Wie viel kostet ein Krieg?

Eine Kriegsanleihe aus dem Jahr 1915 über 2000 Kronen.

Der Erfolg hat viele Väter, das gilt auch für Zitate: „Zum Krieg führen sind drei Dinge nötig: Geld, Geld und nochmals Geld.“ Gleich vier Personen wird dieser Spruch zugeschrieben: Zwei weniger bekannten Heerführern der Renaissancezeit, dem kaiserlichen Feldherren Raimondo Montecuccoli und dem Prinzen Eugen, einer der wenigen Gestalten in der österreichischen Geschichte, die ihre Bedeutung gewonnenen Kriegen verdanken.

Dieser hatte schon als Hofkriegsratspräsident unter Kaiser Leopold I. – ungeachtet seiner glänzenden Erfolge – stets Anlass zur Klage über mangelnde Mittelzuteilung. Und so hat sich die Legende der etwas schlampigen, aber friedlichen Monarchie fortgepflanzt, die im 19. Jahrhundert nicht zuletzt durch den verlorenen Krieg von 1866 noch verstärkt wurde. Daran konnte auch nichts ändern, dass Kaiser Franz Joseph stets Uniform trug und Armeeangehörige hohes Sozialprestige genossen.

Hohe Militärausgaben
Tatsächlich waren die Militärausgaben der Monarchie in absoluten Zahlen vor Kriegsausbruch geringer, als die der anderen späteren Kriegsteilnehmer, der Gegner wie der Verbündeten. Gemessen am Volkseinkommen aber sieht die Sache anders aus, hält der Wirtschaftshistoriker Roman Sandgruber fest: Die Militärausgaben betrugen in Deutschland 3,5 Prozent des Volkseinkommens, in Großbritannien 3,6 Prozent, in Österreich-Ungarn jedoch 4 Prozent, nur Russland lag mit 6 Prozent darüber. Da spielt sicher der unterschiedliche Industrialisierungsgrad der einzelnen Volkswirtschaften eine Rolle, aber nach einer Friedenspolitik Österreich-Ungarns sieht das nicht aus.

Bereits 1912 hat sich die Regierung unter dem Eindruck der Balkan-Kriege mit dem Wehr- und Kriegsleistungsgesetz die Verfügung über die männliche Zivilbevölkerung, vor allem die Arbeiter in der Rüstungsindustrie, gesichert. „Auch die nicht zum Kriegsdienst verpflichteten Arbeiter wurden der militärischen Disziplin unterworfen“, schreibt Sandgruber. Dies bedeutete oft Lohnkürzungen auf das Niveau des Soldatensolds und das Verbot gewerkschaftlicher Tätigkeit. Die Umstellung auf die Kriegswirtschaft gelang 1914 umso reibungsloser.

Trotzdem schien die Monarchie seltsam überrascht. Weder Vorratshaltung, noch organisatorische Abwicklung und vor allem das Geldwesen waren auf einen längeren Krieg vorbereitet. Waren doch alle Patrioten überzeugt, dass sich nach wenigen Monaten („Serbien muss sterbien“) das reinigende Gewitter des Krieges verzogen haben und die Sonne des Sieges über der Monarchie aufgehen würde. Der Krieg sei mit den vorhandenen Vorräten an Waffen und Munition, an Lokomotiven und Waggons, an Nahrungsmitteln und Rohstoffen bis zum baldigen Sieg zu führen, und die Verlierer hätten dann zu zahlen, so die Illusion. Die Kampfkraft der serbischen Truppen, die in den Balkankriegen ab 1912 große Erfahrung sammeln konnten, wurde sträflich unterschätzt. Das Kräftemessen mündete schließlich in einen erschöpfenden Drei-Fronten-Krieg am Balkan, gegen Russland und gegen Italien.

Konnte sich die Monarchie auch aus den Balkankriegen von 1912/13 heraushalten, so litt doch die Exportwirtschaft, und die Handelsbilanz rutschte ins Minus. Nationalökonomen und Banker waren alarmiert, der Gouverneur der Österreichisch-Ungarischen Bank, der Notenbank der Monarchie, drängte bereits im April 1913 auf „finanzielle Kriegsbereitschaft“, jedoch vergebens, betont der Historiker Manfried Rauchensteiner. Im Juli 1914, als Notenbank-Gouverneur Alexander Popovics und die wichtigsten Bankenchefs vorab vom unmittelbar drohenden Krieg informiert wurden, war es für einen umfassenden geldpolitischen Kurswechsel zu spät. Tatsächlich erschienen die Geldvorräte für einen kurzen Krieg ausreichend, lediglich kleine Banknoten mussten nachgeliefert werden.

Schon die Mobilmachung zeigte die neuen Dimensionen einer Kriegsfinanzierung deutlich auf, ganz zu schweigen von all dem, was in den folgenden Kriegsjahren noch kommen sollte. Es wäre naheliegend gewesen, die Steuerschraube zur Kriegsfinanzierung anzuziehen. Das wurde aber mit Blick auf das wenig einträgliche Steuersystem, einen erwarteten kurzen Krieg und auf die Stimmung in der Bevölkerung vermieden. Erst 1916 wurde für Firmen eine Kriegsgewinnsteuer eingeführt, die jedoch zum Teil durch Zeichnung von Kriegsanleihen beglichen werden konnte.

Bereits in den ersten Kriegsmonaten explodierte der Geldbedarf, die Geldmenge hat sich beinahe verdoppelt. Ermöglicht wurde dies durch den Ende Juli 1914 legalisierten Zugriff der Regierung auf die Notenpresse, die Abgabe von Gold und Devisen wurde eingestellt, das war das Ende des seit Jahrzehnten bestehenden Goldstandards. Manfried Rauchensteiner spricht vom Öffnen der Büchse der Pandora. Bis Kriegsende hat sich die Geldmenge auf rund 40 Milliarden Kronen verzehnfacht, parallel dazu beschleunigte sich die Inflation: 1914 lag sie bei 70 Prozent, in den Jahren nach 1916 kam es zu einer praktischen Verdoppelung der Preise in jedem Jahr. Die Rechnung dafür hatte nach dem Krieg die Bevölkerung vor allem in Österreich mit extremer Mangelwirtschaft bis hin zur Hungernot zu bezahlen.

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wissen/geschichte/711129_Wie-viel-kostet-ein-Krieg.html

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