Pfeife ihrer Tochter dabei hat. Wenn sie davon Gebrauch macht, lassen die Flüchtlinge sofort von ihr ab und rennen wieder weg. „Ich will nicht belästigt werden, von niemandem”, sagt sie. Und ihr Tonfall lässt keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meint. Im Gegensatz zu anderen Bewohnern, die inzwischen aufgegeben haben und ihr Haus weit unter Preis verkauft haben, ist die zierliche Frau geblieben und hat sich zusammen mit ihren Mitstreitern zu trotzigen Kämpfern entwickelt: „Das ist unser Zuhause. Wir können nicht flüchten.”

Aber es stimmt sie traurig, dass es seit 2011 nicht mehr möglich ist, Frühling und Sommer auf dem Balkon zu genießen, ohne durch Geschrei und Pöbeleien gestört zu werden. Und damit, dass die Frauen in ihrer Nachbarschaft im Winter nur deshalb nicht belästigt wurden, weil es zumeist kalt oder regnerisch war und die Flüchtlinge in den letzten Wochen schneller in ihre endgültigen Unterkünfte verschickt wurden, ist sie auch nicht glücklich: „Die haben jetzt gar keine Möglichkeit, uns zu belästigen. Das wird sich aber wieder ändern, wenn Sommer und Normalbetrieb ist.”

Polizeipräsident kommt nicht

Mit der Polizei sind Brüggemann und ihre Nachbarn nicht zufrieden; die Beamten kommen, wenn sie gerufen werden, aber oftmals müssen die Menschen in Hacheney eine Stunde oder länger darauf warten. Als ein Nachbar von einem Asylbewerber geohrfeigt wurde, wurde die Anzeige wegen „fehlendem öffentlichen Interesse” eingestellt, so wie alle Strafanzeigen von Anwohnern gegen Flüchtlinge. Den Dortmunder Polizeipräsidenten habe die Bürgerinitiative mehrfach eingeladen, damit er sich ein Bild von der Situation machen könne. Gekommen ist er nicht, stattdessen ließ er mitteilen, dass Hacheney „auf seiner Prioritätenliste nicht oben stehe”, erzählt Brüggemann mit Verärgerung in der Stimme.

Ähnliche Erfahrungen hat auch blu-News gemacht, so ist eine an die Dortmunder Polizei gerichtete Presse-Anfrage vom 1. Dezember zur Anzahl der Polizeieinsätze und der Strafanzeigen im Zusammenhang mit der EAE bis heute unbeantwortet. Mehr Erfolg hatte die CDU-Fraktion im Düsseldorfer Landtag; auf deren Druck hin musste der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) vor wenigen Wochen zugeben, dass es 2014 wegen der EAE in Hacheney 131 von außen veranlasste Polizeieinsätze gegeben hat. Nur in der Flüchtlingsunterkunft Burbach hat es im letzten Jahr noch mehr außenveranlasste Polizeieinsätze geben.

Bitte weiterlesen:

http://www.blu-news.org/2015/04/09/leben-mit-der-fluechtlingsunterkunft/

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