Nordische Mythologie – Die Götterwelt der Germanen – Die Edda

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   Freya  Foto:   http://www.nordische-mythologie.de/main.htm

Ein Hörbuch

 

Die Götterwelt der Germanen begründet sich auf drei Geschlechter, die alle aus dem Urchaos Ginnungagap und dem Urrind Audhumbla hervorgingen: Das Geschlecht der Riesen und Ungeheuer, zu denen praktisch alle bösen Wesen gehörten, die auch für Naturkatastrophen verantwortlich gemacht wurden, kam als erstes auf die Welt. Dieses Geschlecht hat die Macht, die Welt zu vernichten. Damit dies nicht passiert, wurden Wanen und Asen geschaffen. Sie halten alles im Gleichgewicht, bis sich das Schicksal der Götter in einem finalen Kampf erfüllt, infolgedessen es zu einem Krieg zwischen Riesen und dem Asen-Wanen-Bund kommt, dem sich die gefallenen Menschenkrieger anschließen und in dem die ganze Welt vernichtet wird, um wiedergeboren zu werden.

Das zweitälteste Geschlecht, die Wanen, wurden als äußerst geschickt, erdgebunden und weise verehrt und lebten ewig, sofern sie nicht erschlagen wurden. Das jüngste Geschlecht, die Asen, galten als äußerst mutig und stark, aber nicht sehr klug, was man auch in der Edda nachlesen kann. Ihr Ewiges Leben verdanken sie einem Trunk, der sie gewissermaßen abhängig von den Wanen machte.

Hauptgott der Asen war Odin, ursprünglich vielleicht Tyr. Hauptgott der Wanen war der Meeresgott Njörd bzw. dessen Zwillingskinder Freyr und Freya. Asen und Wanen fochten einen großen Krieg aus, bei dem die Asen als Sieger hervorgingen, wobei die Wanen weiterhin eine geachtete Stellung innehatten. Beide Geschlechter lebten versöhnt und nebeneinander, bis die Christianisierung der Germanen einsetzte. Daraus ergeben sich auch verschiedene Schöpfungsmythen: so ist sowohl Tyr als auch Odin Schöpfer der ersten Menschen. Odin war ursprünglich der Hauptgott der Westgermanen, wobei er sich nordwärts über ganz Europa verbreitete. Für die Nordgermanen spielte ursprünglich Nerthus eine große Rolle, doch schon früh verschmolz ihr Kriegsgott Wodan mit dem Kriegsgott Odin und wurde so zum Hauptgott. Auch die Ostgermanen übernahmen Odin schließlich als Hauptgott. Daher wird in der Nordgermanischen Religion Odin immer als oberster Gott angesehen.

Odin war ein Gott über alle anderen Götter. Odin war zuvorderst Kriegs- und Todesgott, und erst in zweiter Linie ein Weiser. Der Name „Odin“ leitet sich vom altnordischen Wort „óðr“ her, das „wild, rasend“ bedeutet. Daher war er der Gott der Ekstase und des rasenden Kampfes. Er war nicht ein nordischer, sondern ein gemeingermanischer Gott. Er war auch Hauptgott der Angeln, der Sachsen, die ihn Wodan nannten, was Inschriften bekräftigen. Die Sage um Odin reicht auch weit zurück, denn bereits die Römer wussten, dass die Germanen einen Gott verehrten, der ihrem Mercurius ähnelte. Odin hatte nur ein Auge, das andere hatte er dem Jöten Mime verpfändet, der über den Brunnen der Weisheit am Lebensbaum Yggdrasil gebot, wofür er aus dem Brunnen trinken durfte — er opferte also sein körperliches Auge für ein geistiges, mit dem er Dinge sehen konnte, die anderen verborgen waren. Auch die Magie der Runen hatte er von Mime gelernt. Nach der Völuspá hatte Odin einst den ersten Krieg verursacht: „In die Feinde schleuderte Odin den Speer. Das war der erste Kampf der Völker.“

 

 

 

