Kreisgrabanlage und Sonnenobservatorium in Goseck – Sachsen/Anhalt

Schloss Goseck

Das idyllische Örtchen Goseck in der Saale-Unstrut Region war den meisten Menschen, wenn überhaupt, wohl nur durch sein schönes, altes Schloss bekannt. Doch als 1991 Luftbildarchäologen ein Sonnenobservatorium entdeckten, sollte sich dies ändern.

Eine Kreisgrabenanlage, die mit ihren 7.000 Jahren als ältestes Observatorium Europas gilt, wurde ausgegraben und rekonstruiert und machte Goseck weit über die Region hinaus bekannt.

Observatorium innen

Seit Ende 2005 ist das Sonnenobservatorium für neugierige Besucher geöffnet und lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein. Im nahe gelegenen Schloss befindet sich eine publikumswirksame Ausstellung zu diesem beeindruckenden archäologischen Fund.

Eine Kreisgrabenanlage aus 1.675 Eichenstämmen

Sonnenobservatorium Goseck im Schnee
Goseck zum Sonnenuntergang (Foto: J. Lipták)

In der Gemeinde Goseck im Landkreis Weißenfels fanden Luftbildarchäologen 1991 ein weiteres Highlight der Astronomiegeschichte: ein Sonnenobservatorium. Mit seinen 7.000 Jahren Geschichte gilt es als das älteste in Europa und sorgt somit weltweit für großes Aufsehen, denn Stonehenge in England, was schon seit vielen Jahren tausende von Menschen in seinen Bann zieht, ist „lediglich“ 4.000 Jahre alt.
Eine Kreisgrabenanlage, die mit ihren 7.000 Jahren als ältestes Observatorium Europas gilt, wurde ausgegraben und rekonstruiert und machte Goseck weit über die Region hinaus bekannt.

Die Anlage besteht aus einem fast kreisrunden Graben von etwa 75 Metern Durchmesser, der von einem Wall umgeben ist. Im Inneren des Kreises sind über drei Meter hohe Stämme in die Erde eingelassen und bilden zwei Palisadenringe. Damit wird der Blick ins Innere verhindert und schafft von innen neue Horizonte. Durch Wall, Graben und Palisadenringe ziehen sich drei Unterbrechungen in die Himmelsrichtungen Norden, Südosten und Südwesten in Form aufwendig gestalteter Tore.

Am Tag der längsten Nacht kann man beobachten, wie im Südwesttor der Kreisgrabenanlage die Sonne untergeht. Am Morgen danach geht die Sonne im Südosttor wieder auf. Man vermutet, dass diese alte Kreisgrabenanlage auch als Versammlungs-, Kult- und Gerichtsplatz diente, auf dem Fruchtbarkeitsreligionen gefeiert wurden. Vermutlich waren diesem Ort selbst rituelle Menschenopfer nicht fremd.

Sonnenwendfeier (Foto: SUT e.V.)

Zweimal jährlich laden der Gosecker Sonnenobservatorium e.V. und die Gemeinde Goseck zu einer Feier an der Kreisgrabenanlage ein. Jeweils zu den wichtigen Terminen der Winter- und Sommersonnenwende am 21. Dezember und 21. Juni finden die Ereignisse statt. Hautnah kann der Besucher bei diesem gemeinschaftlichen Ereignis den Sonnenkult unserer Vorfahren erleben.

Das ganze Jahr über steht die frei begehbare Anlage für die Besucher offen. Es empfiehlt sich in jedem Fall, den Besuch am Standort Goseck mit dem Besuch des zugehörigen Infopoint zu beginnen. Ganzjährig bietet das Personal des Infopoint auch Gruppenführungen am Sonnenobservatorium an.

Sonntags sowie an Feiertagen finden von April bis Oktober jeweils um 14.30 und um 15.15 Uhr öffentliche Führungen statt. Treffpunkt ist an der Kreisgrabenanlage.

http://www.himmelswege.de/de/orte/goseck/sonnenobservatorium.html

Grabungskampangen 2002 bis 2004 der Archäologen

 Tor in die Steinzei

Die Kreisgrabenanlage von Goseck
The circular enclosure of Goseck
2002 bis 2004 wurde die Anlage von Archäologen komplett ausgegraben, vermessen und dokumentiert.

Between 2002 and 2004 the enclosure was completely excavated and documented by archaeologists.

Im Auftrag des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt wurde die Region wegen einer bekanntermaßen hohen prähistorischen Befunddichte im September 1991 überflogen. Westlich von Goseck wurde eine positive Markierung der Vegetation, die die annähernde Form eines Kreises mit drei Öffnungen zeigte, entdeckt. Erste wissenschaftliche Theorien deuteten z. B. auf eine Wehranlage oder auf einen Viehkrahl hin. Diese wurden dann durch wissenschaftliche Untersuchungen verworfen.

