
Wie schafft es eine Schule in die überörtliche Presse? Mit positiven Schlagzeilen in Deutschland eher selten. Und mit negativen, was braucht man da? Was bringt eine Leipziger Schule auf die Titelseite von Zeit-online? Pegida? Deutschtümelei? Oder gar Nazis? Es geht um die Grundschule am Rabet im Leipziger Osten. Sie ist diejenige mit dem sachsenweit höchsten Anteil von Kindern aus Zuwandererfamilien, 61,6 Prozent. Und die Einrichtung, behaupten Elternvertreter, sei hoffnungslos überfordert, damit umzugehen.
(Von rotgold)
Die Eltern haben deshalb eine konzertierte Aktion gestartet. “Wir wussten uns nicht anders zu helfen”, sagt Ulrike Geisler, 29, stellvertretende Vorsitzende des Elternrats. Am Montag verschickte Geisler einen offenen Brief an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), unterzeichnet vom Elternrat und dem Förderverein der Schule. Darin ist von “gravierenden Missständen” die Rede, Schüler würden von Lehrern “angebrüllt, beschimpft und sogar geschlagen”, das Kindeswohl sei gefährdet. Es sind heftige Vorwürfe,
so Zeit-online.
Das Interessante an diesem Artikel ist nun, dass die Unterzeichner des erwähnten Briefes in einem Leserkommentar direkt Stellung dazu beziehen. Die Stellungnahme lässt sich ungefähr auf kurz vor 12 Uhr zurückrechnen, während der Artikel offensichtlich aktualisiert wurde, er datiert auf 14.48 Uhr.
Die Missstände bei Zeit online dargestellt sind folgende:
..Schüler würden von Lehrern “angebrüllt, beschimpft und sogar geschlagen”,
(Auszug aus dem Brief)
“Kinder wurden hier schon von Mitschülern verprügelt, ja regelrecht verdroschen”, sagt Geisler und zeigt auf den Spielplatz vor dem kargen Schulgebäude..
(offensichtlich direkte Stellungnahme gegenüber ZON vor Ort, siehe Nachsatz. Ulrike Geisler nimmt auch in dem Kommentar Stellung)
“Natürlich gibt es Schwierigkeiten in diesem Stadtteil”, erwidert Roman Schulz, der Pressesprecher der zuständigen Bildungsagentur, aber bislang habe die Schule diese gut gemeistert.
Die Probleme in der Schule ergeben sich also aus der spezifischen Situation des Stadtteils. Und die wäre?
Der Elternrat wird von Zeit online dann mit folgenden Vorwürfen zitiert:
– Es hätten sich schon Eltern gegenseitig verklagt, weil deren Kinder mit auffälligen blauen Flecken heimgekommen seien.
– Im vorigen Schuljahr habe eine Schülerin Lehrer geschlagen, das Mobiliar zertrümmert, sei weggerannt.
– Immer wieder würden Lehrer die Kontrolle über sich verlieren, Kinder hart anpacken, an die Wand drücken, sie anbrüllen. Eine Pädagogin habe ein Kind am Kopf geschlagen, ein Kollege den Ranzen eines Schülers getreten.
– Einem Mobbing-Opfer sei geraten worden, die Schule zu wechseln. Ohne Sozialarbeiterin sei in manchen Klassen kein Unterricht möglich.
Soweit die Vorwürfe, wie sie in der ZEIT dargestellt sind. Diese Vorwürfe, die offensichtlich irgendwie mit Zuwandererfamilien zu tun haben, wie zu Beginn verschämt angedeutet wird, die sind natürlich delikat. Sie könnten Wasser auf die Mühlen derer sein, die solche Zustände und ihre Ursachen befürchten, die man aber immer wieder damit verlacht hat, dass es doch kaum Ausländer in Sachsen gebe. Und wenn, dass die doch keinen Ärger machen, sondern so schön bunt sind. Darf man also so viel Wirklichkeit beim Namen nennen und Pegida und Legida unterstützen?
Natürlich nicht. Deshalb ist das erste Dementi von Frau Geisler auch bereits im Artikel eingebaut:
“Das ist ein ehrlicher Stadtteil”, sagt Ulrike Geisler. “Die Leute kommen aus allen Regionen der Welt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, von hier wegzuziehen, ich muss mein Kind nicht vor allem schützen.” Das soll so eine Art Klarstellung sein: Mit Pegida oder Legida, diesen zuwanderungskritischen Bewegungen, habe sie nichts gemein. Aber Probleme an der Schule müssten trotzdem benannt werden.
Aber offensichtlich ist da immer noch zu viel Inkorrektes in den Artikel gerutscht, wenngleich die Quellen ja kaum missverständlich gewesen sein können. Das Schreiben wurde zitiert und auch Frau Geisler. Vorausgesetzt, der ZEIT-Journalist hat keinen Hörfehler, so wird er doch wohl korrekt berichtet haben. Oder?