Sehr schöne Seite von Germanenherz – Einige Auszüge:

http://germanenherz.blogspot.de/2012/06/die-irminsul.html

Wie wir den Überlieferungen entnehmen können, sind die beiden höchsten Sinnbilder der nordischen Atlanter die Sonne und die Weltensäule, die der Germanen die Sonne und die Irminsul (All-Säule) bzw. die Yggdrasil (Weltesche, Weltenbaum, Sonnenbahn-Dreh-Säule), wobei sich die Germanen ihre heilige Säule vorwiegend als Baum (Lebensbaum) vorstellten. Die Baumverehrung der Germanen gilt jedoch grundsätzlich demselben kosmischen Prinzip wie die Verehrung der Weltensäule bei den Atlantern, nämlich der Weltenachse bzw. Weltenseele. Auch dieObelisken in Ägypten, die Totempfähle der nordamerikanischen Indianer, der Weltenbaum der Maya, der Lebensbaum der Kabbala, der griechische Säulenkult, der im Deutschen Kulturraum weitverbreitete Maibaum und auch der in vielen Teilen der Welt verbreitete Weihnachtsbaum gehen alle auf den gleichen Kultus zurück und stehen symbolisch für das Prinzip der Weltensäule, die auch als Himmelssäule, Himmelsstütze, Weltenachse oder

 

 

 

Bildquelle: Nordwelt Versand.

Die Irminsul Foto: germanenherz.blogspot.com

 

 Den Futhark und Runendeutung findet Ihr hier:

http://www.nordische-mythologie.de/main.htm

 

 

Der König von Thule

Es war ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber,
Er leert‘ ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben,
Zählt‘ er seine Städt‘ im Reich,
Gönnt‘ alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.
Er saß bei’m Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensgluth,
Und warf den heiligen Becher
Hinunter in die Fluth.
Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer,
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr.

 

Johann Wolfgang von Goethes

Weiter Seite http://asgard-forever.de/runenkunde/

 

 

            Edda – Nordisches Schrifttum

 

Edda (nord. „Urgroßmutter“), ist eine Sammlung nordischer Dichtungen, die in zwei grundsätzlichen Versionen vorliegt.

Der Name Edda wird zunächst für das Werk des isländischen Dichters und Historikers Snorri Sturluson benutzt. Er verfasste um 1220 auf Island ein umfangreiches Werk über Mythen und Dichtkunst, es ist unter den Bezeichnungen „Prosa-Edda”, „Jüngere Edda” oder nach ihrem Verfasser „Snorri-Edda” geläufig (Den Inhalt dieser Edda seht ihr weiter unten). Die „Snorri-Edda“ besteht aus drei Hauptteilen, nämlich Gylfaginning, Skáldskaparmál und Hattatal. Das Werk Gylfaginning musste sich allerdings der christlichen Zensur beugen, und so wurden die Götter als Könige dargestellt, die ihrer asiatischen Herkunft wegen Asen hießen.

Um 1270 (1240?) niedergeschrieben wurde die „ältere Edda” („Lieder-Edda”, „Poetische Edda”, fälschlich dem isländischen Gelehrten Sæmundur zugeschrieben, daher auch „Sæmundar-Edda”), sie ist somit jünger als Snorris Edda. Sie wird aber deshalb „ältere Edda“ genannte, weil sie auf ältere gesicherte Quellen zurückgeht. Sie gilt als Sammlung von Dichtungen vieler unbekannter Autoren. Die „Lieder-Edda“ besteht aus drei Hauptteilen, nämlich Götterdichtung, Spruchweisheit und Heldengsang, (Den Inhalt dieser Edda seht ihr weiter unten)

Die Stoffe beider Ausgaben lassen Überlieferungen mindestens aus der Völkerwanderungszeit anehmen, Parallelen mit indogermanischer Götterdichtung lassen noch tiefere Wurzel schließen.

Der Ursprung des Begriffs Edda ist unklar. Heißt es nach dem Entstehungsort Oddi in Südwestisland „Buch von Oddi” oder nach dem altnordischen Wort edda „Urgroßmutter” im Sinne eine Urahnin aller Dichtung? Da Snorri sein Werk als Lehrbuch verfaßte, berührt sich diese Erklärung mit der These, Edda rühre vom Wort odr, Gesang oder Dichtung her und bedeute somit schlicht „Buch von der Dichtung”: Die Dichtung stammt mythisch vom Skaldenmet Ödrorir her, der in einem als Gebärmutter deutbaren Kessel gebraut wurde.