11 Jahre nach der Entdeckung durch Luftbildprospektion wurde in drei Grabungskampangen 2002 bis 2004 von Archäologen und Studenten des Studienganges „Prähistorische Archäologie“ der MLU die gesamte Anlage ausgegraben, vermessen und dokumentiert.

Nach den ersten Grabungen deuten die Befunde auf eine archäologische Sensation hin. Drei gut erhaltene Tore, mit Wangen eingefasst, markieren nach Norden, Südosten und Südwesten ausgerichtet, den Sonnenauf- und Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende am 21. Dezember des Jahres.

Insbesondere den Möglichkeiten der Luftbild- und geophysikalischen Prospektionen ist es zu verdanken, dass sich nunmehr auch in Mitteldeutschland ein Verbreitungsschwerpunkt von Kreisgrabenanlagen herauskristallisiert. Gegenüber dem Hauptverbreitungsgebiet der Anlagen zeichnet sich diese Region durch seine eher peripher nördliche Lage aus.

Neben den Prospektionen boten nun auch die genauen archäologischen Untersuchungen günstige Vorraussetzungen für detailierte astronomische Forschungen. So konnte Dr. W. Schlosser vom Institut für Astro-Physik der Universität Bochum nachweisen, dass Südost- und Südwesttor den Sonnenaufgang- bzw. untergang zur Zeit der Wintersonnenwende am Beginn des 5. Jahrtausends v. Chr. markieren.

Demnach kann auch für die Kreisgrabenanlage von Goseck eine astronomische Orientierung angenommen werden.

Solar Observatory

Because of the large number of prehistoric sites in the region, an air survey was done in September 1991 on behalf of the State Office for Archaeology Saxony-Anhalt. A circular vegetation pattern with three openings was discovered west of Goseck. The first theories, pointing towards a defence system or a cattle enclosure, were later rejected on the basis of the results of the scientific examinations.

11 years after the discovery through air survey, the whole enclosure was excavated, measured and documented during three excavation campaigns between 2002 and 2004, performed by archaeologists and students of the course “Prehistoric Archaeology” of the MLU.

After the first digs, the results promised an archaeological sensation. Three well-preserved portals, girted with cheeks, point towards the north, the south-east and the south-west and mark the sunrise and the sunset of the winter solstice on December 21st.

It is due to the technologies of air survey and geophysical prospection that Central Germany now becomes noticed as a region with a large number of circular enclosures, peripherally north of the area where these enclosures are most prevalent.

Apart from the prospections, the intensive archaeological examinations offered favourable conditions for detailed astronomical research. Dr. W. Schlosser from the institute for astrophysics of the University of Bochum was able to prove that the portals in the south-east and the south-west mark the winter solstice sunrise and sunset at the beginning of the 5th millennium BC.

It can therefore be assumed that the circular enclosure of Goseck follows an astronomical orientation.

Nordtor des Gosecker Sonnenobservatorium; Rechte: Gesecker Sonnenobservatorium e. V.

Der Weg in die Steinzeit
The path to the stone age

Die Jungsteinzeit – eine schriftlose Zeit. Keramikscherben und Knochenfunde geben wichtige Informationen.
The neolithic era was preliterate. Ceramic shards and bones provide fundamental evidence about this period of time.
Die Menschen in der Steinzeit beobachteten den Himmel und den Lauf der Sonne. Ihre Erkenntnisse und Feste sind lange vergessen. Dennoch hinterlassen uns diese Menschen Zeugnisse ihrer Kultur. Das Sonnenobservatorium.

Was genau im Inneren geschah, ist für die Wissenschaft noch immer ein Rätsel, ebenso wie für die Außenstehenden, die vor 7000 Jahren die Anlage nicht betreten durften.

Heute ist das Denkmal für jedermann zugänglich. Wie vor 6800 Jahren, als die Bauern diese Anlage errichteten, ist auch heute wieder der Lauf der Sonne zu beobachten. Das steinzeitliche Heiligtum hat auf die Besucher eine besondere Wirkung, sowohl optisch als auch akustisch. Beides hinterlässt auf die Besucher einen bleibenden Eindruck.

Führungen und Feiern im Sonnenobservatorium zur Sommer- und Wintersonnenwende vermitteln Einblicke in die Kultur der jungsteinzeitlichen Bauern.

A portal to the stone age

The people of the stone age observed the sky and the course of the sun. Their knowledge and their celebrations have long been forgotten. And yet they have left behind a cultural heritage: the solar observatory.

What exactly happened inside the monument has remained a mystery for science, as well as for the outsiders who were not allowed to enter the enclosure 7000 years ago.

Today, the monument is open to everyone. Like 6800 years ago, when peasants erected the enclosure, the course of the sun can be observed. The stone age sanctuary’s special visual and acoustic traits are deeply impressive.

Guided tours and celebrations in the solar observatory at the summer and winter solstices provide visitors with insights into the culture of the neolithic peasants.

http://goseck.homepage.t-online.de/

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