Siehe dazu auch meine Seite hier: Die Medien und Die lügen der Medien
Gerhard Wisnewski 
Bekanntlich gibt es zwei Sorten von Journalismus: Erstens den »Qualitätsjournalismus«, der mit der NATO in einem Bett liegt und für das nächste Massensterben trommelt – zum Beispiel die Bild–Zeitung, der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung. Und zweitens den Schmuddel-Journalismus, den »Populismus« und natürlich die »Verschwörungstheorien«. Also den Journalismus, der sich mit den Bürgern und den Lesern verbündet. Aber wissen Sie auch, wie der »Qualitätsjournalismus« gemacht wird? Wahrscheinlich nicht. Wenn doch, dann würden Sie keine einzige etablierte Zeitung mehr kaufen und den Rundfunkbeitrag sofort boykottieren…

Ihre Namen klingen kryptisch wie die Namen von Logen: Kennen Sie zum Beispiel den Vier-Sterne-Kreis? Oder den Brückenkreis? Nein? Dann vielleicht den Dressler-Kreis, das »Kartell« oder den Provinzkreis? Auch nicht? Aber von dem Ruderclub, dem Wohnzimmerkreis oder der »Enklave« haben Sie doch bestimmt schon mal was gehört! Auch nicht? Meine Güte – dann müssen unsere Qualitätsjournalisten doch glatt vergessen haben, Ihnen davon zu erzählen.
Kann ja mal vorkommen. Wenn Sie von all dem also noch nie etwas gehört haben, dann brauchen Sie dringend mal ein neues Buch. Sie wissen ja: Der Trend geht zum Zweitbuch. In diesem Fall zu dem TitelMeinungsmacht von Uwe Krüger, eine atemberaubende Studie über die Netzwerke unserer Propagandajournaille. Glaubt man Krüger, dann stecken Berliner Politiker und Journalisten in solchen Kungelclubs regelmäßig die Köpfe zusammen, um Politik und Berichterstattung aufeinander abzustimmen.

Liste der Berliner Kungelkreise (Auszug). Quelle: Krüger/Meinungsmacht
Gemeinsam gegen die Bevölkerung
Das Buch gibt eine Antwort auf die Frage, »wie Meinungsbildungsprozesse in der journalistischen Elite ablaufen«, schreibt der Kommunikationswissenschaftler Professor Michael Haller im Vorwort. Das Werk will »Gründe und Umstände aufzeigen, warum Medien ihre Reichweiten und ihre Geltung verlieren, warum Desinformation zunimmt und warum Verständigungsprozesse abbrechen«. Es beruhe auf der Annahme, dass eine »konsensuell geeinte Elite« in wichtigen Fragen »gegen die Interessen eines Großteils der Bevölkerung regieren kann und dass journalistische Eliten zu stark in das Elitenmilieu eingebunden sein könnten, um noch als Anwälte des öffentlichen Interesses kritisch-kontrollierend zu wirken«.
Nichts anderes haben wir hier immer wieder behauptet. Nun sind die wissenschaftlichen Belege dafür da: Die Studie weise nach, »wie sich Journalisten in die Elitenzirkel haben einbinden lassen«. Heraus kam eine Netzwerk-Analyse, die sich gewaschen hat – ein Blick hinter die Kulissen der Meinungsküchen, der einem die Augen übergehen lässt. Moment: »Hintergrundkreise«? »Meinungsmacht«? Das sind doch alles Verschwörungstheorien! Wirklich? Dann machen wir doch mal die Probe aufs Exempel und suchen einfach mal nach Besprechungen eben dieses Buches in unseren großen Medien. Ergebnis: Laut Google wurde es gerade mal bei faz.netbesprochen. Fazit der Rezension: alles halb so schlimm. Ein paar Journalisten ergeben ja noch keine öffentliche Meinung.
»Du bist wichtig!«
Na, dann Prost auch – und zurück in den Hintergrundkreis! Apropos: Auch da gibt es gewisse Unterschiede. Neben den gewöhnlichen Runden, in die eher das schreibende Proletariat der Bundeshauptstadt eingeladen wird, gibt es auch noch die »exklusiven Hintergrundkreise«. Laut Krüger zählen dazu Kungelrunden wie der »Wohnzimmerkreis« mit seiner »intimen Atmosphäre und den maximal zehn Journalisten – vor allem aber jene Kreise, zu denen Spitzenpolitiker wie Parteichefs, Fraktionsvorsitzende, Minister oder Kanzler/Kanzlerin ad hoc ausgewählte Journalisten bitten. Eingeladen werden zu Frühstück oder Abendessen Journalisten, zu denen der Politiker Vertrauen hat, oder höherrangige Journalisten wie Büroleiter oder Chefredakteure«.
