Monat: Dezember 2014
Raunächte – Christopher Weidner

Den Zauber der Raunächte verstehen
Die Zeit zwischen Weihnachten und dem Fest der Heiligen Drei Könige steckt voller Wunder und Geheimnisse. Zwölf »Raunächte« sind es zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar. Zwölf sagenumwobene Tage, die von alters her als eine heilige Zeit gelten. Sie stecken voller Riten und Bräuche mit teils uralten, archaischen Wurzeln. Der bewusste Umgang mit den sogenannten Raunächten eröffnet uns einen tiefen Zugang für die Zeitenwende zwischen den Jahren und den möglichen Konsequenzen für unsere Zukunft.
Die Raunächte sind der Höhepunkt einer unheimlichen Zeit, die zugleich eine heilige Zeit ist, denn etwas Heilsames geschieht in ihr. Wenn an der Wintersonnenwende die Nacht am dunkelsten wird, dann geschieht das Wunder: Das Licht wird wiedergeboren. Es nimmt unmerklich an Kraft zu und wird nach und nach das Unheimliche wieder zurückdrängen.
Das Alte geht und das Neue kündigt sich an. Diese geheimnisvolle Zeit ist angefüllt von Märchen und Mythen, aber sie ist auch eine gefährliche Zeit, denn die Pforten der anderen Welt stehen weit offen und die Wesen, die dort hausen, dringen nun ungehindert in die Welt der Menschen ein. Viele der Bräuche, die für die Zeit der Raunächte überliefert sind, sind daher mächtige Rituale, um sich gegen Geister und Dämonen zu schützen.
Diese Nächte sind sehr gut geeignet für die Befragung von Orakeln und um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Räucherrituale erleichtern den Zugang zu einer anderen Welt und heilige Magie ist in diesen Tagen besonders machtvoll.
Tag für Tag und Nacht für Nacht wird diese Zeit des Übergangs hier erläutert und die praktischen Vorschläge geben wertvolle Anregung für einen zauberhaften und besinnlichen Umgang mit den Raunächten.
Giftiger Fisch – Die große Gesundheitslüge (Video)

Von unseren weihnachtlich gedeckten Tischen ist Lachs oft nicht mehr wegzudenken.
Seit Jahrzehnten loben Ernährungswissenschaftler Meeresfisch wegen seiner wertvollen Fettsäuren als ausgesprochen gesund. Laut Welternährungsorganisation FAO kommt rund die Hälfte der Fische mittlerweile aus Zuchten, den sogenannten „Aquakulturen“. Vor 30 Jahren waren es noch neun Prozent.
Ein Paradebeispiel für die Massenzucht ist Norwegen, wo Lachse gegen Parasiten, Algen und Bakterien mit Antibiotika behandelt werden und hochgiftige Chemikalien ins Wasser gesprüht werden. WELTjournal-Plus deckt die Machenschaften der Fischindustrie auf, die politisch bestens vernetzt ist: So war Lisbeth Berg-Hansen während ihrer Zeit als zuständige Ministerin in Norwegen eine der größten Befürworterinnen der Lachsfarmen, nicht zuletzt deshalb, weil sie selbst Unternehmerin in dieser Branche ist.
Nach dem Entfernen des Filets werden Fischreste nicht nur zu Tierfutter, sondern auch zu Brotaufstrichen und Fertiggerichten verarbeitet.
Als grösster Produzent von Zuchtlachs stellt Norwegen 60 Prozent der weltweit konsumierten Menge. Im Juni 2013 mussten die norwegischen Behörden zugeben, dass die Qualität ihrer Lachse zu wünschen übriglasse. Analysen haben gezeigt, dass norwegische Lachse, die in mehr als 100 Meter Tiefe und in Meeresgehegen in den Fjorden gezüchtet werden, einen anormal hohen Gehalt an Schadstoffen, Dioxinen, Kohlenwasserstoffen, Antibiotika und Pestiziden aufweisen. Diese Stoffe können die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen und werden mit Autismus, Hyperaktivität sowie mit tieferen Intelligenzquotienten in Verbindung gebracht.
