Am Rand von Krieg und Wirtschaftskollaps

Dr. Paul Craig Roberts

Leser fragen mich gelegentlich, was ich ihnen an guten Nachrichten bieten kann. Meine Antwort lautet dann: keine, außer ich belüge Sie genauso, wie es »Ihre« Regierung und die Mainstreammedien tun. Wenn Sie falsche »positive Nachrichten« wollen, sollten Sie sich in die Matrix zurückziehen. Das bedeutet weniger Stress und weniger Sorgen, dafür wird man blindlings in finanziellen Ruin und ein atomares Armageddon geführt.

Die Neokonservativen haben uns Granada und die Contra-Affäre in Nicaragua gebracht. Präsident Reagan feuerte die kleine Bande Kriegshetzer, die unter einer Decke mit dem militärisch-industriellen Komplex und Israel steckten. Sie wurden vor Gericht gebracht, aber von Reagans Nachfolger George H.W. Bush begnadigt.

Während der Regierung Clinton tauchten die Neokonservativen wieder auf. Sie hatten es sich in Denkfabriken gemütlich gemacht, wo sie dank des Geldes aus Israel und des militärisch-industriellen Komplexes geschützt waren. Von dort aus arrangierten sie die Zerschlagung Jugoslawiens, den Krieg gegen Serbien und das Vorrücken der NATO bis an die russische Grenze.

Die Neokonservativen hatten während der Amtszeit von George W. Bush das Sagen. Sie kontrollierten das Pentagon, den Nationalen Sicherheitsrat, das Büro des Vizepräsidenten und vieles mehr. Die Neokonservativen brachten uns 9/11 und die begleitenden Vertuschungsmaßnahmen, Invasionen in Afghanistan und im Irak, die beginnende Destabilisierung von Pakistan und Jemen, das United States Africa Command (Anm. d. Red.: 2007 gegründet, das neueste Regionalkommando der US-Streitkräfte), den Einmarsch Georgiens in Südossetien, den Niedergang der ABM-Verträge, die verfassungswidrige und illegale Bespitzelung amerikanischer Bürger ohne richterliche Anordnung, den Verlust des Schutzes durch die Verfassung, Folter sowie eine Exekutive, die gegenüber Gesetz, Kongress und Judikative nicht mehr Rechenschaft ablegen muss. Kurzum: Die Neokonservativen legten das Fundament für eine Diktatur und den dritten Weltkrieg.

Das Obama-Regime zog niemanden für die Verbrechen des Bush-Regimes zur Verantwortung. Dadurch schuf sie einen Präzedenzfall und stellte die Exekutive über das Gesetz. Anstatt die Schuldigen zu bestrafen, ging das Obama-Regime gegen Whistleblower vor, die Verbrechen der Regierung ans Tageslicht brachten.

Noch immer verfügen Neokonservative über sehr viel Einfluss im Obama-Regime. So ernannte Obama die Neokonservative Susan Rice zu seiner Beraterin für Nationale Sicherheit. Obama ernannte die Neokonservative Samantha Power zur Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Obama ernannte die Neokonservative Victoria Nuland zur Staatssekretärin im Außenministerium. Nulands Büro organisierte gemeinsam mit der CIA und von Washington finanzierten Nichtregierungsorganisationen den amerikanischen Staatsstreich in der Ukraine.

Neokonservatismus ist die einzige verbliebene politische Ideologie. »Amerika über alles«, das ist ihre Ideologie. Die Neokonservativen glauben, dass die USA von der Geschichte zur Weltherrschaft auserwählt wurden. Entsprechend steht den USA eine Sonderrolle zu, entsprechend »unerlässlich« sind sie. Obama selbst hat das erklärt. Aus dieser Ideologie ziehen die Neokonservativen immense Zuversicht und immensen Antrieb, ähnlich wie Karl Marx mit seiner Schlussfolgerung, dass die Geschichte die Arbeiterschaft zur herrschenden Klasse bestimmt hat, den frühen Kommunisten viel Zuversicht und Motivation verlieh.

