
Häufige Methode des Landgrabbings in der 3. Welt
Wall Streets nie dagewesener Landraub
Colin Todhunter
5. August 2014
Ein neuer Bericht der Organisation GRAIN [das Wort bedeutet Getreide und es ist gleichzeitig eine NGO] enthüllte, dass Kleinbauern den größten Teil der Nahrung für die Welt produzieren und effizienter sind als Großfarmen [1]. Würden sie durch einen geeigneten politischen Rahmen gefördert, könnten die Kleinbetriebe mühelos die globale Bevölkerung ernähren. Doch die kleinen Bauern sind gegenwärtig auf weniger als einem Viertel des globalen Ackerlandes zusammengepfercht. Die Welt verliert immer mehr Höfe und Bauern durch die Konzentration des Landes in den Händen der Reichen und Mächtigen. Der Bericht schloss, dass, sollte nichts getan werden, um den Trend umzukehren, die Welt sich nicht mehr ernähren kann.
Ein Hauptgrund, weshalb Kleinbauern verschwinden, ist das rapide Anwachsen von Monokulturen. In den vergangenen 50 Jahren sind 140 Mill. Hektar – weit über dem gesamten Ackerland Chinas – allein für Sojabohnen, Ölpalmen, Raps und Zuckerrohr übernommen worden. Definitionsmäßig bevorzugen Kleinbauern Lebensmittel für örtliche und nationale Märkte sowie für die eigene Familie, während die großen Unternehmen knappes fruchtbares Ackerland an sich reißen und Feldfrüchte für den Export anbauen um des Profits willen und für weit entfernte Märkte, die auf die Bedürfnisse der Reichen zugeschnitten sind.
Dieser Prozess verarmt örtliche Gemeinden und bringt Nahrungsunsicherheit mit sich. Camila Montecinos von GRAIN kommt zu dem Schluss, dass die Konzentration von fruchtbarem Ackerland in immer weniger Händen direkt in Beziehung steht mit der zunehmenden Zahl Menschen, die täglich hungern. Obwohl industrielle Farmbetriebe große Macht, Einfluss und Geld haben, zeigen die Daten von GRAIN, dass die Kleinbauern bezüglich der Produktivität die Großbetriebe bei weitem übertreffen.
Gleich nach der Untersuchung von GRAIN kam ein neuer Report vom ‚Policy Think Tank‘ des Oaklandinstituts, der erklärte, dass die ersten Jahre des 21. Jharhunderts in Erinnerung bleiben werden als die globale Jagd nach Land in einem nie dagewesenen Ausmaß [2]. Schätzungsweise 200 Mill. ha, eine 8 x größere Fläche als England, wurde zwischen 2000 und 2011 in den Entwicklungsländern gekauft oder geleast, oft auf Kosten der örtlichen Nahrungssicherheit und der Landrechte.
Das Oaklandinstitut weist darauf hin, dass eine neue Generation von Investment-Firmen, darunter Hedgefonds, privates Kapital, Pensionfonds und Universitätsstiftungen eifrig dabei sind, globales Ackerbauland in Kapital umzuwandeln als neue und sehr wünschenswerte Anlageklasse. Finanzielle Erträge sind wichtig und nicht Nahrungssicherheit.
Das Oaklandinstitut weist darauf hin, dass eine neue Generation von Investment-Firmen, darunter Hedgefonds, privates Kapital, Pensionfonds und Universitätsstiftungen eifrig dabei sind, globales Ackerbauland in Kapital umzuwandeln als neue und sehr wünschenswerte Anlageklasse. Finanzielle Erträge sind wichtig und nicht Nahrungssicherheit.
Und dieser Trend ist nicht beschränkt auf den viel beschriebenen Kauf von wertvollem Ackerland durch ausländische Konzerne in Niedrig-Einkommens-Ländern [3]. Die Geschäftsführerin des Instituts, Anuradha Mittal, sagt, obwohl die Medien sich auf den Landraub in jenen Ländern konzentrieren, gibt es auch einen Run auf US-Farmland. Durch das steigende Interesse der Investoren und steigende Landpreise setzen riesige Pensionsfonds wie TIAA-CREF Milliarden auf den Kauf von Ackerland.
Sie erklärt, dass ein Branchenführer schätzt, dass 10 Mrd. $ auf US-Farmland suchen, aber dass diese Zahl rasch steigen könnte, da Investoren die unsicheren finanziellen Zeiten überstehen wollen, indem sie Geld in die scheinbare Sicherheit von Landwirtschaft stecken wollen. Die USA werden in den nächsten 20 Jahren eine nie dagewesene Krise mit pensionierten Farmern erleben, was zu üppigen Gelegenheiten für diese Akteure führt, das schätzungsweise 160 Mill. ha durch Generationswechsel in andere Hände übergehen werden.