Die Reportage „Giftiger Fisch – Die große Gesundheitslüge“ zeigt ausserdem die Bedingungen, unter denen Pangasius im Süd-Vietnam gezüchtet wird und ermöglicht Einblicke in Fabriken, in denen jeder Bestandteil des Fisches verarbeitet wird und das nicht nur zu Tierfutter. Inzwischen warnen Gesundheitsbehörden bereits davor, zu viel Fisch zu essen.
Selbst die schwedische Regierung warnt davor, Fettfische wie Lachse oder Heringe zu verzehren, da diese Schadstoffe im Fettgewerbe binden und Gifte mit sich tragen. Aufgrund des Dioxingehalts sollen sie vermieden werden. Sie können den Hormonhaushalt beeinflussen und Krebs verursachen, so die Fernsehdokumentation. Ein Widerspruch zu der Empfehlung zB. des österreichischen Ministeriums für Gesundheit, das pro Woche mindestens ein bis zwei Portionen fettreichen Seefisch wie Makrele, Lachs, Thunfisch und Hering empfiehlt.
Auch der Onkologe Jean Loup Mouysset rät seinen Patienten maximal ein bis zwei Mal pro Monat Fisch zu essen. Der Experte argumentiert ebenso mit dem hohen Gehalt an Pestiziden und Quecksilber und appelliert weiters, dass Menschen Lachs, Dorsch oder Thunfisch aufgrund gesundheitlicher Risiken meiden sollen.
Video: Dokumenation Giftiger Fisch – Die große Gesundheitslüge, ORF-Weltjournal vom 26.11.2014
(K)Alter Krieg auch im All: Russland plant vorzeitigen ISS-Ausstieg und neue Raumstation
Andreas von Rétyi
Schon vor Monaten war zu vernehmen, dass Russland von der Internationalen RaumstationISS Abschied nehmen und sich im All nun bald wieder selbstständig machen wolle. Angesichts der zunehmenden Abkühlung zwischen Moskau und Washington wird dies immer wahrscheinlicher. Russland will außerdem wieder eine eigene Station im All betreiben.

Der Ukraine-Konflikt wirft seine Schatten bis ins All. Die International Space Station ISS, für viele geradezu am Himmel leuchtendes Symbol eines neuen Zeitalters globaler Verständigung und wissenschaftlicher Zusammenarbeit, wird zunehmend zur politischen Wetterfahne, die sich in eine ungünstige Richtung dreht – und zu zerbrechen droht.
Tatsächlich war schon vor Monaten im Kontext mit dem Ukraine-Konflikt bekannt geworden, Russland wolle das ISS-Projekt verlassen. Genauer gesagt hatte der für Rüstung und Raumfahrt zuständige russische Vizepremier Dmitri Rogosin im vergangenen Mai klargemacht, die kollektive Mission nicht, wie von den USA favorisiert, bis wenigstens zum Jahr 2024 fortsetzen, sondern die Zusammenarbeit bereits im Jahr 2020 beenden zu wollen. Bis dahin werde man aber sämtlichen Verpflichtungen zur ISS ohne Einschränkung nachkommen.
Die ISS befindet sich seit dem Jahr 1998 im Erdorbit und wurde ständig erweitert. Verschiedenen Erwägungen zufolge kann die experimentelle Station noch durchaus bis ins Jahr 2028 weitergenutzt werden, damit wäre eine Betriebsdauer von immerhin 30 Jahren erreicht. Jetzt sieht alles wieder anders aus. Eine endgültige Entscheidung Russlands soll bis zum Jahresende erfolgen. Die USA beeilten sich, ihren bisherigen Partner an die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit im All zu erinnern.
