Entsetzen und Proteste: Geschworene in Ferguson wollen Polizist Darren Wilson nicht anklagen

Markus Gärtner

Es war absehbar gewesen: Der weiße Polizist Darren Wilson, der am 9. August den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown unter immer noch ungeklärten Umständen erschoss, wird nicht angeklagt.

Die Geschworenen, neun Weiße sowie drei Schwarze aus dem Bezirk St. Louis, sahen nach Monaten der Beweisaufnahme und Beratung keinen Grund, Darren Wilson anzuklagen. Sie haben 70 Stunden Beweise geprüft und dabei 60 Zeugen gehört.

St. Louis wird zu 70 Prozent von weißen Amerikanern bewohnt, die 21.000-Einwohner-Stadt Ferguson, wo Brown erschossen wurde, besteht zu zwei Drittel aus Schwarzen.

In der Nacht kam es in den USA in mehreren Städten zu Demonstrationen, darunter in New York, Washington und Philadelphia. Vor dem Polizeigebäude von Ferguson skandierten hunderte von Menschen »Mörder, Ihr seid nichts als stinkende Mörder.«

In Ferguson bewarfen Demonstranten Einsatzfahrzeuge der Polizei mit Steinen, Flaschen und Dosen. Geschäfte wurden geplündert und Autos angezündet. Mehrere Schaufenster wurden eingeschlagen. An verschiedenen Stellen der Stadt stieg Rauch auf.

Die Polizei setzte Rauchkanister und LKW ein, um Demonstranten von ihrem Revier zu vertreiben. Zuvor waren vereinzelt Schüsse zu hören.

Der Staatsanwalt des Bezirks St. Louis, Bob McCulloch, sprach in der Nacht 45 Minuten lang vor den Kameras. Er betonte mehrfach Ungereimtheiten und Widersprüche in den Aussagen von Zeugen. Aber mit keinem Wort wiederholte er, dass Michael Brown unbewaffnet war, als er erschossen wurde.

In Ferguson hatte Gouverneur Jay Nixon schon vor einer Woche den Ausnahmezustand erklärt. Geschäftsleute in der Stadt ließen ihre Läden von Sicherheitsleuten bewachen, vernagelten die Schaufenster, oder brachten ihre Ware aus der Stadt.

Verschiedene Schulen verlängerten das Thanksgiving-Wochenende, damit Schüler nicht in die erwarteten Ausschreitungen geraten. Der Flugverkehr über der Stadt wurde eingeschränkt, während die Waffenverkäufe um 300 Prozent in die Höhe schossen und Fernseh-Teams mit Bodyguards in der Stadt drehten.

Darren Wilson war nach eigener Aussage in ein Handgemenge mit dem Teenager Michael Brown verwickelt und handelte aus Notwehr. Freunde und Familienmitglieder von Brown bestehen jedoch darauf, dass der 18jährige bereits die Hände erhoben hatte, als der Polizist mindestens sechs Mal schoss.

Nach den tödlichen Schüssen war es in Ferguson wochenlang zu Unruhen gekommen: Autos wurden angezündet, Geschäfte geplündert. Die militärisch hochgerüstete Polizei vor Ort wurde weltweit für ihre überzogene Gewaltanwendung und die fortgesetzte Verhaftung von Journalisten kritisiert.

Die Familie von Michael Brown zeigt sich von dem Spruch der Geschworenen in einer ersten Stellungnahme tief enttäuscht.

Die Sicherheitsmaßnahmen im Vorfeld der Entscheidung hatten bereits seit Tagen signalisiert, wie der Spruch ausfallen würde, darunter die Ausrufung des Notstands und die Mobilisierung der Nationalgarde. Barack Obama rief dazu auf, den Spruch der Geschworenen zu respektieren und Ruhe zu bewahren.

Doch in mehreren Städten quer durch die USA kam es zu Demonstrationen. In New York marschierten Protestzüge auf dem Broadway und am Times Square und sangen »schwarze Leben zählen.«

In Chicago forderten hunderte von Demonstranten entlang des Lake Shore Drive auf Bannern »Gerechtigkeit für Mike Brown.«

Im Fernsehen fasste ein Schwarzer Anwohner in Ferguson die Ereignisse so zusammen: »Da sieht man, wie unser Justizsystem arbeitet, die Reichen sind da oben, die Armen sind da unten, und die Polizei denkt, sie kommt mit allem durch.«

In Ferguson erschoss sich in der Nacht eine Frau in einem tragischen Unfall selbst. Sie hatte eine Waffe gekauft, um sich im Falle von Unruhen zu verteidigen. Als sie die Waffe schwenkte, fuhr ihr Freund auf ein anderes Fahrzeug auf und ein Schuss löste sich, der sie in den Kopf traf.

Währenddessen macht eine militante Gruppe namens »Black Rebels« Jagd auf Darren Wilson, der seit den tödlichen Schüssen vor drei Monaten abgetaucht ist. Die »Rebels« haben 5.000 Dollar auf den Polizisten ausgesetzt und sagen, sie hätten »ein paar Fragen an den Schützen.«

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