Von Eva Hermann

Den Spiegel kaufe ich schon lange nicht mehr.
Propaganda und Gehirnwäsche gibts nämlich täglich auch gratis im Netz. Ein Freund schickte mir jetzt ein
Interview des Hamburger “Leidmagazins”:
Mit dem Europa-Grünen Daniel Cohn-Bendit.
Wie gut, dass ich dafür keinen Cent ausgab :
Der auf vier Seiten gepresste Schwall des fast Siebzigjährigen klingt gefährlich infantil, frei nach dem Motto: War da überhaupt was?
Für zart Besaitete dürfte die lapidare Leichtfertigkeit, mit der Cohn-Bendit unwiederbringlich Zerstörtes unter dem Thema »Bilanz der 68er« abtut,
nichts sein:
Dass die Grünen unter anderem die Sexualisierung kleiner Kinder gesetzlich einforderten und bis heute an einer Straffreiheit für Pädophile arbeiten, das war sowohl dem Ex-Odenwaldschüler als auch den Spiegelredakteuren offenbar entfallen.
„Wir 68-er haben das Wertegerüst Deutschlands zwar radikal zertrümmert, aber das war gestern: Heute sind wir schlauer- und »altersweise«!“ So in etwa hätte die Überschrift des Interviews mit Cohn-Bendit auch lauten können.
Angesichts des Scherbenhaufens, den unser Land heute darstellt, fällt besonders unappetitlich die verharmlosende Gesprächsführung der Journalisten Markus Feldenkirchen und René Pfister auf:
„Mit wie vielen Frauen waren Sie damals im Bett“?
Aber was will man schon erwarten? Die Massenmedien-Autoren scheinen, wie
unserer Gesellschaft: dass man nämlich nur noch dann unverletzt durchkommt, wenn man, politisch korrekt, den Euro, den Feminismus, die Frühsexualisierung und Multikulti befürwortet, genau so, wie man einst in der DDR den Sozialismus gut finden musste, um überleben zu können.
Und so sind Deutschlands Gutmenschen heute immer wieder schnell dabei, alles, was nicht linksrotgrün ist, im »Kampf gegen den Rechtsextremismus«
als radikal zu verurteilen. Doch wer vom „Kampf gegen rechts” spricht, meint dabei heute bereits
jeden werteorientierten Zeitgenossen, der nicht ausdrücklich links ist, um es mit den
Worten des Ex-Brigade-Generals Reinhard Günzel auszudrücken.
Das alles konnte sich “dank” der 68-er Politik entwickeln. Daniel Cohn-Bendit war einer der ersten damals, in einflussreicher Position bekämpft er bis heute mit seinen
Genoss_Innen und den Mainstream-Medien blind alles, was uns einstmals ausmachte: Werte, Tradition, Kultur, sie waren ihm nicht nur egal, sondern störend: Es musste alles weg! Doch heute will er persönlich davon immer weniger wissen. Was ist eigentlich los mit dem alten Mann?
Die Aussagen Cohn Bendits klingen wie die zu späte Erkenntnisromantik eines Ex-Revoluzzers: All das, was er und seine Steine werfenden Freunde in zurück- liegenden Jahrzehnten anrichteten, war nämlich in Wirklichkeit gar nicht ernst gemeint, erfährt man jetzt. Dass die 68er „verklemmt waren“, und dass die Wohngemeinschaft von Rainer Langhans und Uschi Obermaier in Wirklichkeit nur der „Lustprojektion verklemmter Bild-Redakteure“ entstammte, stellt er nun klar.
Wie auch die angebliche Tatsache, dass die Bewusstmachung der freien Liebe für den jungen Cohn-Bendit ganz schön anstrengend gewesen sei. Schluss auch mit der Legende, die 68er hätten Shit geraucht: Sie waren angeblich viel deutscher und tranken, wie unromantisch, lieber Bier. Das sind die Dinge, für die sich die Spiegel-Redakteure unter der Überschrift »Bilanz der 68er« interessierten.