Doch die US-Raumfahrtbehörde NASA hatte ihrerseits auf verschiedenen Gebieten die Kooperation mit ihrer russischen Schwesterorganisation Roskosmos beendet. Allerdings solle die ISS davon völlig unberührt bleiben. Bei diesem wichtigen Projekt werde die Zusammenarbeit uneingeschränkt fortgesetzt. Natürlich überrascht es kaum, wenn Russland genau an diesem wunden Punkt ansetzt und eine Retourkutsche ins All entsendet.
Nun wiederholt sich ohnehin auch die Weltraumgeschichte zumindest in mancherlei Aspekten. Bekanntlich hatte die Sowjetunion ihre Nase im Weltraum in den ersten Jahren deutlich vorne, der »Sputnik-Schock« von 1957 führte dann sogar zur Gründung der DARPA als bis heute entscheidender Denkfabrik des Pentagon, um vergleichbare Situationen für alle künftigen Zeiten zu vermeiden.
Nach dem Ende des amerikanischen Space-Shuttle-Programms hatte der »Bär« seine Nase wieder vorne – jetzt waren die USA von russischen Sojus–Kapseln abhängig geworden. Diesen Missstand bringt NASA-Chef Charles Bolden beinahe schon gebetsmühlenhaft zur Sprache. Natürlich wollen sich auch die USA wieder von Russland unabhängig machen, das werden sie wohl auch müssen, und bereits vor Jahren wurde das Constellation–Programm mit der Orion–Transportkapsel entwickelt, um dann am 11. Oktober 2010 von der Regierung Obama gekippt zu werden.
Was als »Post-Constellation« dann folgte, war kurz gesagt die Entwicklung des neuen Orion Multi-Purpose Crew Vehicle (MPCV), um bis zu vier Astronauten in den niedrigen Erdorbit zu verbringen sowie generell die bemannte Raumfahrt zu unterstützen, auch hinsichtlich Flügen zu Mond, Mars oder Asteroiden. Der erste Testflug eines MPCV ins All fand erst kürzlich statt, am 5. Dezember, wobei die Kapsel allerdings noch unbemannt war.
Auch heute noch stellt selbst der nahe Weltraum eine bemerkenswerte Herausforderung dar. Die vielzitierte »Eroberung« bleibt da schnell auf der Strecke. 2017 jedenfalls wollen die USA wieder ihre Unabhängigkeit erlangen, bis dann nämlich hofft die NASA, Besatzung, Technologie und Versorgungsgüter mit Orion zur ISS transportieren zu können. Russland hat tatsächlich die wunde Stelle offengelegt und auch noch ein wenig darin gebohrt, so auch, wenn Rogosin im vergangenen Frühjahr frotzelte, die Amerikaner müssten ihre Astronauten eben »mit dem Trampolin zur ISS bringen«.
Außerdem erklärte er, die USA seien als Partner unzuverlässig geworden, wobei er Erwägungen ins Feld führte, Lieferungen russischer Raketentriebwerke an die Vereinigten Staaten einzustellen. Der eisige Hauch ist überall zu spüren. Zweifellos könnten die Aggregate auch zum Start militärischer Satelliten ins All befördert werden. Nicht umsonst forderte Rogosin eine Garantie fürs Gegenteil – eben eine rein zivile Nutzung. Nur, wie gut lässt sich das dann auch wirklich kontrollieren?
Russland für seinen Teil arbeitet ebenfalls tatkräftig an der kosmischen Unabhängigkeit und will möglichst schnell wieder über eine eigene Raumstation verfügen. Immerhin, kein Neuland: Ab 1986 kreiste bekanntlich schon einmal eine russische Station im Erdorbit – die Mir (»Frieden«). 2001 wurde sie dann über dem Pazifik zum kontrollierten Absturz gebracht.