Diese Zuversicht und dieser Antrieb machen die Neokonservativen unbesonnen

Um ihre Ziele voranzutreiben, überziehen die Neokonservativen die Einwohner der USA und der Vasallenstaaten Washingtons mit Propaganda. Die Medienprostituierten füttern die nichtsahnende Öffentlichkeit mit den Lügen der Neokonservativen: »Russland ist in der Ukraine eingefallen und hat dort Provinzen annektiert!«, »Putin will das Sowjetreich wieder errichten!«, »Russland ist ein Gaunerstaat ohne Demokratie!«, »Russland ist eine Bedrohung für die baltischen Staaten, Polen und überhaupt ganz Europa. Deshalb müssen USA und NATO ihre militärischen Möglichkeiten entlang der russischen Grenze stärken!«, »China, ein Verbündeter Russlands, muss militärisch in die Schranken gewiesen werden. Es sind neue Marine- und Luftwaffenstützpunkte Amerikas notwendig, und zwar rund um China und entlang der chinesischen Seeverbindungen!«.

Die Neokonservativen und Präsident Obama haben ganz deutlich gemacht: Die USA werden es nicht hinnehmen, dass Russland und China als souveräne Staaten auftreten, die wirtschaftlich und außenpolitisch Ziele verfolgen, die nicht im Interesse Washingtons sind. Russland und China werden einzig als Vasallenstaaten geduldet, ganz genauso wie Großbritannien, der Rest Europas, Japan, Kanada und Australien. Die neokonservative Formel ist ganz klar ein Rezept für den finalen Krieg.

Eine Handvoll böser Männer und Frauen, die es sich an den Hebeln der Macht in Washington bequem gemacht haben, gefährden die gesamte Menschheit.

Die Propagandamaschinerie gegen Russland läuft derweil auf Hochtouren. Putin sei der »neue Hitler«, heißt es. Daniel Zubov berichtet von einer Konferenz, die von drei amerikanischen Denkfabriken organisiert wurde, dass man dort Russland für das Scheitern der amerikanischen Außenpolitik verantwortlich macht. Hier können Sie nachlesen, welche Schritte die Neokonservativen auf der Suche nach Erklärungen und im Streben um Meinungshoheit ergreifen. Selbst Henry Kissinger wird angegangen, nur weil er die offensichtliche Wahrheit verkündet hat: Russlands Interesse an der Ukraine ist berechtigt, schließlich war das Land lange Teil Russlands und liegt in Russlands rechtmäßiger Einflusssphäre.

Seit der Amtszeit von Bill Clinton agiert Washington gegen die russischen Interessen. In seinem demnächst erscheinenden Buch The Globalization of War: America’s Long War against Humanitygibt Professor Michel Chossudovsky eine realistische Einschätzung dazu ab, wie dicht Washington die Welt an einen Untergang durch Atomkrieg geführt hat. Hier ein Ausschnitt aus dem Vorwort:

Die »Globalisierung des Kriegs« ist ein hegemonistisches Projekt. Gleichzeitig finden im Nahen Osten, in Osteuropa, in Schwarzafrika, in Zentralasien und in Fernost größere militärische und nachrichtendienstliche Aktionen statt. Die militärische Agenda der USA umfasst sowohl größere Militäraktionen als auch verdeckte Operationen, die souveräne Staaten destabilisieren sollen.

Mit Blick auf die globale militärische Agenda wird das Vorgehen des westlichen Militärbündnisses (USA, NATO, Israel) in Afghanistan, Pakistan, Palästina, der Ukraine, Syrien und dem Irak von allerhöchster militärischer Stelle koordiniert. Wir sprechen hier nicht von eigenständigen militärischen und nachrichtendienstlichen Operationen: Die Angriffe israelischer Truppen auf den Gazastreifen im Juli und August 2014 erfolgten in enger Abstimmung mit den Vereinigten Staaten und der NATO. Und genauso wurden Art und Zeitpunkt des Vorgehens in der Ukraine mit dem Beginn der Angriffe im Gazastreifen koordiniert.

