Tageskommentar von Michael Winkler

19. August 2014

Schon wieder ein russischer Militärkonvoi in der Ukraine? Ich muß sagen, so langsam glaube ich das. Also wenigstens im Prinzip. Die „russischen“ Fahrzeuge, die da gesichtet werden, stammen aus Sowjetzeiten, es ist also nichts Neuwertiges, was da herumfährt. Diese Konvois haben es geschafft, ihre blau-gelben Flaggen zu verlieren, das kommt schon mal vor, wenn man wie die Kiewer Putschisten unerfahrene Menschen in den Dienst preßt. Dummerweise besteht auch die Führung der Putschistentruppen aus unerfahrenen Leuten, die keine Ahnung haben, was an der „Front“ so vor sich geht. Die gut ausgebildeten, ehrenhaften Leute sind gleich zu Anfang zu den Freiheitskämpfern übergelaufen. Wenn nun ein Konvoi ohne blau-gelbe Flaggen völlig überraschend auftaucht, weil weder die Führung noch der Kommandeur eine Ahnung haben, wo sie sich gerade befinden, dann eröffnen die Ukrainer das Feuer, natürlich auf die eigenen Leute. Dabei werden Fahrzeuge zerstört, ganz im Sinne des führenden Jazenjuden.

Daß sich miserabel geführte ukrainische in die Armee gepreßte Rekruten gegenseitig abschlachten, könnte jederzeit aufhören. Binnen Stunden! Allerdings kann das nicht Putin bestimmen, sondern Obama. Der oberste Kriegsherr in Washington hat das alles begonnen, hat die friedliche Ukraine ins Chaos gestürzt und zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen. Ein kurzes „Sitz!“ aus Amerika, und alle Jazenjuden würden aufhören, ihre Leute auf das eigene Volk schießen zu lassen. Wladimir Putin hat den gewählten Präsidenten Janukowitsch nicht stürzen lassen. Die Russen haben die „Proteste“ auf dem Maidan weder organisiert noch finanziert, das waren die Amerigauner. Rußland hat den Waffenproduzenten Poroschenko nicht an die Macht gebracht, Moskau hat den Putschisten nicht befohlen, auf die eigenen Leute zu schießen. Das Übel der Welt geht von Washington aus.

Vor 25 Jahren war die Welt noch in Ordnung. Washington war der Hort der Freiheit gewesen, aus Hamburg kam nicht nur die Tagesschau, sondern auch ein renommiertes Nachrichtenmagazin, das der Regierung einen störenden Spiegel vorgehalten hat. Die „Stimme der DDR“ hat Propagandalügen verbreitet, und die „Sowjetunion heute“ hat ein Land jenseits der Wirklichkeit beschrieben. Und heute? Da ist Washington eine Gefahr für den Weltfrieden, aus Hamburg kommen die Neuauflage der „Aktuellen Kamera“ und ein Propaganda-Hetzblatt, das die Welt in einem Zerrspiegel darstellt und ansonsten der Kanzlerin huldigt. Diese stammt samt Bundespräsidenten aus dem Osten und ist eine Gefahr für Einigkeit und Recht und Freiheit. Verläßliche Nachrichten findet man am ehesten bei der „Stimme Rußlands“. Das deutsche Bezahlfernsehen, ARD und ZDF, „beschönigt“ jede Umfrage, es herrscht so viel Lug und Betrug auf allen Ebenen der Politik, daß man sich nicht mehr fragt, ob bei den Wahlergebnissen nachgebessert wird, sondern nur noch, ab wann das passiert.

http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html

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Ein Whistleblower spricht zum NSU-Fal

Redaktion  (Kopp-online)

Nach über einem Jahr steckt der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München in der Sackgasse. Warum will die Mainstreampresse die eklatanten Widersprüche in der offiziellen Erzählung nicht behandeln?