Wie der seinerzeitige Roskosmos–Chef Koptew betonte, hatte man sich dazu allerdings nicht aus finanziellen Gründen entschlossen, sondern aus einer rein technischen Notwendigkeit, da sich die Station bereits in einem katastrophalen und für die Besatzung faktisch bedrohlichen Zustand befunden habe. Nun, damals witzelte man mit Meldungen wie »Mir ist übel« – bald könnte es dann heißen: »Jetzt ISSes vorbei«.
Wie auch immer, Russland könnte bereits ab 2017 mit dem Bau seiner neuen Station beginnen. Zwar will es die eigenen, bereits vorhandenen fünf ISS-Module noch um zwei zusätzliche ergänzen, doch besteht die Möglichkeit, diese Einheiten völlig von der ISS abzukoppeln und eigenständig zu nutzen. Wie Rogosin triumphierend feststellt, könne zwar das russische Segment gänzlich unabhängig vom amerikanischen existieren, das Umgekehrte aber gelte eben nicht.
Russland verbindet mit einer eigenen Raumstation eine ganze Reihe an Vorteilen und erklärt in Gestalt Rogosins: »Wir wollen die Ressourcen auf andere perspektivische kosmische Projekte richten.« Sojus-MS–Raumschiffe könnten vom derzeit noch im Bau befindlichen Wostotschny-Kosmodrom nur 100 Kilometer östlich der chinesischen Grenze in einem günstigeren Startwinkel ins All abheben.
Damit wäre auch möglich, Versorgungsmaterialien mittels Frachttransportern vom Plessezk-Kosmodrom südlich von Archangelsk zur Weltraumstation zu entsenden und das politisch bedingte Risikopotenzial des kasachischenBaikonur-Kosmodroms zu eliminieren. Die von der ISS deutlich abweichende Bahngeometrie der geplanten Raumstation ließe außerdem zu, statt der bislang wenigen überschaubaren Prozent russischen Territoriums dann rund 90 Prozent einer direkten Beobachtung zugänglich zu machen, einschließlich des arktischen Schelfs.
Der »All-Eingang« Russlands soll allerdings auch die Option enthalten, im Duett weiterzumachen und China mit ins »Boot« zu nehmen. China strebt massiv in den Weltraum, hat wegen entsprechenden US-Vetos aber gleichsam »Hausverbot« auf der ISS. Die Karten werden wieder einmal neu gemischt – auf der Erde wie im Weltraum.

Messer-Attacke auf Flüchtlings-Betreuer: Wollte die Politik es vertuschen?
Von Olaf Wunder und Tim Walther
Am vergangenen Sonntag kam es im Kinder- und Jugendnotdienst an der Feuerbergstraße zu einem Großeinsatz der Polizei (Archiv-Foto).
Foto: ruega
Foto: ruega
Diese Geschichte könnte ein Nachspiel haben. Dann nämlich, wenn sich als wahr herausstellt, was bislang nur Mutmaßung ist: Dass nämlich die Politik versucht haben könnte, ein Vorkommnis unter den Teppich zu kehren, das sich Mitte Dezember im Kinder- und Jugendnotdienst an der Feuerbergstraße zugetragen hat. Dort gingen jugendliche Flüchtlinge mit Messern auf ihre Betreuer los – was erst am Sonnabend an die Öffentlichkeit kam.
Dass Hamburgs Sozialbehörde ein Problem hat mit einer kleinen Gruppe von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, ist schon länger bekannt. Um 28 Teenager aus Nordafrika soll es sich handeln: Ihnen wird vorgeworfen, Kioske und Autos aufzubrechen und Passanten zu bestehlen. Mehrfach hat die Opposition dem Sozialsenator vorgeworfen, er bekomme die Sache nicht in den Griff – da kommt ein Vorfall wie dieser natürlich ungelegen. Ist das der Grund, weshalb nicht bekannt werden sollte, was in der Feuerbergstraße los war?
