Willkommen auf dem Planeten der Notenbank-Zombies

Markus Gärtner

Die fest eingefrorenen Minizinsen der Notenbanken sind die gefährlichste Massenvernichtungswaffe, die die Finanzwelt bislang hervorgebracht hat. Anstatt sie zu beseitigen, wird ihr Arsenal derzeit rasant ausgebaut, was die nächste Finanzkrise noch viel schrecklicher machen wird.

Minizinsen enteignen Familien, weil die Inflation ihre Sparbücher, Geldmarkt-Fonds und Kontoeinlagen schleichend, aber effektiv aufzehrt. Die verlorene Kaufkraft bremst die Konjunktur aus, weil die Einkaufstüten leer bleiben. An den Aktien- und Anleihemärkten werden derweil mit billig geliehenem Geld die Kurse in astronomische Höhen gehievt.

Minizinsen senden zudem an die hoch verschuldeten Regierungen in Nordamerika, Europa und Asien das falsche Signal. Weil Kredite billig wie nie sind, wird die Verschuldung ungebremst nach oben geschraubt. In Italien wächst die Staatsverschuldung gemessen an der gesamtwirtschaftlichen Leistung um fünf Prozentpunkte pro Jahr.

Der Gesamtwert wird im kommenden Jahr astronomische 145 Prozent erreichen. Das ist irgendwo bei dem unsichtbaren Punkt, wo eine Rückzahlung aussichtslos wird und die Kapitalmärkte Anleihen des Landes fallen lassen wie heiße Kartoffeln. Dann schießen die Zinsen in die Höhe und das ganze Kartenhaus bricht ein.

Die EZB und die übrigen Notenbanken wollen es so weit nicht kommen lassen. Also werden faule Schuldpapiere aufgekauft, was das Zeug hält. Die Keller, in denen dieser finanzielle Sondermülllagert, gleichen Vulkanen, die sich aufblähen, bis sie auseinanderfliegen und alles um sich herum zerstören.

Hier endet aber nicht der Schaden, den ultrabilliges Geld auf Dauer anrichtet. Hinzu kommt: Firmen, die Kapital in fragwürdige Investitionen versenken wollen und dafür keine Kredite von den Banken bekommen – selbst für gute Investitionen werden ja kaum Kredite genehmigt – geben einfach Schrott-Anleihen aus und holen sich bei ahnungslosen Sparern und Anlegern noch mehr Geld, das verloren ist, sobald die Zinsen ansteigen.

Dieses verheerende Karussell von Schulden und noch mehr Schulden lässt sich nur aufrecht erhalten, wenn Geld praktisch für nichts zu haben ist. Deswegen müssen die Notenbanken irgendwann die biblische Geldflut, die sie seit der Finanzkrise angefacht haben, wieder reduzieren und stoppen – zumindest solange es noch geht. Doch diesen Punkt haben wir überschritten – niemand kann mehr einen Deckel auf den brodelnden Super-Vulkan setzen.

Also müssen die Notenbanken verzweifelt weiter kurbeln, anschieben und bei Billigzinsen Geldvermehren. Das ist fast rund um den Globus sichtbar.

Während alle Welt rätselt, wann im kommenden Jahr die US-Notenbank die Zinsen erstmals wieder anheben will, passiert fast überall auf der Welt das genaue Gegenteil. Die Europäische Zentralbank hat vor einer Woche die Geldschleusen weiter geöffnet. Die People´s Bank in China schiebt jetzt wegen der sinkenden Wachstumsrate in der Volksrepublik auch wieder stärker mit Geld die Konjunktur an. In Japan denkt die Notenbank laut über eine Ausweitung ihrer exzessiven Geldpolitik nach. Schon seit Anfang 2013 ist sie dabei, die Geldmenge zu verdoppeln. Aber weder die gewünschte Inflation noch das erhoffte Wachstum stellen sich ein.

Das Ausbleiben einer höheren Teuerungsrate, die die bestehenden Schulden weg-inflationieren würde, stellt für die Notenbanken von Europa über Japan bis hin in die USA eine Bankrotterklärung dar. Denn auch die Euro-Zone schmust mit der Deflation. Und in den USA kamen die Fabrikpreise für Industriewaren im August zum Stillstand. Sie steigen nicht mehr. Die Firmen können für ihre Produkte keine höheren Preise durchsetzen, weil die Konsumenten zu wenig kaufen und wieder im großen Stil auf Pump leben.

Das heißt, dass die Massenvernichtungswaffe namens Minizins eine brisante Lebensverlängerung bekommt. Die Folge: Es werden noch mehr Ersparnisse vernichtet. Es werden noch mehr Staatsschulden gemacht. Und es werden noch mehr faule Anleihen von den Notenbanken in Frankfurt, Washington und Tokio aufgekauft.

Überall erschafft die Politik des ultrabilligen Geldes Zombies, die wir nie mehr loswerden und die irgendwann aus den Kellern kommen und uns in Form der nächsten Finanzkrise mit Haut und Haaren auffressen werden.

In den USA wird laut dem Congressional Budget Office die Zinsbelastung für den Staatshaushalt so stark zunehmen, dass Anfang des kommenden Jahrzehnts die Zinsen auf Amerikas öffentliche Schulden 48 Mal so viel Ausgaben verursachen werden wie der aktuelle Etat der NASA, und 22 Mal so viel wie das Geld, das jährlich für den Erhalt der Schnellstraßen ausgegeben wird.

Das ist der Grund, warum die Notenbanken ihre Minizins-Politik nicht mehr beenden können – bis das ganze Kartenhaus am Ende trotzdem einstürzt und der Reset-Knopf gedrückt werden kann.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/markus-gaertner/willkommen-auf-dem-planeten-der-notenbank-zombies.html

 

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