Über die pädophilen Neigungen des Grünenpolitikers, die seit Jahren beweis- bar durchs Netz geistern, wollten die Journalisten nur wenig wissen. Ebenso interessierten sie sich nicht die Bohne für die tiefen Spuren der Verwüstung, die die 68er unseren nachfolgenden Generationen hinterlassen haben.
Fragen nach Verantwortung? Fehlanzeige. Cohn Bendit, ehemaliger Schüler der Reformpädagogik (an der Odenwaldschule wurden gerade zu seiner Zeit
hunderte Kinder jahrzehntelang von Lehrern sexuell missbraucht), gab zu seinen selbstgeschriebenen Buchpassagen über eigene sexuelle Erregungs- zustände gegenüber Kleinkindern zwar die Antwort, es habe sich bei jener Veröffentlichung um einen großen Fehler gehandelt, der ihm leid tue – und
dann war es das aber auch.
Über das viel später ausgestrahlte TV-Interview des damaligen Senders Antenne 2, dem heutigen France 2,
in welchem er seine pädophile Erregung genussvoll wiederholte, kein Wort. Dort heißt es unter anderem: „
Wissen Sie, wenn ein kleines fünfeinhalbjähriges Mädchen sie auszuziehen beginnt, ist das fantastisch. Es ist fantastisch, weil es ein Spiel ist, ein wahnsinnig erotisches Spiel.“ Über die heutigen Bestrebungen der Grünen, Pädophilie straffrei zu stellen, liest man ebenso nichts.
Die Spiegel-Redakteure Feldenkirchen und Pfister interessierte auch nicht diese frühe Aussage des Grünen: Eine »repressive Vor-68er-Sexualmoral« habe gesellschaftlich großen Schaden angerichtet. Es sei daher nach wie vor richtig, „den Kindern und Jugendlichen eine eigene Sexualität, einen eigenen Weg zuzugestehen“.
Vielleicht hätte bei der Recherche zuvor ein Blick in die politischen Programme der Grünen weitergeholfen, die sich mit einer erstaunlichen Ausdauer seit Mitte der 1980er-Jahre dafür einsetzen, dass die Gesetze zum Schutz Minderjähriger abgeschafft werden sollen. Denn damit wollten die Grünen schon vor 25 Jahren die Tabus sexueller Kontakte mit Jugendlichen ein für allemal brechen.
Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, wie Daniel Cohn-Bendit jetzt, fast siebzigjährig, darüber denkt. In einem Gesetzentwurf behaupteten die Grünen, diese Paragraphen „bedrohen einvernehmliche sexuelle Kontakte mit Strafe und dienen damit nicht dem Schutz der sexuellen Selbstbestimmung. Sie behindern die freie Entfaltung der Persönlichkeit …“.
In Wahrheit schützen diese Gesetze minderjährige Jungen vor homosexuellen Handlungen.
Die Grünen stempeln Schutzgesetze für Jugendliche auch heute noch als altmodisch und überkommen ab. So haben sie immer noch die Abschaffung des Schutzes minderjähriger Mädchen vor sexuellem Missbrauch im Visier. Ständig suchen die Grünen nach neuen Wegen, um Kindern und Jugendlichen »ihre freie Sexualität« zu ermöglichen bei gleichzeitiger Straffreiheit Erwachsener, die sich an ihnen vergehen.
Angesichts der jüngsten Geschehnisse von Emden läuft es einem dabei eiskalt den Rücken herunter. Doch werden diese Zusammenhänge von unseren “investigativen” Mainstream-Journalisten leider so gut wie niemals hergestellt. Denn hier geht es in Wahrheit um die Frage, woran das Interesse wohl größer sein mag: An freier Sexualität für Kinder und Jugendliche, oder eher an der
Straffreiheit für die fehlgeleiteten Erwachsenen?
