DER ZINSES-ZINS FRISST DIE RENTEN AUF

Der gesetzlichen Rentenversicherung fehlt es zunehmend an Geld, Rentnern ein menschenwürdiges Dasein zu sichern. Die Altersarmut breitet sich immer weiter aus. Parteiübergreifend warnen Spitzenpolitiker, dass es immer mehr Alte und immer weniger Kinder geben wird. Tatsächlich beweisen Studien, dass steigende Rentenbeiträge Arbeitsplätze vernichten. Deshalb wäre eine private Altervorsorge notwendig. Dagegen halten Anhänger des alten Systems, wie Norbert Blüm oder Albrecht Müller. Sie verweisen auf die gestiegene Produktivität der Angestellten und Arbeiter, sowie auf die seit jahrzehnten stagnierenden Einkommen aus Arbeit. Die Arbeitgeber würden sich immer mehr vom produzierten Volkseinkommen abschneiden. Diese Kritik greift zu kurz. Schuld an der Entwicklung sind nicht pauschal Arbeitgeber – es sind die steigenden Einkünfte aus Kapitalvermögen, die einen immer größeren Anteil des “Kuchens” verschlingen.

Nach der Währungsreform 1948 von Reichsmark auf Deutsche Mark entwickelten sich die Geldvermögen und die Löhne immer weiter auseinander. Die Angestellten und Arbeiter profitieren jetzt schon seit Jahrzehnten nicht mehr von der steigenden Wirtschaftskraft Deutschlands. Dazu im Gegensatz nehmen die Zinszahlungen zu.

Dadurch eskalierten die Geldvermögen in irrwitzige Höhe. Die Vermögen des einen, sind die Schulden des anderen, jedoch ungleich verteilt. Im kapitalistischen Unrechtssystem profitieren 10% der reichsten Vermögensbesitzer, auf Kosten der Allgemeinheit. Erwirtschaftet wird die Umverteilung von der Volkswirtschaft – also von Arbeitgebern wie auch Angestellten und Arbeitern. Allein im Jahr 2008 brachten Schuldner 563 Mrd. Euro Zinszahlungen auf! Pro Tag 1,5 Mrd.! Diese Gelder fehlen in der Gehalts- und Lohntüte und damit in den Sozialkassen.

Rudolf Riedl erklärt den Zusammenhang in seiner Website “Geldsyndrom” anhand Berechnungen des Wirtschaftsanalytikers Helmut Creutz.

Die Löhne und Gehälter der deutschen Arbeiter und Angestellten steigen Jahr für Jahr. Mal mehr, mal weniger. Je nachdem, was unsere Gewerkschafter und Arbeitgeber so aushandeln.

Von 1991 bis zum Jahr 2010 stiegen die Jahresbruttolöhne und -gehälter pro Arbeitnehmer um 8.600 € auf 28.300 €. Die Gesamtheit der Lohn- und Gehaltszahlungen stieg somit von 691 Mrd. auf 1020 Mrd. Euro.

Über die Erlöse der erwirtschafteten Produkte (BIP), müssen nicht nur die Löhne der Arbeiterschaft und die Gewinne der Unternehmer und Selbstständigen, sondern auch die Zinsanteile des Kapitals bedient werden!

 Lohn/BIP-Vergleich

Vergleicht man nun den Anstieg der von den Arbeitern und Angestellten erbrachten Leistungen BIP (Bruttoinlandsprodukt) mit deren Entlohnung, dann wird schnell deutlich, dass hier die Verhältnismäßigkeit nicht mehr stimmt. Das BIP steigt schneller, als die Entlohnung. Die Arbeiterschaft wird nicht in vollem Umfang am Erwirtschafteten beteiligt. Denn sonst müssten die Löhne und das BIP gleichmäßig ansteigen. Vergleicht man die Jahre 1991/2010, dann ergibt sich ein Wachstum des BIP um 163%. Die Bruttolöhne und -Gehälter stiegen im gleichen Zeitraum nur um 144% an. Grafisch veranschaulicht wird sofort ersichtlich, dass das Wachstum der Produktivität nicht bei den Arbeitnehmern ankommt.

Lohn/BIP-Relation

Zeigt man das Wachstum der Löhne in Relation zum BIP dann wird sofort ersichtlich, dass ein Anstieg des Bruttosozialproduktes nicht im gleichen Maße der Arbeitnehmerschaft zu Gute kommt.

