Yes we haben Angst: Stockman-Blog beichtet heimliche Ängste der Supermacht USA

Redaktion

Interessante These im »Contra Corner«-Blog von Reagan´s ehemaligem Budgetdirektor David Stockman. Dort stellt John Butler die These auf, dass Deutschland und russische Handelspartner wie Polen gleich an drei Fronten in einen Währungs- und Sanktionenkrieg geraten.

Erstens gegen das harsch abwertende Japan im Kampf um globale Marktanteile. Zweitens gegen die USA, die EU und die NATO, was die Sanktionen gegen Russland angeht. Und schließlich intern in der Euro-Zone gegen die EZB, deren Präsident Mario Draghi deutlich stärker auf das geldpolitische Gaspedal drücken möchte.

Das Verhalten der betroffenen Länder wird einen starken Rückkoppelungseffekt auf die Weltwirtschaft haben. Gemeint ist wohl die Furcht aus amerikanischer Sicht, dass sich auch in Europa die Abwertungs-Dschihadisten durchsetzen und den Euro noch deutlich weiter nach unten treiben könnten.

Die US-Regierung unter Obama hat ja schon heimlich, still und leise ihr Ziel begraben, die Exporte binnen fünf Jahren zu verdoppeln. Obama hatte das in der ersten Amtszeit als Ziel ausgegeben, bevor der Lack des einstigen »yes-we-can«-Propheten endgültig abfiel.

Jetzt strömt enorm viel Kapital mangels Alternativen – und in der Hoffnung auf steigende Zinsen – in die USA und treibt den US Dollar in die Höhe. Das bremst die Exporte der USA ebenso wie die schwachen Absatzmärkte in Europa, Asien und Lateinamerika.

Insofern haben die im Stockman-Blog ja recht.

Aber warum sollte sich gerade das stagnierende Europa, das sich von seinem Schuldenberg nicht befreien kann − und von Rom bis Paris von lahmen Enten regiert wird − fein zurückhalten und zusehen, wie sich der Rest der Welt rücksichtslos auf Kosten aller anderen aus der Krise befreien will?

Mit einem unmissverständlichen Fingerzeig hält Butler in seinem Blog-Eintrag den Europäern vor, dass sie schon nach der Finanzkrise von 2008 zwei Jahre lang den Euro gegenüber dem Greenback um 25 Prozent nach unten geschleust haben.

Das soll heißen: »Ihr habt Eure Munition ja schon verschossen, eine zweite Runde steht Euch nicht zu.«

Aus Furcht vor dieser zweiten Runde analysiert Butler das, was er den »Währungs-Bürgerkrieg in der Euro-Zone« nennt. Es ist das laute Nachdenken in der Peripherie bis nach Italien hinein, ob es nicht besser wäre, den Euro zu verlassen, während der Norden keine weiteren Bailouts anbietet, ohne dass der Süden seine Wirtschaft reformiert.

Der rote Faden hier ist Folgender: Die Dauerkrise der Europäer bleibt »bis heute ungelöst, seit 2012 wurde Zeit gekauft, doch eine oder mehrere Runden von Bailouts – und wahrscheinlich eine weitere akute Krise − stehen noch an.«

In den vergangenen beiden Jahren sei der Dauerwährungskrieg durch Japan eskaliert. Doch die geplante Inflationierung der japanischen Wirtschaft durch Premier Abe habe bescheidene Ergebnisse gezeitigt. Von Abe sei zu erwarten, dass er bei der jetzt ausgerufenen Neuwahl siegt und den Yen noch stärker nach unten treibt. Die nächste Runde in der Yen-Abwertung sei eine Attacke auf Japans scharfte Wettbewerber in der Weltwirtschaft, darunter Länder wie Deutschland, Südkorea und Taiwan.

Und jetzt komme noch der Sanktionen-Krieg gegen Russland hinzu. Auch dieser füge Ländern wie Deutschland schweren Schaden zu. Putin sehe in dem Konflikt aber nicht so aus, als werde er nachgeben. Im Gegenteil. Daher sei für Deutschland sowie für andere Handelspartner Russlandsein scharfer wirtschaftlicher Einbruch zu erwarten. Das werde diese Länder politisch destabilisieren und Russland weiter in die Arme von China treiben.

Butler erwartet, dass Putin, um die russische Wirtschaft zu schützen, den Rubel mit einer Rate von 2.000 pro Unze an das Gold koppeln könnte. Das würde es Putin erlauben, mehr Anleihen auszugeben, die auch im Westen gekauft würden. Eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik mit einer wirtschaftlichen Expansion sei dann möglich. Schon fast 30 Prozent des Rubel-Umlaufs sei durch Russlands Goldbestände gedeckt. Und das Land habe wenig Schulden.

Ein stabilisierter und aufgewerteter Rubel würde dann sogar Kapital anziehen. Russland könne für Importe mit Rubel bezahlen und die Sanktionen teilweise umgehen. Und hier kommt die eigentliche Furcht der Amerikaner ins Spiel: Der US Dollar könnte in diesem Szenario unter Druck geraten, die Zinsen in Amerika würden steigen und die von Minizinsen abhängige US-Wirtschaft hart treffen.

Als Folge wird von Butler eine Kettenreaktion befürchtet: Die US-Notenbank könnte zu ihrer Geldvermehrung a la QE zurückkehren, was international Dollarverkäufe nach sich ziehen würde.

»In einem extremen Szenario«, so heißt es im Stockman-Blog, »könnte der Dollar seinen Status als Reservewährung verlieren, was die US-Wirtschaft gegen die Wand fahren würde«.

Eine erneute QE-Runde durch die Fedwürde den Dollar zusätzlich nach unten treiben, die Importe in den USA verteuern und die Inflation anheizen. Der kombinierte Effekt von Inflation und höheren Zinsen würde zu einer »Stagflation wie in den 70er-Jahren« führen.

Ganz klar: Hier haben wir es ausnahmsweise mal nicht mit den üblichen realitätsfernen und unbeirrbaren – fast trotzigen – amerikanischen Sieger-Fantasien zu tun, sondern mit ganz realen Ängsten, über die sonst kein Leitmedium der USA schreibt und die niemand in den Eliten in Washington und an der Wall Street je offen ansprechen würde.

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