Sackgasse nach 130 Verhandlungstagen

Seit nun mehr über 130 Verhandlungstagen (seit 06.05.2013) läuft am Oberlandesgericht München der Prozess gegen die im November 2011 bekannt gewordene rechtsextreme Organisation »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) wegen Mordes an neun Kleinunternehmern, dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter, zwei Bombenattentaten in Köln und 14 Banküberfällen.

Dieser Organisation gehörten angeblich nur drei Hauptpersonen an: Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Von diesem Trio lebt heute nur noch Beate Zschäpe, welche vor dem Münchner Gericht von Anfang an schweigt.

Im Vorfeld des Prozesses gab es gravierende Ungereimtheiten, die darauf hindeuteten, dass das Landesamt für Verfassungsschutz in den Fall involviert war. Insbesondere wurden vom Verfassungsschutz offenbar nach Bekanntwerden des Falles größere Mengen Akten vernichtet.

Am 26.01.2012 wurde ein Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages eingerichtet, der von Sebastian Edathy geleitet wurde. Im weiteren Verlauf kam es zum Rücktritt des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm. Weitere Rücktritte ranghoher Verfassungsschützer folgten. So traten auch der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen, Reinhard Boos, am 11.07.2012 und der Chef des Landesverfassungsschutzes von Sachsen-Anhalt, Volker Limburg, am 13.09.2012 zurück.

Von Anfang an unglaubwürdig

Der NSU-Fall war von Anfang an nicht glaubwürdig, nicht nur wegen der Verstrickungen staatlicher Organisationen/Geheimdienste, sondern auch wegen der Hinweise, die die »BAO Bosporus« ermittelt hatte, die die Alternative zur jetzigen Version darstellen und ins Mafia-Milieu verweisen. Die BAO Bosporus war die bis zu 160 Personen starke SOKO, die die Morde an den acht Türkischstämmigen zwischen 2005 und 2008 untersuchte. 

Nach dem Auftauchen des NSU und dem damit angeblich rechtsterroristischen Hintergrund der Taten übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen in der Mordserie. Das Verbindende der Fälle ist im Wesentlichen ein obskures »Paulchen Panther«-Video und die angebliche Tatwaffe, eine Ceska CZ83 mit Schalldämpfer, die allerdings bei genauer Betrachtung auch nicht sonderlich überzeugt, wie wir noch sehen werden.

Dubios, wie der NSU-Fall ist, wird er sehr detailliert in Internet-Foren und im Kommentarbereich der Mainstreampresse diskutiert – die Skepsis überwiegt dabei bei Weitem. Der Prozess selbst ist seit Kurzem ebenfalls in schwieriges Fahrwasser geraten, vor allem weil die Angeklagte Beate Zschäpe letztlich ihren drei Verteidigern offiziell das Misstrauen ausgesprochen hat.

In diesem Umfeld gibt es nun seit etwa zwei Monaten einen Whistleblower namens »fatalist«, der auf seinem Blog Wer nicht fragt, bleibt dumm NSU-BKA-Akten sowohl leakt als auch analysiert und die Widersprüchlichkeiten herausarbeitet.

Kopp Online hat »fatalist« kontaktiert und ihm einige Fragen gestellt. Die Identität von »fatalist« ist unbekannt. Glaubwürdigkeit erlangt er ausschließlich durch die Vielzahl der Dokumente, die er ins Netz stellt. Die Links auf seinen Blog mit den Dokumenten sind mit Fußnoten angemerkt, welche auf das Ende dieses Artikels verweisen.

Interview mit »fatalist«

Kopp Online: Was können Sie uns über sich verraten? Wo leben Sie? Was machen Sie beruflich?

»fatalist«: Ich bin 48 Jahre alt und Bauingenieur von Beruf. Ich bin als Betriebsleiter einer Baufirma-Niederlassung tätig gewesen, habe vier Kinder und lebe in Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Manchmal baue ich Solarinselanlagen, bin ansonsten Privatier

Kopp Online: Wie entstand Ihr Blog Wer nicht fragt, bleibt dumm, und was können Sie uns über die Herkunft der von Ihnen dort geleakten Dokumente sagen?