Die Edda wurde erst zu einer Zeit geschrieben, als die Heiden bis nach Polen zurückgedrängt waren. Daher ist die oft gemachte Behauptung, die Edda sei das Heilige Buch der Nordischen Völker, falsch. Allerdings beinhaltet sie deren wesentliche Mythen, die vorher wohl mündlich weitergegeben wurden.

Hier seht ihr eine Seite der Edda

Hier die Auswahl aus dem Inhalt der Prosa-Edda (Snorri-Edda oder jüngeren Edda)
Die drei ersteren sind die Hauptwerke

– Gylfis Täuschung (Gylfaginning)

– Die Sprache der Dichtkunst (Skáldskaparmál)

– Verzeichnis der Versformen (Hattatal)

– Skaldenverzeichnis (Skáldatal)

Und der weitere Text der Edda hier:

http://www.lokis-mythologie.de/Die%20Woelsistrophen.html

 

Noch eine weitere Netz-Seite, wunderschön gemacht, über die Edda:

 

 

Foto: germanen-plakat.de

 

Zum Herunterladen des Buches geht es hier:http://germanenherz.files.wordpress.com /2014/03/simrock-karl-die-edda-1851.pdf

 

Die ältere Edda

1. Völuspâ.
Der Seherin Ausspruch.

1

Allen Edeln   gebiet ich Andacht,
Hohen und Niedern   von Heimdalls Geschlecht;
Ich will Walvaters   Wirken künden,
Die ältesten Sagen,   der ich mich entsinne,

2

Riesen acht ich   die Urgebornen,
Die mich vor Zeiten   erzogen haben.
Neun Welten kenn ich,   neun Aeste weiß ich
An dem starken Stamm 15   im Staub der Erde.

3

Einst war das Alter,   da Ymir 4 lebte:
Da war nicht Sand nicht See,   nicht salzge Wellen,
Nicht Erde fand sich   noch Ueberhimmel,
Gähnender Abgrund   und Gras nirgend.

4

Bis Börs Söhne 8   die Bälle erhuben,
Sie die das mächtige   Midgard schufen.
Die Sonne von Süden   schien auf die Felsen
Und dem Grund entgrünte   grüner Lauch.

5

Die Sonne von Süden,   des Mondes Gesellin,
Hielt mit der rechten Hand   die Himmelrosse.
Sonne wuste nicht   wo sie Sitz hätte,
Mond wuste nicht   was er Macht hätte,
Die Sterne wusten nicht   wo sie Stätte hatten.

6

Da 14 gingen die Berather   zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter   hielten Rath.
Der Nacht und dem Neumond   gaben sie Namen,
Hießen Morgen   und Mitte des Tags,
Under und Abend,   die Zeiten zu ordnen.

7

Die Asen einten sich   auf dem Idafelde,
Hof und Heiligtum   hoch sich zu wölben. 14 
(Uebten die Kräfte   Alles versuchend,)
Erbauten Essen   und schmiedeten Erz,
Schufen Zangen   und schön Gezäh.

8

Sie warfen im Hofe   heiter mit Würfeln
Und darbten goldener   Dinge noch nicht.
Bis drei der Thursen-   töchter kamen
Reich an Macht,   aus Riesenheim. 14

9

Da gingen die Berather   zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter   hielten Rath,
Wer schaffen sollte   der Zwerge Geschlecht
Aus Brimirs Blut   und blauen Gliedern.

10

Da ward Modsognir   der mächtigste
Dieser Zwerge   und Durin nach ihm.
Noch manche machten sie   menschengleich
Der Zwerge von Erde,   wie Durin angab.

11

Nyi und Nidi,   Nordri und Sudri,
Austri und Westri,   Althiofr, Dwalin,
Nar und Nain,   Nipingr, Dain,
Bifur, Bafur,   Bömbur, Nori,
Ann und Anarr,   Ai, Miödwitnir.