Aufgeflogen ist die Sache nun doch noch: Das „Abendblatt“ berichtete am Sonnabend darüber, dass vergangenen Sonntag ein 18-jähriger Bewohner des Kinder- und Jugendnotdienstes ausrastete, als er in eine andere Wohngruppe verlegt werden sollte. Die Situation geriet außer Kontrolle. Drei junge Männer bedrohten ihre Betreuer mit Messern, Rasierklingen und Stöcken. Und dann gingen sie auch noch auf die Polizei los. Erst als die Beamten ihre Dienstwaffe zogen, beruhigte sich die Lage. Insgesamt waren 14 Streifenwagen im Einsatz.
Normalerweise informiert die Polizei die Presse über nahezu jeden Handtaschenraub, jeden Einbruch. Warum nicht über diesen Vorfall? „Es liegt in unserem Ermessen, welche Ereignisse an die Medien berichtet werden“, sagte gestern ein Polizeisprecher. Angaben darüber, wer oder was ihn und seine Kollegen dazu bewogen hat, in diesem Fall keine Mitteilung zu verfassen, machte er nicht.
Oliver Klessmann, Sprecher der Sozialbehörde, bestritt am Sonnabend gegenüber der MOPO vehement, dass es eine Anweisung gab, die Angelegenheit zu vertuschen. „Hier wurde gar nichts unter den Teppich gekehrt!“ Im Übrigen habe das „Abendblatt“ den Vorfall ziemlich „dramatisiert“. Wörtlich sagte Klessmann: „So schlimm war es auch wieder nicht.“
Tatsächlich? Ein Mitarbeiter des Kinder- und Jugendnotdienstes sagte gestern zur MOPO, „die Sache“ sei im Gegenteil noch viel schlimmer, die Schilderungen sehr zurückhaltend gewesen. „In jedem Fall sind wir froh, dass die Sache jetzt öffentlich ist. Es muss einfach bekannt werden, dass wir hier mit der Lage völlig überfordert sind.“
Minderjährige Flüchtlinge in Hamburg
Die Unterbringung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen bringt große Probleme mit sich: Rund 1900 von ihnen sind inzwischen in Hamburg, 450 davon in Erstaufnahmeeinrichtungen.
Der Kinder- und Jugendnotdienst an der Feuerbergstraße ist heillos überbelegt. 90 Plätze gibt es dort eigentlich nur, dennoch liegt die Zahl der Bewohner bei 130. Laut Sozialbehörde kommen in der Erstversorgung auf drei Flüchtlinge ein Betreuer.
Zwar ist nur eine kleine Anzahl Krimineller unter den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen. Aber die wenigen Straftäter – die Rede ist von 28 – machen Polizei und Behörden schwer zu schaffen. Sie sind sehr aggressiv, gehen immer wieder von Neuem auf Diebestour und haben keine Angst vor der Polizei.
Das Merkel-System organisiert Widerstand gegen die Mitte der Gesellschaft – bezahlter Artikel in der Süddeutschen Zeitung
Peinliche Recherche bei Pegida – RTL entlässt Undercover-Reporter
Drei Massengräber mit 710 Leichen in Syrien entdeckt
USA wollen Allianz Deutschlands mit Russland verhindern
Der Chef des privaten US-Geheimdienstes Stratfor, George Friedman, räumt ein, dass die Intervention der Amerikaner in der Ukraine den Zweck verfolgt habe, einen Allianz zwischen Russland und Deutschland zu verhindern. An einem Sturz Putins hätten die Amerikaner dagegen kein Interesse.

Russlands Präsident Wladimir Putin – hier bei einem Treffen mit den Geheimdienstchefs am Samstag im Kreml – will sich nicht mehr von den Amerikanern düpieren lassen. Der Geheimdienst Stratfor enthüllt dieser Tage, dass die USA in der Ukraine am Regierungswechsel mitgewirkt hätten, um eine Achse zwischen Deutschland und Russland zu verhindern. (Foto: dpa)

Der Chef des privaten US-Geheimdiensts Stratfor, George Friedman, hat in einem Interview Details über das US-Engagement in der Ukraine bekanntgegeben – und die Geschehnisse in den historischen Kontext eingeordnet, wonach dieIntervention in anderen Staaten zur Sicherheits-Doktrin der Amerikaner gehört.
