MARTINA RENNER ERKENNT TERROR UNTER FALSCHER FLAGGE – NUR BEIM “NSU” NICHT

Die Politikerin Martina Renner ist Bundestags-Abgeordnete und Sprecherin für antifaschistische Politik in der Linksfraktion. Im Oktober 2014 hielt sie einen Vortrag mit dem Titel “Die Verbindung von NSU und Verfassungsschutz”. Dort stimmte sie in die Vorverurteilungen des Trios Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe ein – diese wären die Haupttäter einer rechtsextremistischen Anschlagsserie gewesen.

Gleichzeitig enthüllt Renner im selben Vortrag, dass der damalige hessische Geheimdienstler Peter Nocken beim Herrhausen-Anschlag versucht hatte, der Roten Armee Fraktion (RAF) die Tat unterzuschieben. Anschließend machte Nocken ausgerechnet beim Thüringer Geheimdienst Karriere, im Dunstkreis der (angeblichen) NSU-Terroristen, – trotz eines bei Nocken festgestellten, bis heute geheimen, “schwerwiegenden Sicherheitsrisikos”.

Der Historiker Daniele Ganser untersuchte und publizierte die Hintergründe des staatlichen Terrors unter falscher Flagge in Europa. Diese lange abgeleugneten staatsterroristischen Aktionen unter Führung der NATO sind heute unter dem Begriff  ”Gladio” (römisches Kurzschwert) bekannt.

Nach Gansers Erkenntnissen verüben Geheimdienste auch in Westeuropa Terroranschläge und hängen sie anschließend Dritten  an. Auch beim sogenannten “NSU”-Terror gibt es viele Hinweise auf derartige Zusammenhänge: Es besteht der Verdacht, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ermordet und die gefundenen “Beweise” im Todes-Wohnmobil und angeblichen Wohnhaus  von den Behörden manipuliert wurden. Möglicherweise mit dem Zweck, das “Trio” als Sündenböcke der Öffentlichkeit zu präsentieren und dadurch anderweitig laufende, potenziell kompromittierende Ermittlungen zu beenden.

Auch den Linken ist Terror unter falscher Flagge durchaus bekannt: Renner schnitt in ihrem NSU-Vortrag sogar das Bombenattentat auf Alfred Herrhausen an. Bis heute ist ungeklärt, wer den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank 1989 in seinem Auto in die Luft sprengte. Der Mord sollte der Roten Armee Fraktion (RAF) in die Schuhe geschoben werden – das misslang dank mutiger investigativer Recherche von Journalisten.

Friedensblick berichtete: “Der vertuschte Mord an Alfred Herrhausen.”

Eine Hauptrolle bei dem Skandal spielte seinerzeit wie oben erwähnt der hessische Geheimdienstler und Informanten-Führer Peter Nocken. Martina Renner: 

Quelle: youtube

“Er heißt Herr Nocken. Er hatte die Wiesbadener Staatsanwaltschaft auf dem Hals gehabt und das BKA. Das BKA hatte seine Büroräume im Landesamt geratzt. (…) Warum haben die das gemacht? (…) Er hat einen ehemaligen V-Mann [Herr Nonne] gedungen, genötigt eine Falschaussage zu machen. (…) Herrhausen-Mord. Ein Mord, der der RAF zugeschrieben wird.

Es gab eine lange Phase in der die Ermittlungen fruchtlos verliefen, die Medien machten Druck, “Bringt uns endlich mal ein paar Täter”. Die Polizei hatte nicht wirklich eine Idee, aber Herr Nocken hatte dann aber eine Idee. Er erinnerte sich, dass man im Zusammenhang mit der Startbahn-Geschichte einen Spitzel hatte, der zwar mittlerweile abgeschaltet war, aber den hat man reaktiviert. Bei dem Spitzel wusste man zudem, dass er suizidgefährdet ist. Dem Spitzel ist man dann sozusagen nahegetreten, er hat das mit zwei anderen Kollegen zusammengemacht. Er hat gesagt:

“Viel Geld und Du sagst aus die RAF hat bei Dir übernachtet und in Deinem Keller den Sprengstoff gehabt.”

Dann hat der gesagt: “Njet, mache ich nicht.”

Dann hat man gesagt: “Okay machen wir eine andere Variante: Du kannst auch vom Hochhaus fallen.”

Er war suizidgefährdet, dann war er weich. Man hat ihn zum BKA begleitet, er hat die Aussage gemacht. Er hat Personen belastet. Es hat sich dann erwiesen durch die Spurensuche in seinem Haus, durch Zeugeneinvernahmen von Nachbarn und Angehörigen von ihm, dass das alles hinten und vorne nicht stimmen kann.”

