Mit dem Verbot von Roundup versetzen die Niederlande Monsanto einen weiteren empfindlichen Schlag

F. William Engdahl

In jedem Gartencenter in Deutschland, den meisten EU-Ländern und Amerika wird der weltweit meistverwendete Unkrautkiller – Roundup von Monsanto – an prominenter Stelle angeboten. Verkauft wird er als harmlose, sichere und hochwirksame Chemikalie. Tatsächlich aber ist Roundup, wie sich in zahlreichen Tests erweist, eine der giftigsten Substanzen auf dem Markt; es ist schädlich für Menschen und Tiere. Nun erlassen die Niederlande ein Verbot für Glyphosat, den Hauptbestandteil von Roundup. Das Verbot geht zwar bei weitem nicht weit genug, versetzt dem gefährlichsten Agrarchemiekonzern der Welt aber dennoch einen schweren Schlag.

Ab dem 31. Dezember 2015 wird der Verkauf aller Glyphosat-Präparate an Privatverbraucher in den Niederlanden verboten. Als meistverkauftes Mittel wird Monsantos Roundup am stärksten davon betroffen sein. Das Verbot wird nicht etwa auf Initiative der niederländischen Regierung verhängt, sondern es geht auf den Antrag einer winzigen Partei mit nur zwei Abgeordneten im Parlament zurück. Esther Ouwehand von der Partei für die Tiere und Gerard Schouw brachten den Antrag für ein Verbot von Glyphosat ein.

Da sich auch die Parteien PvdA, CU, 50+, GroenLinks, SP und PVV anschlossen, konnte das Kabinett die aufgeworfene Umweltproblematik unmöglich ignorieren. Der Antrag wurde schließlich mehrheitlich vom Parlament angenommen.

Um ihr Votum durch das Parlament zu bringen, hatte die winzige Partei gemeinsam mit der Partei für die Tiere und derBollenboos-Stiftung im April dieses Jahres die Website Gifkikker.nl eingerichtet. Sie wurde vom niederländischen Gesundheitsamt begrüßt, denn vor dem Aufbau dieses Forums hatten Bürger keinen offiziellen Ansprechpartner für ihre Anliegen.

Die Website machte rasend schnell die Runde, sodass die Abgeordneten anderer Parteien aufmerksam wurden.

Frankreich und Brasilien werden wahrscheinlich folgen

Frankreich, Brasilien und andere Länder werden wahrscheinlich dem Beispiel der Niederlande folgen und ein Verbot für Roundup oder Glyphosat-haltige Herbizide erlassen.

Angeblich verkaufen Gartencenter in ganz Frankreich kein Roundup mehr an Privatkunden. Französische Umweltgruppen fordern ein Verbot. Ihre Kampagne folgt auf ein Urteil eines französischen Gerichts von 2012, das Monsanto der chemischen Vergiftung des französischen Getreidebauers Paul François schuldig gesprochen hatte. Der Landwirt litt an neurologischen Störungen, darunter Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen und stotternder Sprache, nachdem er 2004 Dämpfe von Lasso, einem von Monsanto produzierten Unkrautkiller, eingeatmet hatte. Dieser enthält das Herbizid Alachlor, dessen Verwendung inzwischen in der Europäischen Union untersagt wurde.

In Brasilien forderte der Staatsanwalt des Hauptstadtbezirks das Justizministerium auf, die Verwendung von Glyphosat, des auch in Brasilien gebräuchlichsten Herbizids, einstweilig zu verbieten. Er ging dabei allerdings noch einen Schritt weiter, als er auch die übrigen aktiven Inhaltsstoffe von Roundup, darunter 2,4-D (2,4-Dichlorphenoxyessigsäure), Parathion-methyl, Lactofem, Phorat, Carbofuran, Abamectin und Paraquat infragestellte.

Auf seiner Website erklärte der Staatsanwalt die beiden Maßnahmen:

»Mit der ersten soll die nationale Gesundheitsbehörde (ANVISA) veranlasst werden, die Toxizität von acht aktiven Inhaltsstoffen zu überprüfen, die im Verdacht stehen, Mensch und Umwelt zu schaden. Außerdem stellt die Behörde die Registrierung von Pestiziden infrage, die 2,4-D-Herbizide enthalten und gegen breitblättrige Unkräuter angewendet werden.«

Wird diesem Antrag entsprochen, würde dies der Biotech-Industrie einen weiteren vernichtenden Schlag versetzen. Erst vor wenigen Wochen beschloss das brasilianische Berufungsgericht einstimmig, die Zulassung des Anbaus von Bayers Liberty-Link-Genmais zu widerrufen.