Unser bestehendes Geldsystem wirkt negativ auf das Lohnwachstum, da zusätzlich zur Entlohnung von Arbeitgeber (Gewinne) und Arbeitnehmer (Löhne und Gehälter) auch die Zinsen der Kapitalgeber erwirtschaftet werden müssen!

Wem kommt das Wachstum des BIP zugute, wenn es nicht bei denen ankommt, die es erwirtschaften?

Warum öffnet sich die Schere Arm-Reich immer mehr? Auch hier ein Indiz auf den Fehler (Zinseszins) in unserem Geldsystem? Wenn der Mehrwert, der durch BIP Wachstum erwirtschaftet wird nicht bei der Arbeiterschaft ankommt, dann kann er nur bei den Arbeit- und Kapitalgebern landen, und die sind in der Regel auf der “Reichen-Seite”.

Zinserträge

Schaut man sich die Zinserträge an, die im selben Zeitraum erwirtschaftet wurden, dann wird die ganze Problematik deutlich. Neben den Löhnen und Gehältern müssen auch die Zinserträge über die Produkte erwirtschaftet werden.

Außer den Löhnen und Gehältern müssen Tag für Tag durch die Leistungen der Arbeiterschaft (1) auch die leistungslosen (Zins)Einkommen erwirtschaftet werden.

563 Mrd. Euro Zinszahlungen: Im Jahr 2008 wurde ein Maximum von 563 Mrd. Euro erreicht. Das sind im Schnitt pro Tag 1,5 Mrd. Zinsleistungen. Auch in “schlechten” Jahren erwirtschaftet das deutsche Volk Tag für Tag über 1 Mrd. Euro an zusätzlich Leistungen, nur um die Zinslasten bedienen zu können. Das sind Leistungen, die (nur) die Arbeiterschaft erbringt, aber letztendlich an deren Entlohnung fehlen.

(1) Zur Arbeiterschaft zähle ich natürlich auch die Firmenchefs, Konzernlenker und die Gruppen der Selbstständigen, denn auch die arbeiten (und oft nicht wenig). Genauso gehört unsere Oma zu den Empfängern eines leistungslosen (Zins)Einkommen, wenn sie bei ihrer Hausbank ein paar Euros angespart hat.

Reallohn

Zeigt man nun die Gesamtheit der Bruttolöhne, dann zeigt dies einen Anstieg um 329 Milliarden Euro im Zeitraum von 1991 bis 2010. Wird die Inflationsrate aus den Löhnen herausgerechnet, dann erhält man den sogenannten Reallohn (inflationsbereinigter Bruttolohn). Auch hier zeigt sich deutlich, dass bei den abhängig Beschäftigten (Lohn- und Gehaltsempfänger) kein Wohlstandswachstum angekommen ist.

Gleicht das Lohnwachstum die Inflation aus? Nein, denn die Nettoreallöhne sinken!

Einkommensentwicklung

Helmut Creutz stellt dies in seiner Grafik (Nr. 137i) sehr plastisch dar. In den 16 Jahren von 1991 – 2007 ist das Volkseinkommen um 61 % gewachsen, die Nettolöhne aber nur um 30%. Im Gegensatz dazu stellt der überproportionale Zuwachs der leistungslosen Einkommen (Zinsen auf Geldvermögen) alles in den Schatten.

In Deutschland wächst das BIP (Bruttoinlandsprodukt) schneller als die Summe aller Löhne. Das darf nicht sein, denn dies bedeutet, dass eine (Geld)Umverteilung zu Nachteil der arbeitenden Bevölkerung stattfindet.

Merke: Nur der arbeitende Bevölkerungsanteil erwirtschaftet Zinseinkommen auf Geldvermögen.

Bedenkt man, dass das Volkseinkommen (über das BIP) ausschließlich von den Lohn- und Gehaltsempfängern erwirtschaftet wurde, dann wird die Ungerechtigkeit des Lohn/Zins-Zuwachs (Schere) besonders deutlich. Der überproportionale Zuwachs der Zinseinkommen auf das Geldvermögen, konnte natürlich nur durch Reduzierung der Löhne und Gehälter realisiert werden.