Martina Renner zeigte im Vortrag ein Foto von Herrn Nocken, als Zeuge beim Thüringer Untersuchungsausschuss:

nocken-nordmann-nonne-alfred-herrhausen

Quelle: youtube

Martina Renner:

“Nordmann ist der Tarnname des Herrn Nocken im LfV Hessen gewesen. Siegfried Nonne kannte seinen V-Mann-Führer immer nur unter dem Namen “Nordmann”. Erst durch die Arbeit des thüringer U-Ausschusses konnten wir nachweisen, dass Herr Nocken Herr Nordmann ist und Herrn Nonne auf dem Gewissen hat.”

Wie Herr Nocken 1993 nach Thüringen kam

“Er [Nonne] hat dann seine Aussage widerrufen und Herr Nocken hatte eine Anzeige am Hals, weil er hat jemanden genötigt zu einer Falschaussage. Er hat Geheimnisverrat begangen. Es gab mehrere Strafvorwürfe.

Und im laufendem Ermittlungsverfahren wird er Abteilungsleiter Beschaffung in Thüringen. Ja. Also an einer der entscheidenden Stellen im neu geschaffenen LfV [Landesamt für Verfassungsschutz] Thüringen, wird er trotz dieses laufenden Ermittungsverfahren in eine verantwortliche Position gehievt.

Mit ihm kommt eine ganze Kohorte, die ihn begleiten, quasi ein ganzer Tross aus Hessen, die hatten auch alle Dreck am Stecken. Also vorn mitgemacht bei den Machenschaften von Nocken in Hessen (…) Und das muss man auch wissen, wenn man das erklären will, was passiert ist.”

Nocken war von 1993 bis 2001 beim Thüringer Inlands-Geheimdienst, dem sogenannten “Verfassungsschutz”, unter anderem mit der Anwerbung von Informanten betraut gewesen. Auf Fragen nach der Geheimoperation “Rennsteig” antwortete er dem U-Ausschuss häufig mit Verweisen auf sein fehlendes Erinnerungsvermögen.

Auszüge aus dem Abschlussbericht des thüringer U-Ausschusses

“Der Zeuge Peter Nocken trug vor, als die „Operation Rennsteig“ im Sommer 2012 zur Sprache gekommen sei, habe er sich gar nicht gleich daran erinnern können. Erst als bekannt wurde, dass es sich um eine kombinierte Aktion des BfV, des MAD und der  Verfassungsschutzämter in Thüringen und Bayern gehandelt habe, seien ihm diese Vorgänge wieder eingefallen.”“Auf Vorhalt, dass Herr Wießner im Zusammenhang mit der „Operation Rennsteig“ von einem Treffen in München berichtet habe, antwortete der Zeuge Peter Nocken, er habe hieran keine Erinnerungen und könne auch ausschließen, deswegen beim BND gewesen zu sein. Auch weitere gemeinsame operative Einsätze zusammen mit dem BfV außer der „Operation Rennsteig“ während seiner Zeit seien ihm nicht erinnerlich.”

“Gefragt nach Gewährspersonen oder Informanten unterhalb der Schwelle der V-Leute, berichtete der Zeuge Peter Nocken, dass es bestimmt den Einen oder Anderen gegeben habe, der Informationen geliefert habe, ohne als Quelle verpflichtet zu sein. Mehr als zwei, drei oder vier seien das aber auf keinen Fall gewesen, an Namen könne er sich nicht erinnern.”

Wie eine Person wie Nocken in eine solche Position ausgerechnet nach Thüringen kommen konnte. Der ehemalige Spitzenbeamte, Ministrialrat a.D., Jürgen Schaper, antwortete, völlig unglaubwürdig:  Sie hätten …

“… ein Gartenfest oder Ähnliches gefeiert und dort habe Herr Nocken „auf alle von der Person her einen sehr netten Eindruck“ gemacht. Herr Nocken sei ein „gestandener Mann“ im Verfassungsschutz im Hessischen Innenministerium gewesen. (…) Das besagte Ermittlungsverfahren im Fall „Nonne“ sei ihm völlig unbekannt gewesen, sei ihm jetzt völlig neu.”“

“Auf Nachfrage zu Herrn Nocken hatte der Zeuge MinR a.D. Jürgen Schaper zunächst geantwortet, er denke nicht, dass er Herrn Nocken empfohlen habe, denn er habe diesen vorher gar nicht gekannt. Er wisse nur, dass er froh gewesen sei, als Herr Nocken kam. Als RD aus dem HessLfV sei dieser qualifiziert gewesen und sei später stellvertretender Leiter des TLfV geworden.Auf Vorhalt des o. g. „Personalkonzeptes“ gestand der Zeuge MinR a.D. Jürgen Schaper ein, Herr Nocken sei ihm aus Hessen im Rahmen einer Fachtagung zugetragen worden. Daraufhin habe er sich über diesen erkundigt. Als Herr Nocken dann zur Zeit, als der damalige Innenminister durch Herrn Schuster ersetzt worden sei, nach Thüringen gekommen sei, so der Zeuge, hätten sie ein Gartenfest oder Ähnliches gefeiert und dort habe Herr Nocken „auf alle von der Person her einen sehr netten Eindruck“

gemacht.