12

Weigr, Gandalfr,   Windalfr, Thrain,
Theckr und Thorin,   Thror, Witr und Litr,
Nar und Nyradr;   nun sind diese Zwerge,
Regin und Raswidr,   richtig aufgezählt.

13

Fili, Kili,   Fundin, Nali,
Hepti, Wili,   Hannar und Swior,
Billingr, Bruni,   Bildr, Buri,
Frar, Hornbori,   Frägr und Loni,
Aurwangr, Jari,   Eikinskjaldi.

14

Zeit ists, die Zwerge   von Dwalins Zunft
Den Leuten zu leiten   bis Lofar hinauf,
Die aus Gestein   und Klüften strebten
Von Aurwangs Tiefen   Zum Erdenfeld.

15

Da war Draupnir   und Dolgthrasir,
Har, Haugspori,   Hläwangr, Gloi,
Skirwir, Wirwir,   Skafidr, Ai,
Alfr und Yngwi,   Eikinskjaldi.

16

Fialar und Frosti,   Finnar und Ginnar,
Heri, Höggstari,   Hliodolfr, Moin.
So lange Menschen   leben auf Erden,
Wird zu Lofar hinauf   ihr Geschlecht geleitet.

17

Gingen da 9 dreie   aus dieser Versammlung,
Mächtige milde   Asen zumal,
Fanden am Ufer   unmächtig
Ask und Embla   und ohne Bestimmung.

18

Besaßen nicht Seele,   und Sinn noch nicht,
Nicht Blut noch Bewegung,   noch blühende Farbe.
Seele gab Odhin,   Hönir gab Sinn,
Blut gab Lodur   und blühende Farbe.

19

Eine Esche weiß ich,   heißt Yggdrasil, 1516 
Den hohen Baum netzt   weißer Nebel;
Davon kommt der Thau,   der in die Thäler fällt.
Immergrün steht er   über Urds Brunnen.

20

Davon 15 kommen Frauen,   vielwißende,
Drei aus dem See   dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,   die andre Werdandi:
Sie schnitten Stäbe;   Skuld hieß die dritte.
Sie legten Looße,   das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen,   das Schicksal verkündend.

21

Allein saß sie außen,   da der Alte kam,
Der grübelnde Ase,   und ihr ins Auge sah.
Warum fragt ihr mich?   was erforscht ihr mich?
Alles weiß ich, Odhin,   wo du dein Auge bargst:

22

In der vielbekannten   Quelle Mimirs.
Meth dringt Mimir   allmorgentlich
Aus Walvaters Pfand!   wißt ihr was das bedeutet? 15

23

Ihr gab Heervater   Halsband und Ringe
Für goldene Sprüche   und spähenden Sinn.
Denn weit und breit sah sie   über die Welten all.

24

Ich sah Walküren 36   weiter kommen,
Bereit zu reiten   zum Rath der Götter.
Skuld hielt den Schild,   Skögul war die andre,
Gunn, Hilde, Göndul   und Geirskögul.
Hier nun habt ihr   Herians Mädchen,
Die als Walküren   die Welt durchreiten.

25

Da wurde Mord   in der Welt zuerst,
Da sie mit Geeren   Gulweig (die Goldkraft) stießen,
In des Hohen Halle   die helle brannten.
Dreimal verbrannt   ist sie dreimal geboren,
Oft, unselten,   doch ist sie am Leben.

26

Heid hieß man sie   wohin sie kam,
Wohlredende Wala   zähmte sie Wölfe.
Sudkunst konnte sie,   Seelenheil raubte sie,
Uebler Leute   Liebling allezeit.

27

Da 42 gingen die Berather   zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter   hielten Rath,
Ob die Asen sollten   Untreue strafen,
Oder alle Götter   Sühnopfer empfahn.

28

Gebrochen war   der Burgwall den Asen,
Schlachtkundge Wanen   stampften das Feld.
Odhin schleuderte   über das Volk den Spieß:
Da wurde Mord   in der Welt zuerst.

29

Da gingen die Berather   zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter   hielten Rath,
Wer mit Frevel hätte   die Luft erfüllt,
Oder dem Riesenvolk   Odhurs Braut gegeben?