Die Botschaft an den Schreiber– oder Senderling: »Du bist wichtig! Also enttäusche mich nicht. Sonst bist du nicht mehr wichtig!« Die höchsten Weihen erhält so ein Auftragsschreiber allerdings nur beim Vier-Augen-Gespräch mit einem hohen Politiker. Das kann ganz informell passieren, quasi als »Quickie« am Telefon, oder bei einem intimen Mittag- oder Abendessen. Eine besondere Auszeichnung für den Schreiberling ist das quasi öffentliche Essen in einem einschlägigen Lokal. Wozu man als Journalist natürlich immer wieder eingeladen werden möchte.
Mal richtig »unter drei« plaudern
Die Konsensbildung in den erwähnten Mauschelrunden kann ganz explizit geschehen oder einfach dadurch, dass man sich bei einem Bier oder Wein etwas näher kommt, um sich hinterher nicht mehr weh zu tun. Auf der Tagesordnung stehen Hintergründe von Entscheidungen, Konflikten oder politischen Plänen eines Politikers. So trifft man sich, um mal so richtig »unter drei« zu plaudern. Das ist nicht etwa ein Mafia-Jargon, sondern Politiker- und Journalisten-Latein. »›Unter drei‹ bedeutet vertraulich, d.h. ›nur für den Hinterkopf‹«, so Autor Krüger. »Unter zwei« bedeutet, dass die Informationen zwar veröffentlicht werden dürfen – aber nur ohne Nennung der Quelle. Beliebig verwendet werden dürfen nur Informationen »unter eins«. Die Ziffern beziehen sich nicht etwa auf die Teilnehmerzahl, sondern auf Paragraf 16 der Satzung der Bundespressekonferenz (BP), also jenes Vereins, der Politikern regelmäßig den großen Bahnhof bereitet.
Dort heißt es: »Die Mitteilungen auf den Pressekonferenzen erfolgen: unter 1. zu beliebiger Verwendung oder unter 2. zur Verwertung ohne Quelle und ohne Nennung des Auskunftsgebenden oder unter 3. vertraulich.« Und das gilt auch für die Hintergrundkreise. Und wer sich nicht dran hält, fliegt raus. Denn in Paragraf 16 der BP-Satzung heißt es auch: »Eine Verletzung dieser Regeln über die Verwertung der Mitteilungen kann den Ausschluss aus dem Verein oder die Rücknahme der Zulassung als Ständiger Gast zur Folge haben.« Damit ist man als Berliner Journalist praktisch erledigt.
Die Spinnennetze der Medienleute
Sauber. Aber die Durchleuchtung der Berliner Hinterzimmerrunden ist nur die Vorspeise in dem Buch. In einer ausführlichen Netzwerkanalyse nimmt sich Krüger auch die »Ego-Netzwerke« von ausgemachten Alpha-Journalisten vor. Diese Netzwerke bestehen aus Medien, Journalisten und Organisationen, hauptsächlich aus amerikanischen Denkfabriken, wie zum Beispiel dem Aspen Institute, der Atlantik-Brücke oder auch den Bilderbergern. Dazu kommen weitere angloamerikanische Einflussorganisationen wie das International Institute for Strategic Studies, das American Council on Germany, die American Academy in Berlin oder das American Institute for Contemporary German Studies.
Allein wer diese Liste liest, wird sich nicht mehr wundern, warum in deutschen Medien dauernd gegen Russland gehetzt wird. Führender Netzwerker im Untersuchungszeitraum (2002-2009) war laut Krüger der damalige ZDF-Intendant Markus Schächter, seinerzeit Dienstherr von heute–Moderator Claus Kleber. Laut Krüger war Schächter in nicht weniger als 20 (ausnahmsweise nicht-amerikanischen) Organisationen involviert, mit »erhöhtem Kontaktpotenzial zu 38 Personen«, darunter allein fünf Bundesministern. Unabhängige Berichterstattung? Von wegen. Betrachtet man die Netzwerkgrafik, stellt man fest, dass ihn die politischen Schwergewichte umkreisten wie die Satelliten. Oder kreiste etwa er um die politischen Schwergewichte
Einziger Nachteil dieser Grafiken: Sie sind zu klein geraten. Trotzdem wird es einem beim Stöbern in den Listen und Netzwerkgrafiken
dieses 380-Seiten-Werks nicht langweilig, und bei vielen Verbindungen wird einem das eine oder andere Licht aufgehen. So zum Beispiel bei Claus Klebers Beziehungen zu der US-Denkfabrik Aspen Institute. Zurzeit sitzt er im Kuratorium der Atlantik-Brücke, so einer Art amerikanischer Nebenregierung. Vermutlich wird er deshalb auch nicht so schnell aufhören, mit erhobenem Zeigefinger gegen Russland zu hetzen..