»fatalist«: Der Blog ist eine Zusammenfassung von rund 12 000 von mir seit November 2011 in einem bekannten Internet-Politik-Forum geschriebenen Beiträgen zum Thema NSU. Am 29.05.2014 richtete ich den Blog ein, da ich mit der selektiven Art der Übernahme durch Dritte im Forum unzufrieden war.

Die BKA-Dokumente wurden mir erst später zugespielt, Ende Juni. Das ging hoch konspirativ zu, keine Mails, keine Telefonate, nur geheime Treffen. Man sprach mich an, man habe was für mich. Es gab keine Bedingungen, was ich wie und wann veröffentliche.

Kopp Online: Was wollen die Lieferanten der Dokumente erreichen? Vertrauen Sie ihnen?

»fatalist«: Ja, die wollen den Sumpf austrocknen. Es sind derart viele Akten, mit Unterschriften etc., die kann niemand fälschen, der Umfang ist zu riesig, 100 000 Seiten oder noch mehr.

Kopp Online: Wenn Sie sagen, dass Sie 12 000 Forenbeiträge noch vor dem Start des eigenen Blogs zum Thema NSU erstellt haben, kann man erstmal davon ausgehen, dass Sie NSU-Experte sind und eine gewaltige Menge an Zeit und Arbeit investiert haben. Wie viel Zeit hat es gekostet und was hat Sie dazu motiviert?

»fatalist«: Die Arbeit wurde von Ende 2011 bis Mai 2014 von mir verrichtet. Die meisten Blog-Einträge von Mai 2014 bis Ende Juni wurden aus den 12 000 Forenbeiträgen übernommen, was leicht von der Hand ging.

Schwieriger war das Durcharbeiten der ersten mir zugespielten Dokumente, gut sechs Gigabyte als gezippte Datei. Beim Lesen musste ich vieles über Bord werfen, was ich zu wissen glaubte. Das betrifft inhaltlich sowohl die neun Morde als auch die Bombe in Köln. Ich musste beim Durcharbeiten meine Meinung ständig revidieren und meine eigenen Thesen ständig hinterfragen. Das war nötig, da die Sachverhalte in den Akten nicht nur den Medienberichten, sondern auch den Abschlussberichten – z.B. dem 1400 Seiten langen Bericht des Bundestags-NSU-Ausschusses – deutlich widersprachen. Eine erstaunliche Tatsache! 

Motiviert hat mich die Notwendigkeit, der staatlichen »Verschwörungstheorie« der BRD etwas entgegenzusetzen und den Linken nicht das Feld kampflos zu überlassen. Ich hätte nicht erwartet, dass die Konservativen in diesem Punkt total versagen.

Kopp Online: Mittlerweile soll Ihre Familie in Deutschland Besuch von den Behörden bekommen haben. Was sagt sie zu Ihren Ambitionen?

»fatalist«: Die Solidarität innerhalb meiner Familie ist mir gewiss und stand nie zur Debatte. Wohl dem, der solch eine Familie hat. Die Familie ist mein größter Rückhalt – Danke und Gruß!

Kopp Online: Die NSU-Geschichte hat einige logische Brüche. Was sind aus Ihrer Sicht die gravierendsten?

»fatalist«: Die Ceska aus Zwickau hat das falsche Beschussjahr (Anm. d. Red.: Das ist ein Stempel mit der Jahreszahl der ersten Probeschüsse auf der Waffe), 1993 statt 1989, wie die anderen aus der Schweiz-Serie. Aber sie ist »Made in Czechoslovakia«, ein Staat, der seit 01.01.1993 gar nicht mehr existierte; die ganze Geschichte der Schweizer Ceska als Mordwaffe kann nicht stimmen.

Es gibt außerdem einen Widerspruch bei einem Tattoo von Uwe Böhnhardt. Während in zwei (!) früheren Polizei-Zeugenaussagen und in den Akten des LKA Erfurt von einem Tattoo an der linken Wade berichtet wurde, hatte die Leiche dort keines.