Während des Kalten Kriegs seien die Grenzen innerhalb Europas erhalten geblieben. Damals herrschte die Ansicht, dass eine Änderung der Grenzen Europa destabilisieren würde. Doch nach Ende des Kalten Kriegs zerfiel Jugoslawien und auf dem europäischen Kontinent entstanden neue Grenzen. Später passierte dasselbe im Kaukasus. Dieser Prozess eine Neuordnung Europas dauere immer noch an, sagte Friedman im Interview mit der russischen Zeitung Kommersant. Man könne dies auch an der Entwicklung der Unabhängigkeitsbewegungen in mehreren europäischen Staaten erkennen: So seien 45 Prozent der Schotten für die Unabhängigkeit ihres Staats. Auch die Katalanen wollten sich mit großer Mehrheit von Spanien abspalten.
Vor diesem Hintergrund sei die Ukraine-Krise als ein Prozess der Neuorientierung zu werten. Ein Teil der Bevölkerung neige dazu, sich der EU anzuschließen. Der andere Teil neige zu Russland. Das sei ein gesamteuropäischer Prozess, der in Verbindung mit der Krise in Europa zusammenhänge. Die Europäer würden zwar seit einem halben Jahrhundert in Stabilität und Wohlstand leben. Doch der europäische Kontinent sei „nie ein wirklich friedvoller“ Kontinent gewesen.
Kommersant weist Friedman darauf hin, dass die EU und die USA Russland in Bezug auf die Krim eine erstmalige gewalttätige Grenzziehung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vorwerfen. Friedman: „Die Amerikaner wissen, dass das völliger Unsinn ist. Die erste Änderung der Grenzen unter Anwendung von Gewalt fand in Jugoslawien statt. Im Kosovo erreichte dieser Prozess seinen Höhepunkt und die USA waren an diesen Ereignissen direkt beteiligt.“
Es sei Politik der Amerikaner, einzugreifen, wenn die Balance erheblich gestört würde. So hätten die USA im Ersten Weltkrieg nach der Abdankung von Zar Nikolaus II. gehandelt, um gegen die Bemühungen Deutschlands aufzutreten. Das fand im Jahr 1917 statt. Auch im Zweiten Weltkrieg hätten die USA ganz bewusst erst im Juni 1944 eine zweite Front eröffnet. In beiden Fällen galt es zu verhindern, dass Deutschland Europa dominiert.
Nach Angaben von Friedman berge „eine Allianz zwischen Russland und Deutschland das gefährlichste Potenzial“ in sich. Denn das würde eine Verbindung zwischen deutscher Technologie und Kapital und russischen natürlichen und menschlichen Ressourcen nach sich ziehen.
Diese Strategie erklärt auch das legendäre Telefonat („Fuck the EU!“)vom Februar 2014, mit dem die Sonderbeauftragte Victoria Nuland in einem vom russischen Geheimdienst abgehörten Gespräch mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, die Ernennung des ehemaligen Boxweltmeisters Vitali Klitschko zum stellvertretenden Ministerpräsidenten der Ukraine abgelehnt hatte. Klitschko, der damals von Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier favorisiert worden war, fehle die politische Erfahrung. Er solle zuerst seine „Hausaufgaben“ machen, bevor er für ein Amt in der Ukraine in Frage komme. Damit fuhren die Amerikaner der EU direkt in die Parade. Brüssel setzte damals, auf Empfehlung der Bundesregierung, mangels Alternativen auf Klitschko.