Jedenfalls folgt mit Leserkommentar 2 die bereits erwähnte „Klarstellung“ der Unterzeichner des offenen Briefes:
Aus unserer Sicht (der Unterzeichner des Offenen Briefes) hat die Schule am Rabet nicht so viel mit der Rütli-Schule gemein, wie im Artikel dargestellt. Sie ist keine „Gewaltschule“. Im Artikel werden entsprechende Einzelfälle als Regel dargestellt, was sie nicht sind. Entschieden widersprechen wir dem Satz „Immer wieder würden Lehrer die Kontrolle über sich verlieren (…).“ Die meisten Lehrer sind engagiert und kompetent und leisten jeden Tag sehr gute Arbeit in den Klassen. Das Hauptproblem ist eine Personalie: die überforderte Schulleitung.
Hat die Schulleiterin also das Mobiliar zertrümmert, Kinder hart angepackt, oder den Ranzen eines Schülers getreten? Sicher nicht. Es scheint, als würde hier ein Bauernopfer gesucht und gefunden, was aber an den Missständen nicht unbedingt etwas ändert. Hier eine Aufstellung in der „Klarstellung“:
Wir wollen in erster Linie eine fähige Schulleitung, die sich den Problemen stellt und sie nicht ignoriert oder bagatellisiert;
Neben den fortgesetzten Angriffen gegen die Schulleiterin wird eingeräumt, dass es Probleme gibt. Sie würden aber ignoriert oder bagatellisiert. Indirekt zeigt das aber, dass die Probleme beträchtlich sein müssen.
.. die den Lehrern klare Anleitungen für Konfliktsituationen an die Hand gibt;
Die Schulleiterin hat also keine klaren Anleitungen gegeben. Fertigt sie die alleine aus? Sind Lehrer derart unselbstständig, dass sie erst die Schulleiterin fragen müssen, was sie tun sollen? Oder haben einfach zu viel Angst, in die falsche Schublade gesteckt zu werden? Warum kommen die Lehrer nicht zu Wort, anonym vielleicht, ZEIT-online?
..die konsequent jene Kinder schützt, die von anderen Kindern geschlagen werden..
Das scheint häufiger vorzukommen, sonst würde es nicht erwähnt. Aber: Ist die Schulleiterin allein für den Schutz von Kindern zuständig, wenn die geschlagen werden? Muss sie erst geholt werden, und kann ein normaler Lehrer nicht zwei Raufbolde trennen? Hat er keine Disziplinarmaßnahmen zur Hand? Gibt es sie nicht oder „dürfen“ sie nicht angewandt werden? Warum nicht? Wovor haben die Lehrer Angst? Warum werden sie in der „Klarstellung“ auch noch gelobt? Was ist da los?
..und sofortige Sanktionen gegen Täter-Kinder verhängt;
Warum werden keine Sanktionen von den Lehrern verhängt? Was für Waschlappen sind da am Werke? Was für Feiglinge? Wovor haben sie Angst? Vor den Kindern oder vor den Eltern der Kinder? Vor der Schulleiterin? Behindert die Schulleiterin vielleicht selbst
Disziplinarmaßnahmen gegen die kleinen Schläger? Wovor hat sie Angst?
..die die Einbeziehung von Migranten-Eltern ins Schulleben fördert;
Was haben die jetzt damit zu tun? Wieso muss man ihre Einbeziehung ins Schulleben „fördern“. Ist der Weg zur Schule zu weit? Sprechen sie kein Deutsch? Haben sie den Wunsch geäußert, die Sprache zu erlernen und keinen Deutschkurs bekommen? War er ihnen zu teuer? Wieso fördern die Elternvertreter das nicht? Gehören sie nicht zu ihnen, die „Migranten-Eltern“ aus dem „ehrlichen Stadtteil“, wie ihn Frau Geisler nennt? Warum erfreut sich die Elternschaft nicht an deren Bereicherung und kritisiert die Schulleiterin; soll sie auch das noch übernehmen?
Die Probleme bleiben im Nebel. Die Schulleiterin gerät in den Blickpunkt und immer wieder eine offensichtlich hohe Aggressivität und Gewaltbereitschaft an der Schule. Ist die Schulleiterin untätig oder ist sie eine, die die Probleme klein redet? Hält sie wenig von bunten Methoden der Konfliktbewältigung, die nie funktionieren? Alles kommt irgendwie im Zerwürfnis mit einer Sportlehrerin zum Ausdruck, die versuchte:
„aus aggressiven Kindern friedliebende zu machen. Sie startete eine Judo-AG namens “Raufen und Zweikampf nach Regeln”, das sprach sich herum. Der MDR drehte eine Doku. Bald jedoch verließ die Sportlehrerin die Schule wieder. Sie hatte sich mit der Schulleiterin überworfen. Diese sah ihre Einrichtung durch die Berichterstattung über aggressive Kinder in ein falsches Licht gerückt.
Der Artikel hinterlässt sehr viele Fragen und beantwortet kaum eine. Und die „Klarstellung“ der Elternvertreter lässt nur dunkel erahnen, was da los ist. Es bleibt der Eindruck einer klammen und stinkigen Atmosphäre aus politkorrekter Faulheit, Feigheit und Bequemlichkeit, die auf dem Rücken von Kindern ausgetragen wird.
PI-NEWS
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