Aus den BKA-Waffengutachten geht hervor, dass die aufgefundenen Projektile (Hülsen gab es kaum, nur zwei aus den letzten sieben Morden) gar nicht an jedem Tatort einem Waffentyp zugeordnet werden konnten. Somit gibt es keinen Beweis, dass eine Ceska 83 bei allen neun Morden die Tatwaffe war. Und schon gar nicht immer dieselbe Ceska 83, die man im Zwickauer Schutt gefunden haben will, die am 10.11.2011 oder 11.11.2011 zum BKA kam (zwei Varianten existieren) und die dann am 11.11.2011 ohne jede Prüfung zur »Dönermordwaffe« erklärt wurde.

Weiterhin sind die »Benzinsocken« von Beate Zschäpe kein Beweis für die Brandstiftung, die man ihr zur Last legt. Diese mit Benzin belasteten Socken werden als einer der B

n Brand steckte. Stattdessen steht in den Akten: »Kohlenwasserstoffe können nicht ausgeschlossen werden.«Das ist kein Beweis, das ist gar nichts! Es wurde aber überall gegenteilig dargestellt.

Dazwischen finden sich skurrile Geschichten, wie die Mietminderung durch Uwe Böhnhardt, der, obwohl im Untergrund befindlich und angeblich durch Banküberfälle im Besitz von bündelweise Geld, die Miete wegen Geruchsbelästigung eigenmächtig Anfang 2011 um 136,90 Euro mindert.

Kopp Online: Die Ceska ist also ein äußerst zweifelhafter Beweis. Taucht sie denn wenigstens im so genannten »Paulchen Panther«-Video auf?

»fatalist«: Genau das ist der Punkt! Die Ceska taucht im gesamten »Paulchen Panther«-Video eben nicht auf. Es werden auch nur drei Morde im Video behandelt, wobei es zudem inhaltliche Fehler gibt,z.B. ein falsches Morddatum oder ein falscher Mordort.

Kopp Online: Wenn beide Hauptbeweise, die die NSU-Geschichte zusammenhalten, nämlich die Ceska und das »Paulchen Panther«, suspekt sind: Was hält die Geschichte dann noch zusammen?

»fatalist«: Zusammengehalten wird der Fall durch das Medienkartell, welches Widersprüche und Unmöglichkeiten seit 2011 niemals thematisiert hat. Der NSU ist Teil der Staatsräson der BRD.

Kopp Online: Was vermuten Sie denn als Grund dafür, dass Beate Zschäpe vor einigen Wochen ihren drei Anwälten das Misstrauen ausgesprochen hat?

»fatalist«: Die Anwälte haben im Prinzip alle Anklagepunkte der Bundesanwaltschaft durchgewunken. Sie haben die offen daliegenden Schwachpunkte der Anklage gar nicht moniert bzw. die eklatant unlogischen Widersprüche nicht aufgegriffen.

Beate Zschäpe meinte wohl, dass sie auf lebenslänglich zusteuert, und das dürfte der Grund sein, warum sie den Deal als gefährdet ansieht, den sie zu haben glaubte: Verurteilung nur wegen Brandstiftung, aber nicht wegen Mittäterschaft an zehn Morden. Zschäpe hat gesehen, dass der Antrag von Ralf Wohlleben, dem mutmaßlichen Unterstützer des NSU, auf Entlassung aus der U-Haft abgelehnt wurde, obwohl man im Kern gegen Wohlleben nichts Substanzielles in der Hand hat.

Beate Zschäpe hat schlicht Panik, lebenslänglich zu bekommen wie Verena Becker 1977 – siehe Buback-Prozess.

Kopp Online: Wie erklären Sie es sich, dass um andere Whistleblower wie Edward Snowden ein riesiges Medientheater gemacht wird, aber über Sie gar nichts berichtet wird?