Wachstumsentwicklung der Löhne

Vergleicht man das Wachstum des Stundenlohnes mit dem der Geldmenge, dann wird der eklatante Unterschied zwischen Geld und Arbeitskraft deutlich sichtbar. Der Wert der menschlichen Arbeitskraft ist in den letzten 63 Jahren um das 38fache gestiegen. Die Geldmenge jedoch nur um das 206fache.

Dies zeigt deutlich die Überbewertung des Geldes. Unser Wertesystem ist zu Gunsten des Geld(besitzes), und zu Ungunsten der Arbeitskraft(besitzer) angelegt. Das bedeutet, der Kapitalanteil steigt schneller als der Arbeitsanteil. So entsteht eine reale Werteverschiebung (Güterverschiebung) hin zu den Kapitalbesitzern.

Der Kapitalanteil steigt schneller als der Lohnanteil! So entsteht eine Werteverschiebung zu Gunsten der Kapitalbesitzer!

Umverteilung

Die Zinsen auf die Geldvermögen müssen erwirtschaftet werden, keine Frage. Dies ist aber nur durch Leistungserbringung, also durch Arbeit möglich. In Form von Aufschlägen und Abzügen auf Löhne, Waren und Leistungen werden diese Zinsen dann letztendlich an die (Geld)Vermögenden umgelenkt.

Die Geldvermögen steigen, die (Netto)Löhne sinken! Warum das so ist, versuche ich hier zu zeigen…” (Geldsyndrom)

Die Satiresendung “die Anstalt” veranschaulichte die Ungerechtigkeit anhand von Kuchen. Claus von Wagner …

“Die Wirtschaftskraft von Deutschland. Ich zeige ihnen das mal ganz kurz. Das ist die Wirtschaftskraft von Deutschland im Jahre 1950.”

“Die Wirtschaftskraft von Deutschland. Ich zeige ihnen das mal ganz kurz. Das ist die Wirtschaftskraft von Deutschland im Jahre 1950.”

Quelle: youtube

“Das waren goldene Zeiten. Da mussten wir von diesen Kuchen nur 14 % an die Rentner abgeben. Heute müssen wir über 30% an die Rentner abgeben.

Das wäre ein Problem, wenn wir glauben, das der Kuchen immer gleichgroß geblieben ist. Ist er nicht. Der Kuchen hat sich dank moderner Technik (…) [vergrößert].

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Das ist das Verhältnis meine Damen und Herren. Das ist der Kuchen, den wir verteilen können und trotzdem erzählen uns alle “Oh jetzt müssen wir aber den Gürtel engermachen.”

Die Geldvermögen fordern einen immer größer werdenden Anteil am Kuchen. Die Löhne müssen zurückbleiben, auch wegen des internationalen Wettbewerbs. Die Preise können nicht erhöht werden, da sonst die Angebote nicht mehr konkurrenzfähig wären.

Diese Ungleichheit schädigt die Wirtschaft, denn die Nachfrage bleibt zurück.  Die Menschen haben zuwenig Geld in der Tasche. Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Arbeiter können die von ihnen selbst produzierten Angebote immer weniger nachfragen! Massen-Arbeitslosigkeit und Überkapazitäten zeugen von einer volkswirtschaftlichen Nachfragelücke. Sie wird durch den Export etwas gemildert.

Von diesem Verständnis aus, geht die staatliche Förderung  der “Riester-Rente” in die genau falsche Richtung. Kapitalisten müssen in Zukunft dafür zahlen, wenn sie Geld horten. Doch statt eine Geldhalte-Gebühr einzuführen, sollen die “kleinen Leute” selbst zu Kapitalisten werden. Der subventionierte Abschluss privater Rentenfonds “Riester-Rente” wurde sogar mit dem Zinses-Zins Faktor beworben. Der sogenannte “Wirtschaftsexperte” Bert Rürup nannte ihn das “achte Weltwunder”. (welt)

Damit konnten “Experten” bislang 16 Millionen Klein-Sparern Sand in die Augen streuen (statista). Dabei profitieren vom Zinses-Zins-System nur die Super-Reichen. 80% der Bevölkerung zahlt mehr Zinsen als es einnimmt. Auch dann, wenn die Person keine Schulden hat. Unternehmer preisen ihre Zinszahlungen oder Rendite-Zahlungen ein, die staatlichen Zinszahlungen stecken in den Steuern und Abgaben. Erst ab einem Millionen-Vermögen werden die Zinseinnahmen größer, als die Zinszahlungen.