30

Von Zorn bezwungen   zögerte Thôr nicht,
Er säumt selten   wo er Solches vernimmt:
Da schwanden die Eide,   Wort und Schwüre,
Alle festen Verträge   jüngst trefflich erdacht.

31

Ich weiß Heimdalls 27   Horn verborgen
Unter dem himmelhohen   heiligen Baum.
Einen Strom seh ich stürzen   mit starkem Fall
Aus Walvaters Pfand:   wißt ihr was das bedeutet? 15

32

Oestlich saß die Alte   im Eisengebüsch
Und fütterte dort   Fenrirs Geschlecht.
Von ihnen allen   wird eins das schlimmste:
Des Mondes Mörder   übermenschlicher Gestalt. 12

33

Ihn mästet das Mark   gefällter Männer,
Der Seligen Saal   besudelt das Blut.
Der Sonne Schein dunkelt   in kommenden Sommern,
Alle Wetter wüthen:   wißt ihr was das bedeutet?

34

Da saß am Hügel   und schlug die Harfe
Der Riesin Hüter,   der heitre Egdir.
Vor ihm sang   im Vogelwalde
Der hochrothe Hahn,   geheißen Fialar.

35

Den Göttern gellend   sang Gullinkambi,
Weckte die Helden   beim Heervater,
Unter der Erde   singt ein andrer,
Der schwarzrothe Hahn   in den Sälen Hels.

36

Ich sah dem Baldur, 49   dem blühenden Opfer,
Odhins Sohne,   Unheil drohen.
Gewachsen war   über die Wiesen hoch
Der zarte, zierliche   Zweig der Mistel.

37

Von der Mistel kam,   so dauchte mich
Häßlicher Harm,   da Hödur schoß.
(Baldurs Bruder   war kaum geboren,
Als einnächtig Odhins   Erbe zum Kampf ging. 3053 
Die Hände nicht wusch er,   das Haar nicht kämmt‘ er,
Eh er zum Bühle trug   Baldurs Tödter.)
Doch Frigg beklagte   in Fensal dort
Walhalls Verlust:   wißt ihr was das bedeutet?

38

In Ketten lag   im Quellenwalde
In Unholdgestalt   der arge Loki.
Da sitzt auch Sigyn   unsanfter Geberde,
Des Gatten waise:   wißt ihr was das bedeutet? 50

39

Gewoben weiß da Wala Todesbande,
Und fest geflochten die Feßel aus Därmen.
Viel weiß der Weise, sieht weit voraus
Der Welt Untergang, der Asen Fall. 51 
Grässlich heult Gram 12 vor der Gnupahöhle,
Die Feßel bricht und Freki rennt.

40

Ein Strom wälzt ostwärts   durch Eiterthäler
Schlamm und Schwerter,   der Slidur 4 heißt.

41

Nördlich stand   an den Nidabergen
Ein Saal aus Gold   für Sindris Geschlecht.
Ein andrer stand   auf Okolnir
Des Riesen Biersaal,   Brimir genannt. 52

42

Einen Saal seh ich,   der Sonne fern
In Nastrand, 52 die Thüren sind   nordwärts gekehrt.
Gifttropfen fallen   durch die Fenster nieder;
Mit Schlangenrücken   ist der Saal gedeckt.

43

Im starrenden Strome   stehn da und waten
Meuchelmörder   und Meineidige
(Und die Andrer Liebsten   ins Ohr geraunt).
Da saugt Nidhöggr   die entseelten Leiber,
Der Menschenwürger:   wißt ihr was das bedeutet?

44

Viel weiß der Weise,   sieht weit voraus
Der Welt Untergang,   der Asen Fall.

45

Brüder befehden sich   und fällen einander,
Geschwisterte sieht man   die Sippe brechen.
Der Grund erdröhnt,   üble Disen fliegen;
Der Eine schont   des Andern nicht mehr.

46

Unerhörtes eräugnet sich,   großer Ehbruch.
Beilalter, Schwertalter,   wo Schilde krachen,
Windzeit, Wolfszeit   eh die Welt zerstürzt.