»fatalist«: Alles, was weit weg ist und die Machenschaften unserer Exekutive nicht betrifft, kann gefahrlos verbreitet werden, und es eignet sich auch gut zur Ablenkung von »unseren Schweinereien«. Je weiter weg, desto besser, desto gefahrloser für unsere »Eliten« in Regierungen und Polizeibehörden.

Erstaunlich für mich ist dabei, dass die »alternativen Aufklärer« diese Spielchen ebenso mitspielen, und jedes Detail bei 9/11 oder beim Boston-Marathon endlos gehypt wird, während zu staatlich inszeniertem Terror bei uns daheim absolute Ebbe herrscht. Das deutet sehr auf eine gewisse Aufgabe dieser Plattformen hin, die »Truther und Skeptiker« mit gefahrlosen Themen, die weit weg sind, einzufangen und zu beschäftigen. Den Staatsterror in den USA müssen die US-Bürger aufklären, das ist nicht meine Baustelle. Wir Deutschen sollten uns um Kriminalität unserer Behörden und Regierungen (Länder und Bund) kümmern, das geht uns an – uns als Bürger.

Kopp Online: Danke, dass Sie uns für ein Gespräch zur Verfügung gestanden haben.

 
 

Der Wahrheitssucher: Zum Tode von Peter Scholl-Latour

Udo Ulfkotte

Fast ein Vierteljahrhundert habe ich Peter Scholl-Latour gekannt. Wenn mich einer in meinem Journalistenleben tief geprägt hat, dann war er es. Ich verdanke ihm unendlich viel. Vor allem den Mut, gegen den Mainstream und die gleichgeschaltete Propaganda anzuschwimmen.

Ich werde unsere erste Begegnung nie vergessen: Vor 24 Jahren hatte Saddam Hussein Kuwait überfallen. Ich saß in den Monaten danach in der jordanischen Hauptstadt Amman im Interconti-Hotel und berichtete von dort für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Als »Informationen« hatte ich nur Geschichten, die mir Flüchtlinge berichtet hatten. Weil ich kein Visum für den Irak bekam, musste ich immer wieder mal an der jordanisch-irakischen Grenze auf Flüchtlinge warten.

Man konnte das glauben, was die Flüchtlinge berichteten. Oder auch nicht. Einer meiner täglichen Wege führte mich damals in der jordanischen Hauptstadt zum ARD-Korrespondenten Marcel Pott, der dort ein Hörfunkstudio hatte und fast jede Minute ausgebucht war. Wir beide tauschten die wenigen »Informationen«, welche wir aus dem Irak bekamen, aus. Gelegentlich gingen Marcel Pott und ich abends zum Italiener in Amman. Und eines Abends kam überraschend Peter Scholl-Latour herein und setzte sich zu uns an den Tisch.

Der Mann war schon damals eine lebende Legende. Er war Mitte 60 und eigentlich im Rentenalter. Normalerweise führt man in der Situation, in welcher wir waren, ein Gespräch. Aber diese lebende Legende, der ich da zum ersten Mal begegnete, erklärte uns ununterbrochen die Welt. Wir haben keine Fragen gestellt. Wir haben nur zugehört. Und die Zeit verging wie im Flug. Scholl-Latour, der 1924 als Sohn eines deutschstämmigen Arztes und einer Elsässer Mutter geboren wurde, sich 1944 freiwillig zur französischen Armee meldete, 1945 in Gestapo-Haft kam und 1946 mit französischen Fallschirmjägern in Indochina war, hatte ein Gedächtnis, wie ich es nie wieder bei einem Menschen erlebt habe. Er hatte – wie ich auch – Politik und Islamkunde studiert – und sprach im Gegensatz zu fast allen anderen deutschen Korrespondenten, die später im Nahen Osten eingesetzt waren, die Landessprache, kannte die Sitten und vor allem die Geschichte der Länder.