Die Berechnungen der “Riester-Rente” basieren also auf Milch-Mädchen-Rechnungen. Auch drücken die gesparten Geldvermögen den Zins auf den Kapitalmärkten. Der Abschluss der “Riester-Rente”, das langfristige Sparen lohnt sich für Klein-Sparer nicht. Das verstehen immer mehr “Otto-Normal-Verbraucher”. In der Dokumentation “die Rentenlüge – Rentenangst – der Kampf um die Altersversorgung” kommen sie zu Wort.

Die Rentenlügner – Rentenangst – Der Kampf um die Altersversorgung

Quelle: youtube

“Die Versicherungen haben mir jedesmal geschrieben “Vorstandsbeschluss”. Das war das Argument Punkt fertig. Eine Begründung war eher nachrangig, das heißt Kapitalmarktzins oder längere Lebenserwartung. Aber der Kernpunkt war: Der Vorstand hat beschlossen, keine Überschussbeteiligung zu zahlen. Punkt. Mehr nicht.”

Die Hintergründe bleiben den Betrogenen unbekannt. Ein Beispiel zeigt die Perversität dieses Systems. Viele Renten-Sparer legten ihr Geld beim Investment-Haus “Blackrock” an. Die Dokumentation“Geld regiert die Welt – Die Macht der Finanzkonzerne” zeigt den Versuch von “Blackrock”, die Renditen auch aus Rentnern herauszupressen.

“Wohnraum veredeln. Geld verdienen. Ein globaler Trend. Betongold. Mitten in New York hat “Blackrock” den größten Immobiliendeal der Geschichte gemacht und diese Blocks im Viertel “Stuyvesant Town” aufgekauft. 100 Häuser für 25.000 Menschen. Eine gewinnbringende Spekulation sollte es werden, in einer Idylle, einem Viertel in dem es noch so etwas wie Gemeinschaft und Zusammenhalt gibt. “Blackrock” investierte (…) mehr als 5 Mrd. Dollar in die Wohnungen und sammelte dafür das Geld aus Pensionsfonds und Rentenversicherern ein. Aus den günstigen Mietwohnungen für kleine Leute sollten teure Apartments für Luxusmieter werden. Renditeversprechen 13%. (youtube)”

Opfer dieser Spekulation waren u.a. ältere Menschen mit geringen Renten. Die Tochter einer geschädigten Rentnerin, die ausziehen musste, kommentiert:

Geld regiert die Welt – Die Macht der Finanzkonzerne (Doku)

Quelle: youtube

“Ich denke, dass sind Blutsauer, kaltherzige Blutsauger. Die sollten alle eingesperrt werden für diese Geschichte hier. Die Angst war unglaublich. Ja nichts machen, was den Mietvertrag gefährdet. Sie waren grausam, mit bis zu 12 Anwälten kamen sie an und quälten die Leute mit Prozessen. Gegen die Macht des Geldes kommen wir kleine Leute halt nicht an.”

Genau diese Medien, die einst für die Riester-Rente und private Rentenversicherungen warben (“Volksrente”), hetzen jetzt gegen mögliche “Strafzinsen” und “Abzocke”.

Dabei wären Minus-Zinsen der genau richtige Weg. Dadurch könnten die Geldvermögen und die Schulden zurückgeführt werden. Es wäre wieder mehr finanzieller Spielraum für Lohnerhöhungen drin, die Wirtschaft würde durch mehr Nachfrage belebt werden, gut-bezahlte Arbeitsplätze würden entstehen. Davon profitierten dann auch die Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung.

Es ist eine Ironie der Geschichte. Erst zerstört der Zinses-Zins das Fundament der gesetzlichen Rentenversicherung, gute Löhne und Arbeitsplätze, dann beschweren sich die so bestohlenen “kleinen Leute” über zu geringe Zinsen für ihre angesparten Guthaben, die für die Super-Reichen nichts anderes als “peanuts” sind. Auf diese Weise können sich die Blutsauger erfolgreich hinter den gutgläubigen Opfern verstecken. Schöne neue Welt.

Herzlich willkommen,

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