Herr Nocken sei ein „gestandener Mann“ im Verfassungsschutz im Hessischen Innenministerium gewesen. Der sei dann eine Zeit lang mitgelaufen und er – der Zeuge – habe den Eindruck gehabt, der könne das bewältigen. Ihm sei es darauf angekommen, gestandene Leute zu haben. Das besagte Ermittlungsverfahren im Fall „Nonne“ sei ihm völlig unbekannt gewesen, sei ihm jetzt völlig neu.”

Nocken war später sogar Vizepräsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz (TLfV). Laut seiner unsicheren Erinnerung im U-Ausschuss wurde er das entweder “1997 oder 1998″. In jener Zeit gab es sowohl in der Thüringer Polizei wie auch bei der Staatsanwaltschaft die Vermutung, dass der Geheimdienst seine Informanten vor Strafverfolgung schützt und am spurlosen Verschwinden des künftigen “NSU-Trios” im Februar 1998 unterstützend beteiligt war.

“Nach Angaben von Schultz schickte die Staatsanwaltschaft schließlich einen Brief mit 22 detaillierten Fragen an die LfV-Spitze. Unter anderem habe man wissen wollen, ob der Geheimdienst über Erkenntnisse zum Aufenthaltsort des Trios verfüge oder ob jemand aus dessen Reihen für das LfV arbeite. In der Folge sei ein Vertreter dieser Behörde, nach der Erinnerung des Zeugen möglicherweise der damals amtierende Vizechef Peter Jörg Nocken, in Gera erschienen und habe alle Fragen knapp mit Nein beantwortet. Schultz: „So etwas habe ich nie mehr erlebt.“ (bundestag)

Der Thüringer Untersuchungsausschuss stieß auf ein bis heute gut gehütetes Staatsgeheimnis: Es gab ein “Sicherheitsrisiko” bei Peter Nocken. Der damalige Chef des Verfassungsschutzes Harm Winkler äußerte 1993 im Zuge des Einstellungsverfahrens “Nocken” massive Sicherheitsbedenken: Zum einen gab es die Ermittlungen gegen Nocken im Zuge des Herrhausens-Anschlages. Zum zweiten bestand ein weiteres “schwerwiegendes Sicherheitsrisiko”“das an sich geheim gehalten werden müsse”, er könne es dem U-Ausschuss nicht “preisgeben”.

“(…) sodass entgegen seinen Warnungen Personen in das Amt versetzt wurden, die „verfassungsschutzfremd“ gewesen seien oder gegen die „erhebliche Sicherheitsbedenken“ bestanden hätten. Bei einer dieser Personen habe es sich um Herrn Nocken gehandelt, gegen den zum damaligen Zeitpunkt ein Ermittlungsverfahren der BAnw gelaufen sei. Die im Bericht bezeichneten Anschuldigungen seien ihm bekannt gewesen.
Nachdem er inoffiziell erfahren habe, dass Herr Nocken in das TLfV versetzt werden sollte, ohne dass dies mit ihm besprochen worden sei, habe er den StS Dr. Lippert und den Minister gewarnt und darauf hingewiesen, dass in dessen Person zwei Sicherheitsrisiken vorlägen.
Das eine sei das besagte Ermittlungsverfahren der BAnw gewesen. Das zweite Sicherheitsrisiko wolle er nicht preisgeben, weil das an sich geheim gehalten werden müsse. Es habe sich hierbei jedoch um ein „schwerwiegendes Sicherheitsrisiko“ gehandelt. Er habe dem Minister und dem StS angeboten, sie mündlich zu informieren. Jedoch habe der StS Dr. Lippert ohne irgendeine Reaktion oder Mitteilung an den Zeugen den Herrn Nocken in das TLfV versetzt, dessen Einstellung im Übrigen nicht im Personalkonzept des Zeugen vorgesehen gewesen sei. In Thüringen habe Herr Nocken dieselbe Funktion wahrgenommen wie in Hessen und sei als V-Mann-Führer eingesetzt worden. (…) Zu seiner Zeit habe er keine Hinweise erhalten, dass dieses Verfahren gegen Herrn Nocken abgeschlossen gewesen sei. Das habe er erst später erfahren.”

Der damalige Verfassungsschutzchef Winkler wurde daraufhin 1993 abgelöst und mit einer weiteren umstrittenen Personalie ersetzt: Helmut Roewer!

Die Linke muss sich fragen lassen, ob sie das Spiel der Geheimdienste mitspielt, wenn sie weiter das “Trio” als die Haupttäter der so genannten NSU-Taten propagiert. Es wäre längst an der Zeit, dass die Umstände der sogenannten “Selbstenttarnung des NSU” aufgeklärt werden, unter Mitwirkung der Linken und nicht gegen ihren Widerstand.

http://friedensblick.de/13499/martina-renner-kennt-terror-unter-falscher-flagge-aber-nicht-bei-nsu/

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