Von dem Abend in Amman, unserer ersten Begegnung, ist mir ein Satz bis heute in Erinnerung geblieben: »Das erste, was im Krieg auf der Strecke bleibt, ist die Wahrheit.« Ich weiß, dass dieser Satz im Original nicht von Scholl-Latour ist. Aber der Mann, der wahrscheinlich mehr Kriege als jeder andere Journalist mit eigenen Augen erlebt hat, hat ihn mir mit auf den Weg gegeben.

Scholl-Latour, der in seinem Leben Afrika-Korrespondent der ARD war und ARD-Studioleiter in Paris, wurde im Februar 1979 weltberühmt. Damals begleitete er den iranischen Revolutionsführer Ajatollah Chomeini aus dem französischen Exil im Flugzeug zurück nach Teheran. In den Jahren danach wurde er einem immer breiteren Publikum durch Sachbücher bekannt, in denen er den Deutschen mit faszinierendem Fach- und Hintergrundwissen die Welt erklärte.

In den Jahren nach unserem ersten Treffen in Jordanien sind wir uns – vor allem in Kriegsgebieten – immer wieder begegnet. In Afrika und auch im Nahen Osten. Dabei haben wir im Laufe der Jahre, ich sah ihn mehr und mehr als väterlichen Freund, immer mehr Gemeinsamkeiten bei der Sicht der Weltpolitik gesehen. Scholl-Latour war ein Freund Europas, aber wie ich ein extremer Gegner der EU-Osterweiterung. Oft haben wir am Rande von Fernseh-Talkshows, zu denen wir als Diskussionspartner geladen waren, auch über den »Klimawandel« Witze gemacht, den wir beide für eine interessante Erfindung von Politikern hielten, um dem dummen Volk noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Wir beide haben uns bei Gesprächen auch gemeinsam über jene irren Politiker und Medien aufgeregt, welche unbedingt den Irakkrieg wollten und den Einmarsch in Afghanistan. Dass westliche Truppen dort scheitern mussten, war uns vorher klar. Wir beide sahen zudem al-Qaida und islamistischen Terror als Schöpfungen der CIA,der ihre Zöglinge aus dem Ruder liefen. Und wir beide sahen den Aufstieg des Islam als eine wachsende Gefahr auch für Europa. 

Je öfter wir uns trafen, desto mehr Gemeinsamkeiten entdeckten wir. Peter Scholl-Latour hat mehrere meiner Buchmanuskripte vor deren Veröffentlichung gelesen und mir Ratschläge gegeben, einmal schrieb er ein Vorwort für mein Buch Propheten des Terrors.

Wir hatten eine Gemeinsamkeit, die uns verband: Wir schwammen gegen den Mainstream. Bis vor etwa einem Jahrzehnt verachteten viele deutsche Medien Scholl-Latour, weil er nicht wie die anderen deutschen Journalisten reflexartig die sabbernden Propagandathesen und Waschmittelparolen der Leitmedien von sich gab, sondern es wagte, eine eigene Meinung zu haben.

Inzwischen laufen den Leitmedien die Leser weg. Und der früher skeptisch beobachtete Peter Scholl-Latour ist längst Kult geworden. Und er durfte zuletzt in unseren Medien sagen, was kein anderer sagen durfte, etwa im Berliner Tagesspiegel:

eines will ich noch sagen. Wir regen uns zu Recht über die NSA auf. Aber man musste schon sehr naiv sein, um nicht zu wissen, dass diese Überwachung stattfindet. Das größere Problem sind Fabriken der Desinformation, ob sie sich nun in North Carolina, London oder Israel befinden. Die zielen auf deutsche und europäische Medien. Und das klappt. Von der taz bis zur Welt – ein Unisono, was die Ukraine betrifft. Oder Syrien: Als man die Aufständischen als die Guten und die anderen als die Bösen dargestellt hat. Dabei waren weder die einen noch die anderen gut oder böse. Wir leben mit so vielen Lügen. Wenn es heißt, Indien sei die größte Demokratie der Welt. Ja, Scheiße! Das Kastensystem ist schlimmer, als das Apartheidsystem in Südafrika je gewesen ist. Indien ist das grauenhafteste Land der Welt.