47

Muspels Söhne spielen,   der Mittelstamm entzündet sich
Beim gellenden Ruf   des Giallarhorns.
Ins erhobne Horn   bläst Heimdall laut,
Odhin murmelt   mit Mimirs Haupt.

48

Yggdrasil zittert,   die Esche, doch steht sie,
Es rauscht der alte Baum,   da der Riese frei wird.
(Sie bangen alle   in den Banden Hels
Bevor sie Surturs 4   Flamme verschlingt.)
Grässlich heult Garm   vor der Gnupahöhle,
Die Feßel bricht   und Freki rennt.

49

Hrym 51 fährt von Osten   und hebt den Schild,
Jörmungandr wälzt sich   im Jötunmuthe.
Der Wurm schlägt die Flut,   der Adler facht,
Leichen zerreißt er;   los wird Naglfar.

50

Der Kiel fährt von Osten,   da kommen Muspels Söhne
Ueber die See gesegelt;   sie steuert Loki.
Des Unthiers Abkunft   ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists 33 Bruder   ist ihm verbündet.

51

Surtur 451 fährt von Süden   mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint   die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen,   Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden,   der Himmel klafft.

52

Was ist mit den Asen?   was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt,   die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen   vor steinernen Thüren,
Der Bergwege Weiser:   wißt ihr was das bedeutet?

53

Da hebt sich Hlins 35   anderer Harm,
Da Odin eilt   zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder 35   mißt sich mit Surtur;
Schon fällt Friggs   einzige Freude.

54

Nicht säumt Siegvaters   erhabner Sohn
Mit dem Leichenwolf,   Widar, zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn   den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen:   so rächt er den Vater.

55

Da kommt geschritten   Hlodyns schöner Erbe,
Wider den Wurm   wendet sich Odins Sohn.
Muthig trifft ihn   Midgards Segner.
Doch fährt neun Fuß weit   Fiörgyns Sohn
Weg von der Natter,   die nichts erschreckte.
Alle Wesen müßen   die Weltstatt räumen.

56

Schwarz wird die Sonne,   die Erde sinkt ins Meer,
Vom Himmel schwinden   die heitern Sterne.
Glutwirbel umwühlen   den allnährenden Weltbaum,
Die heiße Lohe   beleckt den Himmel.

57

Da 53 seh ich auftauchen   zum andernmale
Aus dem Waßer die Erde   und wieder grünen.
Die Fluten fallen,   darüber fliegt der Aar,
Der auf dem Felsen   nach Fischen weidet.

58

Die Asen einen sich   auf dem Idafelde,
Ueber den Weltumspanner   zu sprechen, den großen.
Uralter Sprüche   sind sie da eingedenk,
Von Fimbultyr   gefundner Runen.

59

Da werden sich wieder   die wundersamen
Goldenen Bälle   im Grase finden,
Die in Urzeiten   die Asen hatten,
Der Fürst der Götter   und Fiölnirs 20 Geschlecht.

60

Da werden unbesät   die Aecker tragen,
Alles Böse beßert sich,   Baldur kehrt wieder.
In Heervaters Himmel   wohnen Hödur und Baldur,
Die walweisen Götter.   Wißt ihr was das bedeutet?

61

Da kann Hönir selbst   sein Looß sich kiesen,
Und beider Brüder   Söhne bebauen
Das weite Windheim.   Wißt ihr was das bedeutet?

62

Einen Saal seh ich   heller als die Sonne,
Mit Gold bedeckt   auf Gimils Höhn: 31752 
Da werden bewährte   Leute wohnen
Und ohne Ende   der Ehren genießen.

63

Da reitet der Mächtige   zum Rath der Götter,
Der Starke von Oben,   der Alles steuert.
Den Streit entscheidet er,   schlichtet Zwiste,
Und ordnet ewige   Satzungen an.

64

Nun kommt der dunkle   Drache geflogen,
Die Natter hernieder   aus Nidafelsen.
Das Feld überfliegend   trägt er auf den Flügeln
Nidhöggurs Leichen – und nieder senkt er sich.

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http://gutenberg.spiegel.de/buch/4321/3

 

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