Militärische Aktionen wiederum werden eng mit den Prozessen eines Wirtschaftskriegs abgestimmt. Bei letzterem geht es nicht nur darum, souveräne Staaten mit Sanktionen zu belegen, sondern auch darum, Finanz- und Währungsmärkte vorsätzlich aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ziel ist es, die Volkswirtschaft des Gegners zu schwächen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben ein militärisches Abenteuer ins Leben gerufen, das die Zukunft der Menschheit gefährdet. Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Buchs stehen amerikanische und NATO-Truppen in Osteuropa. Im Rahmen eines humanitären Mandats interveniert das US-Militär in Schwarzafrika. Und gemäß der von Präsident Obama verkündeten »Hinwendung zu Asien« bedrohen die USA und ihre Verbündeten China.

Vor der Haustür Russlands finden Militärmanöver statt, die die Lage eskalieren lassen könnten.

Im September 2014 begannen die USA mit Luftangriffen im Irak und in Syrien, die vorgeblich dazu dienen, den »Islamischen Staat« auszuschalten. Sie sind jedoch vielmehr Teil eines Szenarios, im Rahmen dessen von Nordafrika über das östliche Mittelmeer bis hin nach Zentral- und Südasien die militärische Lage eskaliert werden soll. Das westliche Militärbündnis befindet sich in einem fortgeschrittenen Zustand der Gefechtsbereitschaft.

Und dasselbe gilt für Russland.

Die Amerikaner sind ein sorgloses Volk, das habe ich schon öfter gesagt. Sie sind schlichtweg ahnungslos. Nehmen wir an, dass sie Ahnung hätten, dass das gesamte Volk sich der Gefahren bewusst wäre. Ließe sich dann etwas tun oder stehen die sorglosen Amerikaner zu stark unter der Fuchtel des von Washington erschaffenen Polizeistaats?

Ich denke, man sollte nicht allzu große Hoffnungen auf das amerikanische Volk setzen. Die Amerikaner können echte nicht von falscher Führung unterscheiden und die herrschenden Eliten werden es ohnehin nicht zulassen, dass echte Führer nach oben kommen. Darüber hinaus gibt es auch gar keine organisierte Gegenbewegung gegen die Neokonservativen.

Hoffnung kann nur von außerhalb des politischen Systems kommen, und diese Hoffnung besteht darin, dass den politischen Entscheidern das Kartenhaus der Marktmanipulationen um die Ohren fliegt, das sie zum Wohle des »einen Prozents« errichtet haben. David Stockman hält das für sehr wahrscheinlich. Er warnt vor derselben Art von Zusammenbruch wie ich. Die Zahl der »Schwarzen Schwäne«, der ungewöhnlichen Ereignisse also, die einen Zusammenbruch auslösen können, ist sogar noch größer als die, die Stockman so richtig ausmacht. Einige Finanzunternehmen sind besorgt, was die fehlende Liquidität bei den Festverzinslichen auf dem Derivate-Markt angeht. Barbara Novick vom Vermögensverwalter Blackrock wirbt sehr vehement für einen Rettungsfallschirm für Derivate.

Viele werden fragen: Wenn der Wohlstand des »einen Prozents« so anfällig für Wirtschaftskrisen ist, wird es dann Krieg zum Schutz dieses Wohlstands geben und wird der Krieg auch dazu dienen, Russen und Chinesen für die Not und das Elend verantwortlich zu machen, die dem amerikanischen Volk bevorstehen? Ich sage: Bei der Art Zusammenbruch, die ich, David Stockman und gewiss noch andere erwarten, wird die Regierung vor derart großer gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ungewissheit stehen, dass sie nicht mehr imstande sein wird, einen größeren Krieg zu organisieren.

Die politische Impotenz des amerikanischen Volks und das Vasallenschicksal der westlichen Welt schränken Washington nicht in seinem Handeln ein. Ein Kollaps der Wirtschaft dagegen wird Revolutionen mit sich bringen und ein Ende der bestehenden Ordnung. Der Zusammenbruch wird Menschen das Überleben sehr schwer machen, aber die Überlebensaussichten sind größer als bei einem Atomkrieg.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/dr-paul-craig-roberts/am-rand-von-krieg-und-wirtschaftskollaps.html

 

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