Im September 2010 war ich zusammen mit Scholl-Latour bei Maischberger, einer Talkshow mit klaren Worten gegenüber integrationsunwilligen Muslimen, nach der ich Morddrohungen erhielt. Scholl-Latour regte damals nach der Sendung im Gespräch bei mir an, ein Buch über meine Erfahrungen mit Leitmedien zu schreiben. Der Mann, der unsere Mainstreammedien für Ableger der »Fabriken der Desinformation« hielt, wollte, Ende haben.

Er wollte aufgeschrieben wissen, wie korrupt viele Journalisten sind, wie transatlantische Organisationen ihnen die Gehirne waschen, wie Geheimdienste unsere Nachrichten manipulieren und wie die Bürger da draußen für dumm verkauft werden. Ich habe damals – 2010 – mit dem Sachbuch, dessen Inhalt wir besprochen hatten, begonnen. Kurz bevor ich es fertig hatte, bekam ich mehrere Herzinfarkte. Und das Projekt ruhte fast zwei Jahre. In den letzten Monaten habe ich alles aktualisiert und überarbeitet. Peter Scholl-Latour, so hatten wir es besprochen, sollte das Manuskript gegenlesen und vielleicht ein Vorwort für das Buch schreiben.

Das Manuskript ist nun fertig. Und er wird es nicht mehr lesen können. Wir werden es in dieser Woche in den Satz geben und im September 2014 ohne sein Vorwort drucken lassen. Aber ich werde es ihm und seinem Lebenswerk widmen. In tiefer Dankbarkeit!

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Monsantos erste Erben: Gentechnisch verändertes Saatgut hat zu resistenten, mutierten „Superunkräutern“ und „Superschädlingen“ geführt

 

Julie Wilson

Der Biotech-Riese Monsanto verspricht Bauern, wenn sie gentechnisch verändertes (GV) Saatgut kauften, seien ihre Feldfrüchte widerstandsfähig gegen Herbizide, Insektenschutzmittel und Dürren. Inzwischen entlarven Untersuchungen und Feldversuche dies als falsche Versprechungen. Überall auf der Welt werden Pflanzen und Insekten immun gegen starke Herbizide und Pestizide; die Folge ist das Auftauchen von »Superunkräutern« und »Superschädlingen«.

Baumwollkapselwurm, Superschädlinge

© Peggy Greb, USDA

Eines der jüngsten Beispiele zeigt sich in den Baumwollanbaugebieten des südlichen Punjab, wo der Baumwollkapselwurm – ein Schmetterling und gefürchteter Baumwollschädling – wie die Bauern befürchten, resistent gegen Monsantos Bt-Baumwolle geworden ist.

Monsanto liefert momentan drei Produkte an Baumwollfarmer, darunter Bollgard-II (Insektenschutz), Roundup Ready Flex (RRF) (Herbizid-Toleranz) und Bollgard-II mit RoundupReady Flex, das vor Insekten und Unkraut schützen soll.

Bt-Baumwolle bringt in Pakistan Superschädlinge hervor

Trotz des Einsatzes von RRF und Bollgard-II werden Baumwollpflanzen noch immer von verschiedenen Spezies des Baumwollkapselwurms attackiert, welcher die Pflanze während des Wachstums auffrisst, sodass die Entwicklung der Baumwolle beeinträchtigt und die produzierte Menge reduziert wird.

Anstatt dass Bt-Baumwolle den Baumwollkapselwurm ausrottete, sind die Raupen der verschiedenen Arten gegen Bt-Baumwolle resistent geworden – nach Ansicht einiger Experten infolge zu niedrigen Giftgehalts. »Alle Bt-Sorten von Baumwolle haben den Baumwollkapselwurm nicht ausgerottet, sie erfüllen die Erwartungen nicht, Wir haben auf unseren Feldern vier Bezirke, bei denen Baumwollkapselwürmer und Mehlkäfer die Pflanzen angreifen«, erklärt Chaudhry Gohar Ali, ein Baumwoll-Anbauer aus Zentralpakistan.