Doch die USA halten den Oppositionsführer Arseni „Jaz“ Jazenjuk für besser geeignet, die US-Interessen zu vertreten. Er war immerhin schon einmal Wirtschaftsminister und könnte daher den amerikanischen Konzernen zu lukrativen Deals verhelfen. Und so kam es auch: Der von der Nato finanzierte „Jaz“ wurde Premier, seine Finanzministerin ist eine US-Investmentbankerin und ehemalige Mitarbeiterin des US-Außenministeriums.
Auf die strategische Situation Russlands angesprochen, sagt der Stratfor-Chef, dass der Kreml eine Pufferzone an seinen westlichen Grenzen ziehen wolle. Deshalb seien Weißrussland, die Ukraine, das Baltikum und Osteuropa wichtig. Das sei eine Frage der nationalen Sicherheit. Moskau könne es nicht dulden, dass hundert Kilometer von Kursk und Woronesch westliche Streitkräfte stationiert werden.
Jedenfalls seien die Amerikaner an der Bildung einer pro-amerikanischen Regierung in Kiew sehr interessiert. Die Russen hingegen wollen den post-sowjetischen Raum dominieren. Die USA würden versuchen, den „Vormarsch“ der Russen einzudämmen.
Friedman räumt im Interview ein, dass die USA den Sturz der Janukowitsch-Regierung und die Maidan-Proteste unterstützt hätten. Menschenrechtsorganisationen sollen Gelder erhalten haben. Die USA sollen an „allen“ Ereignissen beteiligt gewesen sein. Die russischen Geheimdienste hätten „diesen Trend“ verpasst: „Sie verstanden nicht, was los war. Aber als sie es merkten, konnten sie keine Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu stabilisieren“, so Friedman. Allerdings habe Washington nicht das Ziel, über die Sanktionen, die Ukraine-Krise oder den Nahen Osten einen „Regime-Wechsel“ in Moskau zu bezwecken. Es gehe lediglich darum, den Handlungsspielraum Russlands zu begrenzen.
Diese Aussage deckt sich mit einer anderen Äußerung Friedmans, der nach seinem Besuch in Moskau feststellte, dass anstelle Putins Nationalisten ans Ruder im Kreml gelangen könnten – eine für die Amerikaner noch schlechtere Variante. Auch in der EU beginnt sich diese Ansicht langsam durchzusetzen.
Die Russen scheint allerdings aus der Schlappe in Kiew Konsequenzen ziehen zu wollen: Russlands Präsident Wladimir Putin fordert eine Stärkung der Geheimdienste. “Moderne Herausforderungen und Gefahren sowie das Aufkommen neuer destabilisierender Faktoren erfordern eine Verbesserung der Effizienz des gesamten Bereichs der nationalen speziellen Dienste”, schrieb er in einem am Samstag veröffentlichten Brief an aktive und ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter. Neben der Abwehr terroristischer Gefahren seien die Abwehr der Angriffe ausländischer Dienste auf politische und wirtschaftliche Interessen Russlands Hauptaufgabe der Spionageabwehr, schrieb Putin.
Der sinkende Öl-Preis habe für Russland und andere erdölexportierende Staaten negative Folgen. Doch daran sei Russland auch selbst schuld. Denn in den vergangenen 10 bis 15 Jahren haben die USA und andere Staaten die hohen Einnahmen in die Diversifikation investiert. „Ihre Regierung hat das nicht gemacht“, so Friedman an die Reporter des Kommersant. Der Kreml müsse sich mit einer Reihe von Problemen auseinandersetzen. Russland habe kein wirksames Verkehrs-System. In vielen Regionen der Föderation – wie im Kaukasus oder im Osten des Landes – herrscht eine Kreml-kritische Stimmung.
Ein wesentlicher Nachteil Russlands sei, dass die russische Wirtschaft nur bei hohen Energiepreisen floriere. Denn Russland habe kein anderes Export-Produkt, außer Erdöl und Erdgas. Aus diesem Grunde habe die von Putin mitunter angeführte Strategie, das Land autonom machen zu wollen, keine Aussicht auf Erfolg.