Ukrainische Zentralbank wurde hereingelegt, Gold gegen Bleiziegel zu tauschen

Tyler Durden

Gerade als man dachte, die Geschichte über die Ukraine und ihre nun praktisch nicht mehr vorhandenen Goldreserven könnte nicht noch verrückter werden, trat genau dies ein. Vor etwa sechs Wochen hatte die ukrainische Zentralbankchefin Waleriya Gontarewa zur besten Sendezeit im ukrainischen Fernsehen erklärt, die gesamten Goldreserven des Landes seien praktisch verschwunden. Von den noch etwa 42,3 t Gold im Februar seien nur noch geringe Mengen – etwa ein Prozent – in den Tresoren vorhanden.

Diese Tatsache hätte für sich genommen schon ausgereicht, um zu verstehen, warum nur wenige Tage später die Niederlande die Welt mit der Ankündigung überraschten, man habe insgeheim 122 Tonnen Gold aus den Tresoren der New Yorker Niederlassung der amerikanischen NotenbankFederal Reserve (Fed) zurückgeholt.

Aber auch wenn damit die ganze Angelegenheit eigentlich erledigt gewesen wäre, obwohl noch eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung lief, mit der geklärt werden sollte, ob sich die Zentralbankchefin des Macht- und Amtsmissbrauchs schuldig gemacht hatte, als sie »absichtlich extrem ungünstige Transaktionen im Hinblick auf die Gold- und Devisenreserven der Ukraine vorgenommen [habe], obwohl die Zentralbank nach der Verfassung der Ukraine die Verpflichtung hat, die Goldreserven des Landes zu erhalten«,wäre dies alles als eine der bizarrsten und unwirklichsten Geschichten des Jahres 2014 in die Annalen eingegangen. Aber es ging noch weiter und wurde noch bizarrer und unwirklicher.

Wie Bloomberg berichtet, wurden in der Ukraine Ermittlungen eingeleitet, nachdem sich herausgestellt hatte, dass es sich bei verschiedenen Goldbarren in den Tresoren der Zentralbank in der südukrainischen Stadt Odessa in Wirklichkeit um angemalte Bleiziegel handelte. »Der Vorstand der Niederlassung der [ukrainischen] Zentralbank in Odessa forderte uns auf, wegen Betrug seitens einiger ihrer Mitarbeiter zu ermitteln«, erklärte Wolodymyr Schablienko, Chef der Presseabteilung der Polizei in Odessa gestern am Telefon. »Wir werden in dieser Sache nun kriminaltechnisch ermitteln.«

Wie Bloomberg schreibt, habe ein Mitarbeiter der Zentralbank im Zusammenhang mit diesem jüngsten Goldbetrug goldfarbene Bleiziegel in den gesicherten Lagerraum eingeschleust und sie dort als Goldbarren registrieren lassen, wie die Zeitung Vesti heute unter Berufung auf eine anonyme Quelle mit Insiderwissen aus Kreisen der Polizei in Odessa berichtete. Nach weiteren Informationen von Russia Today (RT) wurde die Zentralbank betrügerischerweise dann dazu gebracht, die »Goldbarren« zu kaufen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Blei, noch nicht einmal Wolfram.

RT schreibt weiter, die ukrainische Zentralbank NBU habe den Diebstahl einiger Kilogramm Gold in der Region Odessa bestätigt. Der an dem Betrug beteiligte Kassenbeamte sei auf die Krim geflohen, berichtete Vesti. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen begannen erst am 18. November, obwohl der Betrug vermutlich schon im August und Oktober stattfand. Damals verfügte die Ukraine offenbar also noch über einige Goldreserven. Jetzt hat sie zwar kein Gold mehr, aber zumindest einige sehr kostspielige Bleiziegel.

Aus den vorläufigen Ermittlungen zeichnet sich ab, dass die Bande einen Insider in der Zentralbank sitzen hatte, der die notwendigen Unterlagen fälschte, die den Ankauf der gefälschten Goldbarren ermöglichten. Zudem stellte sich heraus, dass die Zugangskontrollen zur Zentralbank nicht regelmäßig oder sorgfältig erfolgten. Insgesamt fehlen etwa elf Kilogramm Gold mit einem Wert von etwa 420 000 Dollar.

Natürlich kann man sich über die Dummheit einer Zentralbank lustig machen, der man goldfarbene Bleiziegel andrehen kann, wirklich überraschend ist aber die Erklärung des ersten stellvertretenden Zentralbankchefs Oleksander Pysaruk, die Zentralbank habe »die grundsätzliche Entscheidung getroffen, kein Gold aus der Bevölkerung mehr anzukaufen. Wir haben entsprechende interne Regelungen getroffen und auch unsere Verfahren geändert«.

Mit anderen Worten hätte die ukrainische Zentralbank bis Dezember alle goldfarbenen Bleiziegel oder Wolframbarren ohne wirkliche Überprüfung von ukrainischen Bürgern angekauft, oder noch drastischer gesagt hätte sie ihre vorhandenen Goldreserven, d.h. Gold (über das sie gar nicht mehr verfügt, nachdem sie den Großteil davon in Dollar konvertiert hat) gegen Blei getauscht.

Aber es gibt in dieser Angelegenheit auch noch einen Silberstreif am Horizont: Wer auch immer nun einenerheblichen Anteil an den Goldreserven der Ukraine erwirbt, ist damit vielleicht zugleich stolzer Besitzer einiger Hundert Kilogramm goldfarbenen Bleis.

Dieser ganze Vorgang entzieht sich eigentlich dem Verständnis, und das genau ist vielleicht der entscheidende Punkt. Für die Bevölkerung ist es vielleicht leichter zu ertragen, über die Dummheit ihrer Zentralbanker zu lachen, als sich der Erkenntnis zu stellen, dass diese Leute in krimineller Weise die Goldreserven der Ukraine an unbekannte Käufer für eine Handvoll Dollar verkauften (oder schlimmer noch, sie für politische Gefälligkeiten den derzeitigen dummdreisten Machthabern im amerikanischen Außenministerium in die Hand gaben).

 http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/tyler-durden/ukrainische-zentralbank-wurde-hereingelegt-gold-gegen-bleiziegel-zu-tauschen.html

 

2 Kommentare zu “Ukrainische Zentralbank wurde hereingelegt, Gold gegen Bleiziegel zu tauschen

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