Die Regierung rät den Bauern dringend, weiterhin Pestizide zu versprühen, um den Befall, der teuer werden und eine Gefahr für Gesundheit und Umwelt bedeuten kann, unter Kontrolle zu bekommen. Pestizide kosten pro Liter 600 bis 700 Rupien, das sind umgerechnet 7,40 bis 8,70 Euro. Ein anderer Baumwollbauer aus Shahdadpur in Sindh, einer Region in Südpakistan, ist ebenfalls um seine 40 Hektar Anbaufläche besorgt.

 »Es überrascht, dass diese Schädlinge überlebt haben, nachdem sie die Bt-Baumwollpflanzen gefressen haben. Wegen der hochdosierten Giftstoffe in der Bt-Baumwollpflanze sollten Schädlinge doch eingehen und keine Resistenz entwickeln, was hier aber offenbar der Fall ist«, sagte Muhammad Bux.

Monsantos Bt-Baumwolle sollte eigentlich für die Bauern den Einsatz von Insektenschutzmitteln verringern, stattdessen ist das Gegenteil eingetreten, sie müssen mehr Chemikalien ausbringen als vorher. »Die Verwendung von Pestiziden hat zugenommen, seit Bt in Pakistan eingeführt wurde, da die Baumwollproduktion zurückging«, berichtete die WebsiteDawn.com. »Die Regierung hat schätzungsweise 985 Millionen Rupien ausgegeben, zusätzlich zu ausländischer Hilfe im Namen von Forschung und Entwicklung der Biotechnologie. Anstatt eigene modifizierte Samen zu entwickeln, kopierten Forscher und Wissenschaftler schließlich Technologien von multinationalen Saatgutherstellern und fingen an, sie auf den Märkten an einheimische Bauern zu verkaufen«, sagte ein Landwirtschaftsexperte des Pakistanischen Rats für Agrarforschung (PARC, Pakistan Agriculture Research Council).

PARC-Vertretern zufolge ist das Problem teilweise darauf zurückzuführen, dass es kein nationales Schädlingsbekämpfungs-Programm gibt, das die Bauern über Superschädlinge aufklärt. Außerdem ist bemerkenswert, dass der Befall von Baumwollkapselwürmern in Pakistan mit ein bis zwei Prozent sehr gering ist. Einige Bauern sagen, die größte Gefahr für die Baumwolle stellten das Blattrollvirus und der Mehlkäfer dar, gegen die Bt vollkommen wirkungslos ist.

Der Baumwollanbau im Punjab ist extrem wichtig, in der Region werden mit zehn Millionen Ballen jährlich 80 bis 90 Prozent der Baumwolle des ganzen Landes produziert. »Mit der Einführung gentechnisch veränderten Saatguts in Pakistan sollte der Gebrauch von Pestiziden minimiert, die Kosten reduziert und die Umwelt sauber gehalten werden«, sagte Dr. Nayyer Iqbal, Direktor für Landwirtschaft und Biotechnologie der pakistanischen Atomenergiekommission.

Anstatt ineffektive und schädliche Gen-Samen zu verwenden, wären Bauern besser beraten, zu traditionellen Anbaumethoden wie Fruchtfolge zurückzukehren, die dazu beitragen, Schädlingsbefall und Krankheiten zu verhindern. »Dadurch, dass die Frucht jedes Jahr geändert wird, verhindern Sie, dass bodenbürtige Schädlinge, die ziemlich spezifisch für die jeweilige Frucht sind, die nächste Pflanze, die Sie anbauen, befallen«, berichtet die Website lovethegarden.com.

Quelle: 

http://de.sott.net/article/15148-Monsantos-erste-Erben-Gentechnisch-verandertes-Saatgut-hat-zu-resistenten-mutierten-Superunkrautern-und-Superschadlingen-gefuhrt