Zur Erinnerung: Anfang 1985 brachten die Grünen einen Gesetzentwurf ein, der die Verführung von Mädchen unter 16 Jahren zum Beischlaf sowie homo- sexuelle Handlungen an Kindern und Jugendlichen nicht mehr unter Strafe stellt. Begründung: »die Strafandrohung behindere Kinder und Jugendliche beim Herausfinden der ihnen gemäßen Sexualität«. Die Grünen in NRW forderten, dass „gewaltfreie Sexualität“ zwischen Kindern und Erwachsenen niemals Gegenstand strafrechtlicher Verfolgung sein dürfe. Sie sei, Zitat:
„im Gegenteil von allen Restriktionen zu befreien, die ihr in dieser Gesellschaft auferlegt sind“.
Schon 2010 schrieb ich: „Jener Programmteil, der mit Mehrheit verabschiedet wurde, hebt eindrucksvoll hervor, wer aus Sicht der Grünen im Falle einer sexuellen Verknüpfung zwischen Erwachsenem und Kind als Opfer betrachtet wird: Die Kinder sind es jedenfalls nicht! Hingegen wird ’denjenigen eine gesellschaftliche Unterdrückung‘ attestiert, die gewaltfreie Sexualität mit Kindern wollen, dazu fähig sind und deren gesamte Existenz von einem Tag auf den anderen vernichtet wird, wenn bekannt wird, dass sie Beziehungen eingegangen sind, die wir alle als für beide Teile angenehm, produktiv, entwicklungsfördernd, kurz: positiv ansehen müssen“.
Ebenso heißt es: „… gewaltfreie Sexualität muss frei sein für jeden Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder anderen Merkmalen (…) Daher sind alle Straftatbestände zu streichen, die gewaltfreie Sexualität mit Strafe bedrohen.“
Doch obwohl die Grünen 1985 einige Anträge unter großem Protest zurück- nehmen mussten, forderten sie zwei Jahre später erneut: „Kinder und Jugendliche müssen ihre Sexualität frei von Angst entwickeln können. In der öffentlichen Erziehung dürfen abweichende Formen der Sexualität nicht länger diskriminiert werden. Lesbische und schwule Emanzipationsgruppen müssen gefördert werden.“
Wie gesagt, all das finden wir in der gemeinsamen »Bilanz der 68-er« der Hamburger Spiegel-Redaktion und Daniel Cohn-Bendits nicht. Der Mann, der sich offenbar auf dem Weg zu Weisheit und Erkenntnis wähnt, redet über die Vorteile von Viagra und lässt sich über die typischen Begleiterscheinungen von Alter und Siechtum aus, was jetzt offenbar seine Hauptthemen sind angesichts einer Krebsdiagnose vom letzten Jahr. Die als Stichwortgeber fungierenden Redakteure geben dem Europagrünen jedoch bereitwillig die Gelegenheit, dessen banal klingenden Wunsch, demnächst seine eigenen Grabreden verfassen zu wollen, pathetisch zu formulieren:
… ich möchte die Zeremonie nach meinem Tod miterleben. Ich möchte das sehen, ich möchte die Reden hören, deshalb werde ich die Reden auch selbst schreiben (…). Ich habe sehr verrückte Ideen, ich weiß.
Altersdünkel? Nicht ausgeschlossen. Man erfährt dann auch, dass es ein Problem für Daniel Cohn-Bendit zu sein scheint, mit dem er „nicht fertig wird“, wenn er dann eben doch nicht bei seiner eigenen Beisetzung dabei sein kann. Außer als Leiche natürlich.
Dieses Spiegel-Interview dient als weiterer Beweis dafür, dass die steten Einbrüche der Spiegel-Verkaufszahlen nicht dem Zufall geschuldet sind. Die Überschrift: »Jetzt kommt das Endspiel« ist ungefähr das einzige, das man nach dieser Lektüre wirklich unterschreiben kann.
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