 

1999 gebar Sofía Gatica in Argentinien ein Kind mit einer schweren Missbildung der Leber, das Kind starb drei Tage nach der Geburt. Im August 2012 verurteilte ein Gericht in Córdoba den Anbauer des Gensojas von Monsanto und den Piloten des Flugzeugs, der über einem Feld in der Nähe von Gaticas Haus Roundup versprüht hatte. Sie wurden für schuldig befunden, die Gesundheit der Bewohner des kleinen Dorfs Ituzaingó Anexo, das an große Monsanto-Gensojafelder grenzt, absichtlich und fahrlässig gefährdet zu haben. Es war das erste Mal, dass ein Gericht gentechnisch veränderte Pflanzen und das Unkrautmittel Roundup, beides Produkte von Monsanto, für den Tod eines Menschen verantwortlich machte.

Anfang dieses Jahres lieferten Tests in mehreren Bundesstaaten der USA schockierende Beweise dafür, dass die Milch stillender Mütter zehnmal so viel Glyphosat enthielt wie bei ähnlichen Tests in der EU. Die Untersuchungen wurden von zwei privaten Organisationen, Sustainable Pulse und Moms Across America, durchgeführt. Die Laborergebnisse von 35 Urinproben und 21 Trinkwasserproben wurden anschließend von Environmental Arts & Research analysiert.

Die Gruppe um Professor Gilles-Éric Séralini an der Universität Caen in Frankreich hatte nach sorgfältigen Untersuchungen gezeigt, dass Roundup nicht nur Glyphosat – einen Giftstoff – enthält, sondern auch andere als Geschäftsgeheimnis gehütete Chemikalien, die in Kombination mit Glyphosat einen Giftcocktail bilden, der unter anderem Gehirnschäden verursacht.

Zu den gesundheitlichen Schäden, die auf Roundup vonMonsanto zurückgeführt werden, zählen Unfruchtbarkeit, Nierenerkrankungen, Geburtsfehler, schwere Magen-Darm-Erkrankungen, Parkinson, Krebs und eine Schädigung des Nervensystems.

Wo ist Greenpeace, wenn wir es brauchen?

Während sich die Beweise weltweit mehren und immer mehr Länder Verbote gegen Roundup und andere Unkrautkiller erlassen, fällt auf, dass Organisationen wie Greenpeace offenbar wenig gegen den Einsatz eines der schlimmsten Gifte unternehmen. Eine Suche auf der Website vonGreenpeace Deutschland ergibt keine Erwähnung von Monsanto Roundup.

Der Abschnitt »Pestizide außer Kontrolle« klingt vielversprechend, aber eine Suche ergibt auch dort keinen Treffer für Monsanto Roundup oder ein Herbizid oder Pestizid einer anderen Marke. In einem Artikel über Pestizide schreiben sie:»Zudem fordert Greenpeace von Bauern und dem Lebensmittelhandel den Verzicht auf besonders gefährliche Pestizide, wie die der ›Schwarzen Liste der Pestizide‹.«Doch eine Suche auf der gesamtenGreenpeace-Website bringt keine solche »Schwarze Liste« zutage.

Ich habe keine Ahnung, warum man sich nicht auf verbreitete Gifte wie Roundup konzentriert, aber vielleicht können die neuesten Entwicklungen in den Niederlanden und anderswo Organisationen wie Greenpeace oder die Partei der Grünen veranlassen, sich für die vermutlich giftigste Chemikalie zu interessieren, die Landwirte und Gärtner heute in Deutschland verwenden. Oder machen sie ihren Unterstützern über die Ernsthaftigkeit ihrer Sorge für Mensch, Tier und Umwelt nur etwas vor? Hoffentlich nicht!

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/f-william-engdahl/mit-dem-verbot-von-roundup-versetzen-die-niederlande-monsanto-einen-weiteren-empfindlichen-schlag.html

Das ist doch mal eine gute Meldung und freut mich sehr: Wer mehr über die Wirkung von Glyphosat erfahren möchte. kann hier nachlesen.

http://rositha13.wordpress.com/2014/04/12/glyphosat-und-seine-auswirkungen/

 

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