Mittal meint, dass trotz dieses Umfangs und der Absichten, praktisch so gut wie nichts über diese neuen Investoren und ihre Geschäftspraktiken bekannt ist. Vom wem kaufen sie Land? Was werden sie anbauen? Wie werden sie ihren Besitz managen? Sie schließt, dass in einem Geschäftsbereich, der nicht für Transparenz bekannt ist, keine dieser Fragen eine befriedigende Antwort erhält.
Die Landwirtschafts-Konzernbildung wird genauso stark in Iowa und Kalifornien empfunden wie auf den Philippinen und in Mosambik. Mittal bemerkt, dass einige der größten Akteure UBS Agrivest, Tochter der größten schweizer Bank, die Hancock Agricultural Investment Group (HAIG), eine Tochter der größten Versicherungs-Gesellschaft in Kanada und die Teacher Annuity Insurance Association College Retirement Equities Fund (TIAA-CREF), einer der größten Pensionsfonds der Welt, sind.
Mittal ist der Meinung, dass es wichtig sei, sich die Motive und Praktiken dieser großen Akteure genau anzusehen, weil, obwohl Investment-Firmen gegenwärtig nur ein winziges Prozent des gesamten US-Farmlands besitzen und Farmer immer noch die größten Käufer im Land sind, es abzusehen ist, dass der langfristige Trend die US-Landwirtschaft bedroht.
Investoren glauben, dass es Farmland im Wert von grob gesagt 1.8 Billionen Dollar in der ganzen USA gibt [Gesamte Ackerbaufläche in den USA beträgt 369 Mill. Hektar. D. Ü.]. Laut Oaklandinstitut wird davon [eine Fläche für] zwischen 300 und 500 Mrd. als „investitionswürdig“ angesehen, eine Kombination von Faktoren, die sich auf die Größe, Wasserzugang, Boden-Qualität und Lage beziehen, die einen Anreiz für Investitionen bilden. Dadurch wird heimisches Farmland zu einer riesigen, noch nicht erschlossenen Anlageklasse. Einige der größten Akteure haben diese Gelegenheit für Kapitalinvestitionen bereits ergriffen. Häufig treten diese Käufer mit so viel Kapital auf dem Markt auf, dass ihr Rückhalt praktisch grenzenlos ist im Vergleich zu den Mitteln der meisten Farmer.
Anuradha Mittal sagt ferner, dass diese Leute bereits einen Fuß fest in der Tür haben und dies nicht das Ende, sondern der Anfang des Ansturms auf Land ist. Es gibt nicht nur genug Raum, sondern auch große finanzielle Anreize. Und wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, dann könnte es zu einer permanenten Eigentumsveränderung von Familien-Betrieben zu Investment-Firmen und anderen Groß-Unternehmen kommen.
Der Bericht von UN-Konferenz für Handel und Entwicklung [4] vom September 2013 stellte fest, dass die Landwirtschaft sowohl in reichen als auch armen Ländern von Monokulturen zu einer größeren Vielfalt von Kulturen, zu einer Reduzierung von Düngemitteln und anderen Inputs, zu stärkerer Unterstützung von Kleinbauern-Betrieben und zu stärker lokal verankerter Produktion und Nahrungs-Konsum übergehen sollte. Der Report erklärte, dass Monokultur und industrielle Landwirtschaftsmethoden nicht ausreichend erschwingliche Nahrung erzeugen, wo sie gebraucht wird. Dieses System verursacht Nahrungsarmut, wirkt ihr nicht entgegen, was Leute wie Vandana Shiva seit langem sagen [5].
Zahlreiche Top-Reports von UN- und Entwicklungs-Behörden haben zu Gunsten von Kleinbauern-Betrieben und Agro-Ökologie plädiert. Jedoch wird die Basis der Nahrungs-Produktion und Nahrungs-Sicherheit – der kleine Bauer – marginalisiert und gerät in wirtschaftliches Elend. Der Trend mit der profitorientierten Groß- Landwirtschaft bedeutet nichts Gutes, vor allem für arme Länder, die direkt von der Landwirtschaft abhängen. Dieser System-Typ ist nicht geeignet, Nahrungs-Sicherheit zu garantieren oder lolake Ökonomien zu stützen. Es basiert auf Spekulation, die Festlegung von Gütern für den Markt und die Kontrolle der Subventionen, Preise und Inputs und es existiert, um Aktionäre und Investoren im Ausland zufriedenzustellen.
http://einarschlereth.blogspot.de/2014/08/wall-streets-nie-dagewesener-landraub.html