Angst vor der »Roten Gefahr«: Westliche Medien schwelgen im Kalten Krieg

Redaktion

Vielleicht stehen die »bösen Roten« nicht mehr wie früher ganz oben auf der Liste der Hollywood-Bösewichter, aber in vielen westlichen Nachrichtenmedien nehmen Russland oder Russen die erste Stelle ein, wenn es um finstere Gestalten mit bösen Absichten geht – unabhängig davon, ob sich Darstellungen dieser Art auf nachprüfbare Beweise stützen oder nicht.

So hieß es in britischen Medien, Kampfflugzeuge der Royal Air Force (RAF) vom Typ Eurofighter Typhoon hätten am 29. Oktober über der Grafschaft Kent ein Flugzeug abgefangen und mit der Drohung, es ansonsten abzuschießen, zur Landung gezwungen. Anfänglich hieß es, es habe sich um ein russisches Militärflugzeug gehandelt.

Wie sich allerdings später herausstellte, handelte es sich um ein ziviles Frachtflugzeug, das in einem Routineflug Teile für eine Automobilfabrik von Italien nach Birmingham transportierte. Und es war noch nicht einmal ein russisches Flugzeug, sondern flog unter der Flagge des britischen NATO-Partners Lettland.

Allein die Tatsache, dass es sich um ein Flugzeug sowjetischer Bauart – eine Antonow An-26 – handelte, die noch in der Sowjetunion in einer Fabrik produziert worden war, die in der heutigen Ukraine liegt, hatte alle anderen Tatsachen in den Hintergrund gedrängt. Und so blieb man eben trotzdem bei der Bezeichnung »russisches Flugzeug«. So twitterte der Daily Star munter drauflos:

»Sondermeldung: Jets der RAF eskortieren russisches Flugzeug nach Meldungen über einen ›lauten Knall‹ zum Flughafen Stansted.«

Auch für Schweden ist das Aufspüren vermeintlich russischer Militärfahrzeuge seit diesem Monat zu einer Art Volksport geworden. Ein grobgerastertes, unscharfes Schwarz-Weiß-Bild eines Objektes im Meer und eine Nachrichtenmeldung über einen angeblichen Notruf in russischerSprache an einen Stützpunkt in Kaliningrad reichten aus, um einen Masseneinsatz schwedischer Kriegsschiffe und Hubschrauber auf der Jagd nach einem Phantom auszulösen, weil man annahm, ein russisches U-Boot lauere irgendwo nahe Stockholm in den Tiefen der Ostsee.

Aber diese trügerische Prise blieb verschwunden, und der angeblich »abgefangene Notruf« erwies sich als Erfindung eines Journalisten, aber zumindest konnten die Schweden ihr größtes (und kostspieligstes) Seemanöver seit Jahrzehnten veranstalten.

Auf dem Höhepunkt der Medienhysterie waren übrigens mehr Schweden dafür, der NATO beizutreten, als dagegen. Der frühere russische und ständige Vertreter Russlands bei der NATO, Dmitri Rogosin, twitterte:

»Die Suche nach dem nichtexistenten ›russischen U-Boot‹ kostete Schweden 2,2 Mio. Euro. Statt sich wie Erwachsene zu benehmen, murksen sie herum.«

Aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks schlagen diese Phantom-Russen zu. Eine kleine Gruppe dieser Spezies mit bemerkenswerten Hacker-Fähigkeiten griff die Computernetze des Weißen Hauses an. Es gelang ihnen allerdings nicht, geheimes Material in die Hände zu bekommen.

Glaubt man der Washington Post (WP) und deren anonymen Quellen, so steckt natürlich die russische Regierung dahinter. Offiziell erhob das Weiße Haus keine derartige Beschuldigung. Dasbesorgte schon Megan Hess von der WP. Sie schrieb auf Twitter:

»Das Computernetz des Weißen Hauses wurde gehackt. Russische Regierung verdächtigt.«

Und ihre Kollegin Ellen Nakashima, ebenfalls WP, twitterte:

»Hacker, die angeblich für den Kreml arbeiten, sind in das öffentliche Computernetz des Weißen Hauses eingedrungen.«

Aber wenn schon der Director of National Intelligence, also der oberste Geheimdienstler der USA, James Clapper, russische Hacker nun als größere Gefahr als deren chinesische Kollegen einstuft, wer will da den amerikanischen Medien vorwerfen, sich an das vorgegebene Drehbuch zu halten?

Russlands jüngste Sünde ist die Explosion der amerikanischen Antares-Rakete am 28. Oktober, so zumindest ist einigen Schlagzeilen zu entnehmen. Russland hatte das amerikanische UnternehmenOrbital Science, das Antares-Raketen (vormals Taurus II) mit amerikanischer Elektronik ausstattet und sie mit amerikanischen Steuer- und Kontrollelementen kompatibel macht, in technischer Hinsicht unterstützt.

Aber auch wenn die Untersuchung der Ursache der Explosion nur sechs Sekunden kurz nach dem Start noch nicht abgeschlossen und daher unklar ist, ob es Probleme mit dem Antrieb gab und welches Teil letztlich für das Scheitern der Mission verantwortlich ist − eines steht fest: Russland ist der Hauptverdächtige.

Anderen Berichten zufolge schüchtern Russen amerikanische Diplomaten in Moskau ein, spionieren Tschechen aus und erschrecken Esten – und was auch immer sonst noch.

Und wenn sie den Namen ihres Präsidenten auf T-Shirts drucken, tun sie dies natürlich anders als andere Länder aus beunruhigenden und finsteren Motiven. Dies legt zumindest ein Bericht des amerikanischen Senders CNN nahe.

»Es werden sogar Mutmaßungen laut, nach denen es eine ›Achse des Bösen‹ gebe, die aus Russland, dem Iran und Nordkorea bestünde, aber das ist lächerlich – doch zu solchen Extremen versteigen sich einige westliche Medien«, erklärte der Politologe und Russland-Experte MartinMcCauley gegenüber RT.

»Diese Mentalität des Kalten Krieges wurde im Verlauf der Jahre aufgebaut, weil Präsident Putin das verteidigt, was er als russische Werte betrachtet, die sich von denen unterscheiden, die im Westen, in Westeuropa und Nordamerika akzeptiert werden«, fügte er hinzu.

Da US-Präsident Barack Obama vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen Russland – zusammen mit dem Ebola-Virus und der Terrormiliz Islamischer Staat − zu den »führenden drei globalen Bedrohungen«

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/redaktion/angst-vor-der-roten-gefahr-westliche-medien-schwelgen-im-kalten-krieg.html

 

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