PEGIDA und die Lichter-aus-Republik

Markus Gärtner

In Dresden haben laut der örtlichen Polizei gestern Abend 18 000 Menschen an der Montags-Demonstration der PEGIDA teilgenommen. Damit ist die Zahl noch einmal leicht gestiegen, trotz Regen und Kälte und dank der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin, die den Protestlern »Hass im Herzen« bescheinigt und gewarnt hatte, sich der Bewegung anzuschließen.

Es ist genau diese Bevormundung durch die Politik – und zunehmend durch die Kirchen, die die Unzufriedenen der Republik derzeit zusätzlich motiviert, ihren Protest zu Protokoll zu geben: gegen bürgerferne Politik, gegen eine Einwanderungspolitik, die den eigenen Gesetzen nicht folgt, gegen stagnierende Löhne und steigende Kriminalität.

Offenbar werden diese Fehlentwicklungen nicht nur in Dresden und Sachsen beklagt. Gekommen sind Bürger aus Städten wie Berlin, Lübeck, Hamburg, Cottbus und München. Sie stören sich zunehmend daran, dass der organisierte Teil der Republik – das Parteien-Kartell, Institutionen wie die Kirchen, aber auch Verbände der Wirtschaft – gegen ihr Recht zu demonstrieren agitiert, während sie auf der derzeit einzig verfügbaren Protest-Plattform ihren Unmut auszudrücken versuchen.

Alt-Kanzler Schmidt sieht in ihnen dumpfe Fremdenhasser, Ex-Kanzler Schröder hält sie für unanständig, Steinmeier hält sie für imageschädigend, der Kölner Erzbischof knipst die Lichter im Dom aus. Auch Jesus sei ein Flüchtling gewesen. Dass er Andersdenkenden die Lichter ausgeknipst hätte, geht aus der Bibel jedoch nicht hervor.

Die ganze Republik, so scheint es, polarisiert sich um die PEGIDA-Bewegung herum. Establishment gegen Ebola, könnte man meinen. Hier die Vernünftigen, dort die gefährlichen Meinungs-Bakterien.

Das schürt eine Konfrontation, die für niemanden gut ist. Denn Eskalation kann diesem Land nicht recht sein, zumal in einer Phase, in der sich die Euro-Zone mit dem nächsten großen Stresstest konfrontiert sieht.

In den meisten Ländern der Gemeinschaftswährung beißt sich Deflation fest, eine gefährliche Abwärtsspirale bei den Preisen droht, mit einbrechendem Konsum, rückläufigen Investitionen, und verlorenen Jobs.

Erstmals musste in Dresden die Polizei Teilnehmer der PEGIDA davon abhalten, sich vom Protestmarsch zu lösen und in Richtung Gegen-demonstranten zu ziehen. Passiert ist am Ende jedoch nichts. Selbst Mainstream-Zeitungen wie die ZEIT berichten, die »Abtrünnigen« seien schließlich »widerwillig umgekehrt« Nach einer Gefahr für die Republik hört sich das nicht an.

Doch hier droht etwas, worauf viele im Land, vor allem im Parteien-Kartell in Berlin, heimlich hoffen: dass PEGIDA sich irgendwann durch Gewalt outet. Ständige Beleidigungen sowie Bevormundung und Nadelstiche aus Parteien, Medien, Wirtschaft, Kirche – und allen anderen, die die bestehende Ordnung in der gemütlichen Merkel-Republik gegen unliebsame Kritik verteidigen wollen, heizen das Klima auf, weil eine Diskussion zwischen beiden Seiten nicht zustande kommt.

Und dabei scheint es leider zu bleiben. PEGIDA fürchtet – zu Recht – dass die ganze Bewegung weiterhin schlicht unter dem Banner des Fremdenhasses gesehen wird, unter gezielter Ausblendung aller anderen Beweggründe, die es gibt, in Deutschland dieser Tage auf die Straße zu gehen.

Die andere Seite, vor allem das Kartell der GroKa-Parteien, fürchtet Unruhe im wohl gehüteten Berliner Biotop und dass die Einwanderungspolitik, die sich als wachsender Schlamassel erweist, als ebensolcher entlarvt wird.

Dann lieber auf die Unangenehmen eindreschen und warten, bis sie sich mit einem blauen Auge schmollend zurückziehen oder langsam erschöpfen. Wenn das die Politik im wirtschaftsstärksten und modernsten Land Europas ist, dann sollte man allerdings nicht nur in Köln die Lichter ausknipsen.

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