Ende der Volksmeinung, Beginn der offiziellen Amtsmeinung
21.11.2014 22:00
Die erste Meldung ist, dass laut Telepolis mit Verweis auf Tagesschau die ARD künftig wieder wie in der Vor-Internet-Zeit auf die Volksmeinung pfeift, keine Kommentarmöglichkeiten mehr vorsieht, und eine Staatsmeinung verkündet. Beachtlich daran ist wieder mal das Doppeldenk, die doppelten Maßstäbe: Denn ungefähr dieselbe Denkweise, die die ARD den Volkskommentatoren vorwirft und als Grund für das Abschalten von Kommentaren heranziehen, zeigen auch viele „Journalisten“ – nur dass man deren Arroganz, Selbstherrlichkeit, deren Alleinwahrheitsanspruch und Aggressivität gegen Dritte dann plötzlich für intellektuelle Überlegenheit hält. Würde die ARD an ihre Journalisten, oder sagen wir besser mal, Programmmacher dieselben Anforderungen wie an die Kommentatoren stellen, hätten wir wieder wie in früheren Zeiten zwei Drittel des Tages ein Testbild auf der Mattscheibe. Das wäre nicht nur eine intellektuelle, sondern im Vergleich zum Hartz-IV-Nachmittagsprogramm und dem Deppen-Vorabendprogramm der ARD auch eine sichtbare Verbesserung. Wie der Autor in Telepolis so schön sagte: Wenn die Süddeutsche das macht, dann kauft man sie halt einfach nicht mehr. Die ARD ist dagegen zwangsfinanziert.
Die zweite Meldung stammt ebenfalls von Telepolis und besagt, dass es unserem Innenminister de Maizière gerade stinkt, dass der „Islamische Staat“ eine Alleininterpreationsmacht und ein Propagandamonopol innehat. Ungefähr das gleiche hat heute auch Königin Rania von Jordanien gesagt. Sie sieht aber nicht nur viel besser aus, sie sagt es auch anders und mit viel mehr Wirkung. De Maizière dagegen will eine Art „Gegenpropaganda“ verbreiten, wie das in Kriegszeiten eben so üblich ist. Dazu passt ja dann auch die erste Meldung, wonach die ARD nur noch ihre eigene öffentlich-rechtliche Einheitsmeinung zulässt.
Nun, so könnte man einwenden, wir wissen ja schon länger, dass wer informiert sein will, nicht mehr (nur) die offiziellen Medien lesen darf, sondern in vielen Bereichen bessere Informationen in der Blogosphäre findet. Ja, Pustekuchen. Denn die dritte Meldung besagt, dass die EU gerade an einem Zwei-Klassen-Internet bastelt, in der man die öffentlich vorgebene industrielle Einheitsmeinung frei bekommt, aber für Zugang zu kritischen Andermeinungen kleiner Anbieter extra zuzahlen muss.
Nimmt man alles zusammen, dann haben wir – ähnlich wie das nachmittägliche Hartz-IV-Fernsehen – einen frei verfügbaren und politisch diktierten Einheitsbrei aus Propaganda ohne Gegenmeinung (wie in der DDR, und da feiern die tatsächlich den Mauerfall…) und alle kritischen Meinungen nur schwierig und gegen Aufpreis. Und wir wissen ja, dass sich immer das billigste durchsetzt.
Momentan hört sich das noch halbwegs berechtigt an, wer könnte schon den IS verteidigen wollen. Wenn aber nur noch die offiziellen Presseorgane die offizielle und frei verfügbare Meinung vorgeben dürfen, dann wissen wir, was dabei herauskommt. Man sieht das ja schon an dem Genderismus, wie er sich in der Druckpresse und im Fernsehen (auch der ARD) schon ausgebreitet hat und belegt, dass der Journalismus längst von hirnlosen, ideologischen Einheitströten besetzt ist. Schon jetzt machen die ja fast nichts anderes, als das wiederzugeben, was ihnen vorgekaut wird.
Und um der Erkenntnis noch was Übles aufzusetzen, hier noch die vierte Meldung: Ich habe ja schon öfters erwähnt, dass es mich so stört, dass die Leute in Berlin ihren Abfall überall einfach so fallen lassen. Da kam heute eine Meldung, dass irgendwo (nicht in Berlin) eine S-Bahn bei der Einfahrt in einen Bahnhof einen Mann überfahren hat, der gerade vom Bahnsteig aus in das Gleisbett pinkelte. Strike!, dachte ich mir, und wollte mehr darüber lesen. die ersten vier Seiten Google-Ergebnisse zeigten aber nur Pressemeldungen von vielen verschiedenen Zeitungen, die alle wortwörtlich gleich waren, Quelle dpa. Wieder mal ein Beispiel dafür, dass die Presse zwar erscheint, als wäre sie eine Vielzahl von Stimmen, faktisch aber nur die Meldungen eines Zentralorgans durchreicht und nachplappert.
Das Internet ist nicht mehr das, was wir kennen. Es wird zum Teleschirm. Ich habe Orwell’s 1984 schon so oft zitiert. Aber es passt mal wieder voll. Geräte in unseren Privatwohnungen, die uns gleichzeitig die Politpropaganda vorplärren, ohne dass man sie abschalten könnte, und uns bei allem, was wir tun, überwachen.
http://www.danisch.de/blog/2014/11/21/ende-der-volksmeinung-beginn-der-offiziellen-amtsmeinung/
Ich glaube, wer sich wirklich informieren will, wird das auch tun, selbst wenn es etwas kostet und dann weiterreichen.Von mir aus kann das Fernsehen auf jedem Kanal den ganzen Tag ein Testbild ausstrahlen, wir müssen uns halt wehren gegen die Zwangsgebühren, so wie es die Engländer bereits erfolgreich tun.
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